Bürgerschaft ebnet Weg für realistische Sanierung und künftige Förderfähigkeit
Die grundhafte Sanierung des Stadions im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark Warnemünde hat eine entscheidende Hürde genommen. Die Rostocker Bürgerschaft beschloss am 10. Dezember 2025, freigewordene Planungsmittel in Höhe von 400.000 Euro für das Vorhaben umzuwidmen. Nach Ablauf der Widerspruchsfrist sind die Gelder nun bewilligt. Damit können erstmals seit Jahren wieder belastbare Planungen aufgenommen werden – eine zentrale Voraussetzung, um Fördermittel für eine spätere Umsetzung, etwa aus der „Sportmilliarde“ des Bundes einwerben zu können.
Für den Jahn-Sportpark liegen bereits Vorplanungen aus dem Jahr 2022 vor. Diese glichen einer umfangreichen All-in-Wunschliste und gingen von einer Gesamtinvestition von mehr als 8,4 Millionen Euro aus (DWM berichtete) – angesichts der aktuellen Haushaltslage illusorisch. Die Planungen wurden seinerzeit abgebrochen und sollen nun grundlegend neu und realistisch aufgesetzt werden.
In der Bürgerschaftssitzung machte Senator Steffen Bockhahn deutlich, dass er den Wunsch nach Planungsmitteln grundsätzlich nachvollziehen könne, insbesondere mit Blick auf mögliche Förderprogramme. Zugleich verwies er auf die haushaltsrechtlichen Rahmenbedingungen der Stadt Rostock. Der Jahn-Sportpark sei keine pflichtige Sportstätte, sondern eine zusätzliche, überwiegend vereinsgebundene Anlage. Entsprechend nehme sie im Sportstättenentwicklungsplan eine nachrangige Position ein. Planungen, so Bockhahn, zögen perspektivisch auch Folgekosten für Unterhaltung und Herrichtung nach sich – ein Aspekt, der angesichts der angespannten Haushaltslage und der Vorgaben der Rechtsaufsicht sorgfältig abzuwägen sei. Aus Sicht des Senators müsse die Stadt daher klare Prioritäten setzen.
CDU-Fraktionschefin Chris Günther plädierte hingegen für eine pragmatische Lösung. Die Mittel seien im KOE-Wirtschaftsplan durch den Wegfall der Planung für neue Theaterwerkstätten frei geworden und sollten sinnvoll genutzt werden. „Wenn wir diese Planungen fortführen, haben wir etwas in der Schublade“, argumentierte Günther. Das versetze die Stadt in die Lage, bei passenden Förderprogrammen – etwa auf Bundesebene – kurzfristig reagieren zu können. Zudem verwies sie auf die Situation des Schulsports in Warnemünde, der teilweise auf öffentliche Grünflächen ausweichen müsse.
Die Debatte zeigte, dass es in der Bürgerschaft weniger um ein grundsätzliches „Ob“, sondern vielmehr um das „Wie“ der weiteren Schritte ging. Die von Senator Bockhahn benannten Bedenken – fehlende Pflichtigkeit, nachrangige Priorisierung und haushaltsrechtliche Risiken – blieben im Verfahren präsent.
Gleichzeitig folgte die Bürgerschaft am Ende mehrheitlich der Argumentation, dass es sinnvoll sei, die freigewordenen Mittel nicht verfallen zu lassen, sondern strategisch zu nutzen. Mit dem Beschluss wurde ausdrücklich kein Baubeschluss gefasst. Vielmehr handelt es sich um einen vorbereitenden Schritt, um eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu schaffen. Die Umwidmung der Mittel ist damit als politischer Kompromiss zu verstehen: Sie wahrt die Haushaltsdisziplin, eröffnet aber zugleich Handlungsspielräume für eine realistische Neubewertung des Vorhabens.
Aus Warnemünde kam deutliche Unterstützung für die anstehenden Planungen. Vertreter des Ortsbeirates sowie der Sportvereine verwiesen auf den schlechten Zustand der Anlage. „Seit der Wende ist hier im Grunde nichts mehr passiert“, sagte Leichtathletiktrainer Gottfried Behrens. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand – und wir machen das vor allem für die Kinder und Jugendlichen in Warnemünde. Mit dieser veralteten Anlage haben wir ein massives Nachwuchsproblem.“
Für den Ortsbeiratsvorsitzenden Axel Tolksdorff ist auch der Schulsport in der Parkstraße noch längst nicht vom Tisch: „Wir wollen nicht, dass unsere Kinder im Kurpark ihren Sportunterricht absolvieren und möchten gern ins Stadion ausweichen“, betont der Warnemünder.
Jann-Henning Krause, Mitglied des Ortsbeirates Warnemünde/Diedrichshagen, betonte die Notwendigkeit eines realistischen Ansatzes: „Wir müssen weg von Maximalforderungen. Wenn wir heute von 1,5 bis 2 Millionen Euro Baukosten ausgehen, dann sprechen wir über 150.000 bis 200.000 Euro Eigenmittel. Das ist ambitioniert, aber machbar – und im Ort gibt es viele Menschen, die bereit sind, so ein Projekt zu unterstützen.“
Eine mögliche Förderung aus der sogenannten Sportmilliarde des Bundes (DWM berichtete) richtet sich ausdrücklich an den Breitensport und setzt einen Eigenanteil von zehn Prozent voraus. Da von der Stadt Rostock aufgrund der Haushaltssperre keine Mittel zu erwarten sind, setzen die Vereine auf alternative Finanzierungswege. „Wir werden Fördertöpfe des Landesförderinstituts und des Landessportbundes prüfen“, kündigte Mike Frahm, Vorsitzender des SV Warnemünde Fußball e. V. und zentraler Ansprechpartner der Warnemünder Sportvereine in Sachen Stadionsanierung, an. Auch Spendenaktionen seien denkbar. „Je realistischer und sauberer die Planung ist, desto größer ist am Ende die Chance, dass wir das Projekt auch umgesetzt bekommen.“
Auf der nach intensiver vereinsinterner Diskussion jetzt deutlich verschlankten To-do-Wunschliste stehen derzeit eine Flutlichtanlage für die ganzjährige Nutzung des Stadions, ein neuer Rasenplatz inklusive Bewässerung, eine Tartan-Laufbahn sowie – sofern umsetzbar – eine kleine Tribüne für maximal 300 Zuschauer auf der Südseite.
„Ohne Flutlicht ist das Stadion praktisch nur eingeschränkt nutzbar“, so Frahm. Gleichzeitig betonen alle Beteiligten, dass es um Funktionalität und Nachhaltigkeit gehe – nicht um Prestige.
Voraussetzung für mögliche Förderanträge ist eine Kostenschätzung bis zur Leistungsphase 3 nach HOAI, einschließlich Entwurfsplanung und detaillierter Kostenberechnung.
Der Eigenbetrieb KOE soll nun ein Planungsbüro beauftragen, das eine Bestandsaufnahme vornimmt und den Investitionsbedarf konkret beziffert. Ziel ist es, die Planungen bis Ende Mai abzuschließen. Kurzfristig suchen die Sportvereine das Gespräch mit dem Stadtsportbund sowie dem Amt für Schule und Sport, um das Vorhaben fachlich abzustimmen.
Der Wunsch aus Warnemünde ist dabei klar formuliert: Mit belastbaren Planungen, Augenmaß bei den Kosten und gemeinschaftlichem Engagement soll der Jahn-Sportpark wieder zu einer zeitgemäßen Sportstätte für Vereine, Schulen und den Nachwuchs werden – und Schritt für Schritt Realität werden.
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