Der Schatz im Kurpark – eine der letzten Flatter-Ulmen Deutschlands

"Die Flatter-Ulme im Kurpark zeichne sich trotz ihres Alters durch eine bemerkenswerte Vitalität aus", sagt Dethardt Götze, Kustos des Botanischen Gartens der Universität Rostock. Trotzdem steht sie auf der aktuellen Fällliste des städtischen Grünamtes. 03. November 2021

Sie wächst hier, seit der Warnemünder Kurpark um das Jahr 1860 angelegt wurde. Seit mehr als 150 Jahren steht die inzwischen riesige Ulme eher unbemerkt nahe der heutigen Kinderrutsche – sie ist einfach da, fest verwurzelt im damals eigens aufgeschütteten Boden. Das große Ulmensterben durch den Ulmensplitkäfer hat sie unbeschadet überlebt.

„Es ist eine Mischung aus Zufall, Aufmerksamkeit und ein wenig Glück, dass wir den Wert dieser alten Ulme überhaupt entdeckt haben, bevor sie einfach gefällt wird“, sagt Annette Boog von der Bürgerinitiative „Rettet den Küstenwald“ (BI). Die große alte Flatter-Ulme, die auch dieses Jahr wieder in vollem Grün stand, steht auf der aktuellen Baumfällliste des städtischen Grünamtes. Wegen Fäulnis am Stammfuß sei die Standsicherheit gefährdet.

Diese Diagnose ist falsch, meint Dethardt Götze, Kustos des Botanischen Gartens der Universität Rostock. An einem Sonntagnachmittag im Oktober hatte sich der international erfahrene Botaniker Zeit genommen, sich selbst vor Ort ein Bild von der Ulme im Kurpark zu machen. Seine Einschäzung: Die Flatter-Ulme im Kurpark zeichne sich trotz ihres Alters durch eine bemerkenswerte Vitalität aus. Sie ist die einzige einheimische Baumart, die zur Erhöhung der Standfestigkeit seitliche Brettwurzeln ausbildet, wie es von tropischen Regenwaldarten bekannt sei. Das innere Holz des Stamms ist durch Pilzabbau weithin morsch und weich, so dass es nicht mehr zur Stabilisierung beiträgt, sondern als Lebensraum der Baumfauna diene. Solange die äußere Stammröhre und der Übergang zu den Wurzeln so unbeschadet, fest und vital sind, bedürfe der Baum keiner weiteren Maßnahmen zur Stabilisierung oder „Sicherung“.

In der Stellungnahme des Institutes für Biowissenschaften der Universität Rostock heißt es weiter: „Mit diesem Unikat einer sehr seltenen einheimischen, traditionell vielfältig genutzten und unbedingt erhaltenswerten Baumart verfügt der Warnemünder Kurpark über eine Besonderheit im städtischen Raum, ein Kunstwerk der Natur, das bislang für die Öffentlichkeit nicht kenntlich gemacht ist, aber als Attraktion dienen und Warnemünde und seinen Kurpark ausgewiesenermaßen bereichern könnte.“

„Wir möchten auf jeden Fall erreichen, dass diese besondere alte Ulme, dieser Schatz im Kurpark, sofort von der Baumfällliste der Stadt gestrichen wird!“ sagt BI-Sprecherin Annette Boog vor der heutigen Baumbegehung. Am Nachmittag treffen sich Vertreter des Amtes für Stadtgrün der Stadt Rostock, des Warnemünder Umweltausschusses und der Bürgerinitiative, um alle 15 auf der aktuellen Fällliste stehenden Bäume im Ostseebad gemeinsam anzuschauen. Die Begehung startet um 14 Uhr am Warnemünder Leuchtturm.

RikeM







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03.11.2021 um 12:06 Uhr
limalo: Das ist einfach nur toll !!! Die Ulme bleibt hoffentlich noch viele Jahre vital und vor allem schützenswert ! Somit der ganze Kurpark !!!