Gibt es noch eine Chance für die Ulme im Kurpark?

Die Flatterulme im Kurpark Warnemünde hat schon fast alle Blätter fallenlassen.Die Flatterulme im Kurpark Warnemünde hat schon fast alle Blätter fallenlassen.18. November 2021

Noch steht die gut 150 Jahre alte Flatterulme im denkmalgeschützten Warnemünder Kurpark. Allerdings steht sie ebenfalls auf der Fällliste des Amtes für Stadtgrün der Stadt Rostock. Ein Gutachten aus dem Sommer dieses Jahres – durch das Grünamt in Auftrag gegeben – attestierte dem Baum keine Reststandzeit an diesem Standort. Die Verkehrssicherheit sei nicht gegeben und die Fällung noch in diesem Jahr zu empfehlen (DWM berichtete). Dieses Gutachten wird nun von der Bürgerinititative „Rettet den Küstenwald“ (BI), die sich für den Erhalt der Flatterulme einsetzt, bemängelt und angezweifelt.

„Wir möchten, dass ein Zweitgutachten zu diesem besonderen Baum eingeholt wird, bevor er gefällt wird. In dem vorgelegten Gutachten haben wir etliche erhebliche Mängel gefunden, z.B. fand darin keine Beachtung, dass die Ulme im denkmalgeschützten Kurpark steht und die Messungen zur Beurteilung der Standfestigkeit haben laut Messprotokoll keine drei Minuten gedauert. Wir denken dieser um das Jahr 1860 vom Anlagengründer, dem Stadtdeputierten Wachtler, gepflanzte Baum sollte es der Stadt wert sein, noch einmal genauer von einem anderen Gutachter angeschaut zu werden“ so BI-Sprecherin Annette Boog. Zudem fehle die vorgeschriebene artenschutzrechtliche Untersuchung der Flatterulme.

Auch der Ortsbeirat Warnemünde/ Diedrichshagen hatte sich in seiner letzten Sitzung am 9. November zum Sachverhalt um die Ulme im Kurpark positioniert. Auf Initiative des Umweltausschusses wurde einstimmig beschlossen, bei der Stadtverwaltung zu beantragen, dass dieser Baum von der vorläufigen Fällliste gestrichen und ein zweites Gutachten eingeholt werde. Zu dieser Entscheidung beigetragen hatte auch die Stellungnahme von Dethardt Götze, Kustos des Botanischen Gartens der Universität Rostock, der die Flatterulme Mitte Oktober 2021 in Augenschein genommen und bei ihr eine – trotz ihres Alters – bemerkenswerte Vitalität diagnostiziert hatte (DWM berichtete). Demnach verfüge der Warnemünder Kurpark mit diesem Unikat einer sehr seltenen einheimischen, unbedingt erhaltenswerten Baumart, über eine Besonderheit im städtischen Raum, ein Kunstwerk der Natur. Entsprechend kenntlich gemacht, könne diese Attraktion Warnemünde und seinen Kurpark ausgewiesenermaßen bereichern.

Übrigens, die Flatterulme war „Baum des Jahres 2019“. Das vermutlich älteste und stärkste Exemplar Deutschlands, steht im brandenburgischen Gülitz. Der Umfang ihres innen weitgehend hohlen Stammes – rund 10 Meter. Experten schätzen das Alter der vitalen Gülitzer Flatterulme auf 400 bis 700 Jahre. „Ob unsere Ulme im Kurpark die Chance bekommt, ein ähnliches Alter zu erreichen, werden wir sehen. Es hängt davon ab, ob wir Menschen ihr ihren Lebensraum lassen“ sagt Annette Boog. Jetzt hoffe sie erstmal auf ein zweites Gutachten und darauf, dass die Flatterulme im Kurpark stehen bleiben darf – zumindest bis zur nächsten Blüte. Im kommenden Frühjahr, etwa ab Ende März, würden dann die für die Ulme typischen Blütenbüschel wieder im Wind flattern.

RikeM



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