Ostsee stark erwärmt – Nordsee 2025 so warm wie nie zuvor


13. Januar 2026

Zweitwärmstes Ostsee-Jahr seit Messbeginn, Rekorde in der Nordsee und eine beispiellose marine Hitzewelle

Die Meere vor Deutschlands Küsten haben 2025 ein außergewöhnliches Temperaturjahr erlebt. Während die Nordsee so warm war wie nie zuvor, verzeichnete die Ostsee ihr zweitwärmstes Jahr seit Beginn der Messungen. Neue Auswertungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zeigen eindrücklich, wie stark der Klimawandel Nord- und Ostsee bereits verändert – mit zunehmenden Extremereignissen, steigenden Meeresspiegeln und wachsenden Risiken für die Küsten.

Ostsee: Flächendeckend zu warm – nur 2020 war heißer

Im Jahresmittel erreichte die Oberflächentemperatur der Ostsee 9,7 Grad Celsius. Das entspricht einem Plus von 1,1 Grad gegenüber dem langjährigen Mittel (1997 bis 2021). Damit war 2025 das zweitwärmste Jahr der Ostsee seit Beginn der BSH-Datenreihe 1990. Nur 2020 war wärmer.

In nahezu allen Regionen lagen die Temperaturen mindestens 0,5 Grad über dem Durchschnitt, vielerorts – insbesondere in der südwestlichen Ostsee, den deutschen Küstengewässern und im Finnischen Meerbusen – sogar mehr als ein Grad darüber. Die vergleichsweise geringe Tiefe und der eingeschränkte Wasseraustausch sorgen dafür, dass sich die Ostsee besonders schnell erwärmt.

Nordsee: Wärmerekord an Oberfläche und in der Tiefe

Auch die Nordsee setzte 2025 neue Maßstäbe. Mit einer mittleren Temperatur von 11,6 Grad Celsius erreichte sie den höchsten Wert seit Beginn der BSH-Messungen 1969. Jeder Monat des Jahres lag über dem langjährigen Mittel, besonders Juni und Dezember stellten neue Rekorde auf.

Bemerkenswert ist zudem der enorme Wärmeinhalt: Die Nordsee speicherte 1,46 Millionen Petajoule Wärme – so viel wie nie zuvor. Damit lag sie rund 35.000 Petajoule über dem Vorjahr, was etwa dem Dreifachen des deutschen Primärenergieverbrauchs entspricht. Die Erwärmung erfasste dabei nicht nur die Oberfläche, sondern die gesamte Wassersäule.

Extremereignisse nehmen zu: 55 Tage marine Hitzewelle

Wie stark sich die Meere bereits verändert haben, zeigt ein Extremereignis in der Ostsee besonders deutlich: Am Leuchtturm Kiel registrierte das BSH im Frühjahr 2025 eine 55 Tage andauernde marine Hitzewelle – die längste seit Beginn der Messungen. Die Wassertemperaturen lagen durchschnittlich 2,6 Grad, zeitweise sogar 4,3 Grad über dem langjährigen Mittel.

Solche marinen Hitzewellen treten mit der fortschreitenden Erwärmung immer häufiger auf und setzen Meeresorganismen erheblich unter Druck – von Sauerstoffmangel bis hin zu Veränderungen ganzer Lebensräume.

Langfristiger Trend: Ostsee erwärmt sich schneller als die Nordsee

Langzeitbeobachtungen des BSH belegen: Beide Meere erwärmen sich deutlich, die Ostsee jedoch schneller als die Nordsee. Klimasimulationen des BSH und des Dänischen Meteorologischen Instituts (DMI) zeigen, dass bei weiterhin hohen Treibhausgasemissionen (RCP8.5-Szenario) bis 2100 eine zusätzliche Erwärmung von rund 3,0 Grad in der Ostsee und 2,8 Grad in der Nordsee zu erwarten ist – verglichen mit dem Zeitraum 1971 bis 2000.

Steigender Meeresspiegel: Wachsende Gefahr für die Küsten

Mit der Erwärmung steigt auch der Meeresspiegel. Pegelmessungen zeigen bereits deutliche Veränderungen: In Warnemünde ist der Meeresspiegel seit 1900 um knapp 20 Zentimeter, in Cuxhaven um über 25 Zentimeter gestiegen.

Klimaprojektionen des Weltklimarats (IPCC) gehen davon aus, dass der globale Meeresspiegel bis 2100 – bei weiter hohen Emissionen – um 0,63 bis 1,01 Meter ansteigen könnte. Die Folge: höhere Sturmfluten, zunehmende Küstenerosion und wachsende Risiken für Siedlungen und Infrastruktur.

„Zeit gewinnen für den Schutz unserer Küsten“

„Selbst wenn wir weltweit sofort aufhören würden, Treibhausgase auszustoßen, wird der Meeresspiegel noch über Jahrhunderte weiter steigen“, warnt BSH-Präsident Helge Heegewaldt. Das sei gefährlich gerade für unsere Küste. „Deshalb ist es wichtig, mehr für den Klimaschutz zu tun. Wir können so Zeit gewinnen, um uns besser auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten und unsere Küsten und damit auch die Bevölkerung vor Ort besser zu schützen.“

Die Analysen entstehen im Rahmen des DAS-Basisdienstes ‚Klima und Wasser‘ und unterstützen die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel.

 


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