Alternative Konzepte für die Parkstraße präsentiert

Haben sich bei der Erarbeitung alternativer Konzepte für die Parkstraße viel Mühe gegeben und wollen gehört werden: Nicole Wilken, Liedermacherin Bea, Sigrig Jäckel, Jörg Wadischat und Annette Boog.Haben sich bei der Erarbeitung alternativer Konzepte für die Parkstraße viel Mühe gegeben und wollen gehört werden: Nicole Wilken, Liedermacherin Bea, Sigrig Jäckel, Jörg Wadischat und Annette Boog.12. Juni 2020

Von der Stadtverwaltung in keinster Weise für voll genommen fühlt sich die Warnemünder Bürgerinitiative „Rettet den Küstenwald“ (BI). Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer auf der einen und den Erhalt des Küstenwaldes auf der anderen Seite in Einklang zu bringen.

Zum Hintergrund: Am 15. Januar berichteten wir über den geplanten Ausbau eines 900 Meter langen Teilstücks des Geh- und Radwegs in der Warnemünder Parkstraße. Dieser Maßnahme sollten 110 Bäume geopfert werden. Schnell formierte sich eine Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt des Küstenwaldes und der Kastanienallee einsetzt, zu mehreren Bürgertreffen lud und sogar eine Alarmkette initiierte. Bereits Anfang Februar hatte die BI, einen Antrag mit ihren Forderungen an den Ortsbeirat geschickt, mit der Bitte, diesen an die zuständigen Ämter weiterzuleiten. Eine Eingangsbestätigung aus der Stadtverwaltung steht bis heute aus. Bislang gäbe es auch noch keinen Gesprächstermin mit dem zuständigen Senator, Holger Matthäus. „Man nimmt uns offenbar nicht als ernsthafte Gesprächspartner wahr“, schlussfolgert BI-Sprecherin Annette Boog aus dem Desinteresse und kritisiert einmal mehr die mangelnde Bürgerbeteiligung in der Stadt Rostock.

Nicht kleinbeigebend und durchaus selbstbewusst stellte die Initiative gestern in der Gaststätte am Moor den Warnemündern zwei eigene Varianten zum Projekt vor. Ihre Bitte: Die Stadtverwaltung möge diese bitte zur Kenntnis nehmen und prüfen. Bäume müssten bei keiner der beiden Optionen gefällt werden.

Variante 1 betitelt als die „klassische“ stellt Annette Boog als „30 Km/h-Vorschlag für die Parkstraße“ vor, wobei hier, ganz wichtig, dezidiert auf die Formulierung zu achten sei. Es gehe nämlich nicht um eine 30er Zone, sondern um die Reduzierung der Geschwindigkeit auf 30 Km/h zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Denn nur in diesem Fall seien nach Ansicht der Juristin auch noch zusätzliche Radwege möglich. Radfahrer aus Richtung Westen kommend, sollten ab der Einmündung Kleiner Sommerweg mittels Bedarfsampel auf die andere Straßenseite wechseln um dort auf einem neu zu bauendem, einspurigem Fahrradweg südlich der Straße orteinwärts zu fahren. Die weiterführende markierte Fahrradspur in der Parkstraße könnte in diesem Zuge aufgewertet und verbreitert werden. „An der Ampel Richard-Wagner-Straße wird es nur eine gemeinsame Auto- und Busspur Richtung Mühlenstraße geben; daneben rechts eine breite Fahrradspur Richtung Ortszentrum mit Extra-Radfahrerampel und Vorrangschaltung“, erklärt die Warnemünderin den weiteren Verlauf. Für die entgegengesetzte Richtung ortsauswärts könnten sich Fußgänger und Radfahrer die derzeitige Trasse in Mischnutzung wieder teilen, denn das Gefahrenpotenzial sei durch den Einrichtungsverkehr deutlich minimiert. Etwa ab Beginn des Küstenwaldes sollten die Radler dann frei wählen zwischen der Benutzung der Straße im Mischverkehr mit Autos bei Tempo 30 und Überholverbot von Radfahrern oder des Gehwegs mit Fußgängern.

Die Umsetzung der Variante 2, betitelt als „zukunftsweisende Verkehrswende vor Ort und Pilotprojekt Klimaschutz Warnemünde“ wäre mit deutlich weniger finanziellen Mittel machbar und zielt auf eine stufenweise Autofreiheit in Warnemünde. „Wir haben ganz ohne Denkverbote nachgedacht und geplant“, bekennt Liedermacherin Bea, die sich ebenfalls in der BI engagiert. Die südliche Fahrbahn der Parkstraße würde dieser Vision folgend komplett für den motorisierten Individualverkehr gesperrt und den Radfahrern gewidmet. Zugelassen wären zudem Busse, Feuerwehr und Krankenwagen. Bereits in Elmenhorst könnte darauf hingewiesen werden, dass die Zufahrt nach Warnemünde über die Bäderstraße gesperrt sei und ab dem Parkplatz Rohrmannschen Koppel nur noch Park & Ride möglich sei. Zukunftsmusik? Sicher, aber angesichts eines Fahrrad-affinen und für moderne Konzepte grundsätzlich offenen Oberbürgermeisters, vielleicht doch gar nicht so abwegig. Es fehlen noch wichtige Grundvoraussetzung, wie ausreichend Parkraum und ein funktionierender Shuttledienst. Aber einen gewissen Charme hat auch diese Variante, nämlich als eine erste Stufe in Richtung autofreien Warnemündes. Andere Tourismusregionen haben es längst vorgemacht.



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