Erhöhung der Kurabgabe stößt auf Kritik

Die geplante Angleichung der Kurabgabe auf 2,25 Euro ganzjährig und für alle Rostocker Seebäder wurde den Ortsbeiräten Warnemünde/ Diedrichshagen und Markgrafenheide kritisch diskutiert.Die geplante Angleichung der Kurabgabe auf 2,25 Euro ganzjährig und für alle Rostocker Seebäder wurde den Ortsbeiräten Warnemünde/ Diedrichshagen und Markgrafenheide kritisch diskutiert.19. April 2021

Die von der Tourismuszentrale geplante Angleichung der Kurabgabe auf 2,25 Euro pro Person und Nacht, ganzjährig und für alle Rostocker Seebäder, wurde in den Ortsbeiräten Warnemünde/ Diedrichshagen und Markgrafenheide kritisch diskutiert.

Zweckbestimmt werde mit der Kurtaxe unter anderem die Strandbewirtschaftung, Wasserwacht, Sicherheit, Sauberkeit am Strand und auf der Promenade, aber auch der Ausbau barrierearmer Strandzugänge und das ganzjährige Veranstaltungsangebot finanziert, zählte Tourismusdirektor Matthias Fromm auf. Die Kosten seien deutlich gestiegen und beliefen sich aktuell auf 3,32 Millionen Euro jährlich. Mit der „moderaten Anpassung“ ab dem 1. Mai könnten fast 90 Prozent gedeckt werden; im Jahr 2019 waren es lediglich 73. Wegen der Corona-Pandemie falle das Defizit in 2020 sogar noch höher aus.

Kritik dazu kam von Susann Apitz, Inhaberin des Landhotels Ostseetraum in Diedrichshagen, wo Gäste – wenn sie denn kommen dürften – in der Nebensaison noch gar keine Kurabgabe zahlen: Von Null auf 2,25 Euro zu erhöhen, sei schon ein starkes Stück, denn es fehle an jeglicher touristischen Infrastruktur. Die schöne Natur im Seebad Diedrichshagen wüssten Gastgeber und Gäste gleichermaßen zu schätzen, doch Ansprüche habe man auch hier: „Wir haben keine ordentlichen Radwege, keine Beleuchtung, keine Sitzgelegenheiten und es gibt auch keine öffentlichen Toiletten. Veranstaltungen finden keine statt und eine Familie mit Kindern, unterwegs mit dem Bollerwagen, kommt noch nicht einmal im Guten an den Ortsstrand“, schimpfte Susann Apitz, die sich grundsätzlich verständnisvoll für eine Erhöhung der Kurabgabe zeigte, jedoch sollte dies maßvoll, in kleinen Schritten und nicht inmitten einer Pandemie erfolgen.

Auch in Hohe Düne und Markgrafenheide konnte der Tourismusdirektor den Ortsbeirat nicht überzeugen. Bei der Abstimmung sei, so der Beiratsvorsitzende Henry Klützke, sogar ein gegenteiliges Votum herausgekommen. Auch hier wurden die unzureichende Infrastruktur und die andauernde Toilettenproblematik kritisiert. Beiratsmitglied Dieter Mergelkuhl meinte zudem, dass man, als die Preise irgendwann festgelegt wurden, sich nicht ohne Grund für eine Staffelung entschieden habe: „Wenn man erhöht, muss man überall erhöhen und nicht einfach an Warnemünde angleichen.“ Unternehmer und Einwohner beobachteten das touristische Geschehen im Ort zudem sehr genau: „Häufig sprechen uns Gäste an und äußern sich enttäuscht angesichts der fehlenden Angebote und die gesamte Versorgung für Urlauber im Ort“, berichtete Henry Klützke. Den Gästen sei durchaus klar, dass sie Kurabgabe zahlen müssten, nur was sie dafür erhielten, sei einfach zu wenig. Deshalb würden beispielhaft auch immer wieder die benachbarten Ostseebäder Graal-Müritz und Kühlungsborn mit einbezogen. Trotz geringerer Kurabgabe seien diese deutlich besser versorgt und sogar die öffentlichen WC-Anlagen kostenfrei nutzbar.

Eine Erhöhung angesichts des Lochs in der Tourismuskasse sei nachvollziehbar, doch müssten darauf auch Gegenleistungen folgen, war der Tenor aus Warnemünde: „Es gibt kaum einen Urlaubsort in dem die Kurabgabe zu entrichten ist, die Nutzung der Toiletten aber viel Geld kostet. Das ist nicht vermittelbar“, unterstrich Alexander Prechtel.

Warnemünde sei längst zu einer Ganzjahresdestination geworden, stellte indes Matthias Fromm fest. Auch sei der Urlauber mobil und halte sich nicht nur die Diedrichshagen oder Markgrafenheide auf. Ein saisonaler Unterschied zwischen den Seebädern sei von daher nicht mehr zeitgemäß. „Dass wir bei den Leistungen nachlegen müssen ist uns klar, aber sicher ist auch, dass wir, wenn die Angleichung jetzt nicht vorgenommen wird, den Anschluss hinter Kühlungsborn verlieren.“

Der Ortsbeirat Warnemünde/ Diedrichshagen stimmte für die geplante Anpassung der Kurabgabe, knüpfte daran aber die Bedingung, dass die Nutzung öffentlicher Toiletten künftig kostenfrei sein sollte.

Am Mittwoch soll die Änderung der Kurabgabesatzung in der Bürgerschaft diskutiert werden.

Foto (Archiv): Taslair



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