Auf den Stühlen im Coaast Schallplattencafé am Warnemünder Leuchtturm fehlt ein Gesicht und eine Person. Ein markantes Lachen ist für immer verstummt. Knut Linke, Inhaber der Agentur Kulturmeer und Organisator zahlreicher Konzerte im Ostseebad, verstarb am 24. Dezember 2024 im Alter von 68 Jahren. Am Sonnabend wurde seine Asche von der Merkur II der Ostsee übergeben – dem Ort, an dem auch seine Frau vor 14 Monaten ihre letzte Ruhe fand.
An der Seebestattung nahmen neben seinen Kindern Anett und Thomas und seinen Enkeln auch zahlreiche Freunde und Musiker teil. Einer von ihnen war Olaf Hobrlant, der für Knut das Lied „Der letzte Ton“ geschrieben hat. Statt einer offiziellen Trauerfeier gab es eine stille Zusammenkunft zum Andenken. Diese fand im Coaast Schallplattencafé statt. Für Knut Linke war es quasi sein zweites Wohnzimmer. Das kleine Plattenlädchen am Fuße des Leuchtturms war nicht nur ein Musiktreffpunkt, sondern auch eine Ideenschmiede für zahlreiche Warnemünder Kulturprojekte – meist mit Knut Linke mittendrin.
Seit 2009 engagierte sich Knut Linke unermüdlich für die Kultur im Ostseebad. Er organisierte Konzerte, stellte das Programm für den Weihnachtsmarkt zusammen und legte dort zu Silvester als DJ auf. Dass ein solcher Mann posthum geehrt wird, verwundert in Warnemünde niemanden. Ihm zu Ehren wurde eine CD mit dem Titel „Kulturmeer – Songs für einen Freund“ veröffentlicht. Während der Trauerfeier auf dem Schiff sang Olaf Hobrlant Knuts Lieblingslied: „Am Ende denke ich immer nur an Dich“ von Element of Crime. „Knut war ein selbstloser Mensch, er dachte meistens zuerst an andere – besonders an Musiker, dann erst an sich“, beschreibt Hobrlant seinen Freund.
Schon vor dem Tod seiner Frau hatte sich Knut Linke eine besondere Urne ausgesucht: ein Segelschiff. „Als er nach dem Tod meiner Mutter aus dem Bestattungsinstitut kam, zeigte er auf diese Urne und sagte: ‚Die nehme ich mal, wenn es bei mir so weit ist‘“, erzählt seine Tochter Anett. Niemand ahnte damals, wie bald dieser Moment eintreten würde.
Auch Klaus Burmeister, der mit Knut fast alle Veranstaltungen im Ringelnatz durchgeführt hatte, war bei der Seebestattung anwesend. „Knut sagte immer augenzwinkernd: ‚Jetzt gönnen wir uns ein Dienstbier‘“, erinnert sich Burmeister. Neben der Musik hatte Knut eine Leidenschaft für Indianerfilme und das Kochen. Oft folgte auf ein gemeinsames Essen noch ein Spaziergang durch den IGA-Park.
Die Warnemünder Weberin Ines Heinrich und ihr Freund Jörg zählten ebenfalls zu seinen Weggefährten. „Er hat uns oft selbst gemachte, außergewöhnliche Marmelade geschenkt“, erinnert sich Heinrich.
Unvergessen bleibt auch eine besondere Geste der Solidarität: Als es Doc Buhse 2015 gesundheitlich schlecht ging, wollte Olaf Hobrlant ein Benefizkonzert organisieren. „Ich schrieb Knut eine Mail, hörte aber nichts“, berichtet der Musiker und Schnellzeichner. Zwei Wochen später fragte er nach. Knut hatte in der Zwischenzeit alles arrangiert: 17 Künstler sagten zu, das Hotel Neptun verzichtete auf Miete – und es wurde ein unvergessliches Konzert.
Solche Momente zeigen, dass in Warnemünde viele Menschen zusammenhalten, nicht nur in schweren Zeiten. Die neue CD „Kulturmeer – Songs für einen Freund“ ist auch dem 2022 verstorbenen Leuchtturmchef Klaus Möller gewidmet. Beide Männer haben viel für Warnemünde getan. Erhältlich ist die CD ab dem 25. Februar im Online-Shop von Thomas Selendt und natürlich im Coaast Schallplattencafé von Doc Buhse, wo auch der Warnemünder Musiker Klaus Lass für Knut den Beatles-Song „Here Comes the Sun“ sang. Kerstin Meyer vom Reformhaus sorgte mit selbst gebackenem Kuchen für eine familiäre Atmosphäre.
Olaf Hobrlant stellt sich vor, dass Knut, wo immer er jetzt ist, wieder Konzerte organisiert – vielleicht sogar mit Tamara Danz und Kurt Cobain. Eine schöne Vorstellung. Denn in „Der letzte Ton“ heißt es: „Der Vorhang fällt. Die Show wird weiter gehen als wärst Du noch da.“
Und genau so wird es in Warnemünde sein. Ruhe in Frieden, lieber Knut.
Maria Pistor
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