Ende Juni soll der Neptunbrunnen eingeweiht werden

Michael Wittkamp (l.), Inhaber der gleichnamigen Bildgießerei, und Künstler Thomas Jastram püfen, ob der Arm auch an den Torso passt. Hergestellt werden in Elmenhorst (Schleswig-Holstein) die Bronzefiguren für den Neptunbrunnen.Michael Wittkamp (l.), Inhaber der gleichnamigen Bildgießerei, und Künstler Thomas Jastram püfen, ob der Arm auch an den Torso passt. Hergestellt werden in Elmenhorst (Schleswig-Holstein) die Bronzefiguren für den Neptunbrunnen.22. März 2022

Es zischt und pufft. Es ist heiß. Ortstermin in der Bildgießerei Wittkamp in Elmenhorst, Schleswig-Holstein. In Einzelteilen entstehen hier die drei lebensgroßen Bronzefiguren, Begleiterinnen Neptuns, nach einem Entwurf des Künstlers Thomas Jastram. Die Neriden sind Hauptelemente des Neptunbrunnens auf dem Kirchenplatz Warnemünde. Voraussichtlich noch im Juni dieses Jahres soll er eingeweiht werden.

Drei junge Damen – Lydia, Swantje und Nina – standen Thomas Jastram Modell für seine Gipsfiguren. 1:1 werden sie jetzt in Bronze gegossen. In Einzelteilen zunächst, dann geheftet und zur Firma Wassertechnik Rostock GmbH verschickt, wo die Leitungen eingefädelt werden. Dann wieder zurück nach Elmenhorst zum finalen Verschweißen und Ziselieren der Nähte. „Die Nähte sind danach absolut bruchfest“, versichert Michael Wittkamp, Inhaber der Gießerei. Sein Unternehmen ist auf die Herstellung von Skulpturen und Reliefs in kleinen Auflagen im Wachsausschmelzverfahren spezialisiert.

Das Verfahren ist ziemlich aufwendig: Die Gipsmodelle von Thomas Jastram wurden zunächst zersägt, um aus den Einzelteilen Silikon-Negativformen und schließlich Wachspositive herzustellen. Diese werden mit Einguss- und Entlüftungskanälen versehen. Alles wird eingeschalt und die entstandene „Kiste“ mit einer Mischung aus Gips-Ziegelmehl ausgegossen. Bei 600 Grad Hitze entsteht in vier bis fünf Tagen so die Gussform. In die Hohlräume fließt nach dem Schwerkraftprinzip die 1150 Grad heiße, flüssige Bronze, eine leicht elastische Kupfer-Silizium-Legierung. „Damit es keine Blasen gibt, wird die Form entlüftet“, verrät Michael Wittkamp. Verliert das Material seine orange Farbe, kann der Schamottestein rundherum zertrümmert und der Rohguss entnommen werden.

„Gießerei ist reine Handwerksarbeit“, weiß Thomas Jastram, dessen künstlerische Arbeit vorerst beendet ist. Der in Hamburg lebende Bildhauer verfolgt das Zusammensetzen der Arme, Beine, Torsos und Köpfe in Elmenhorst und wird natürlich zur Vorortmontage nach Warnemünde kommen. Ein gutes Jahr hat er an den Gipsfiguren gearbeitet: „Es war eine sehr intensive Zeit und zu schaffen nur, weil ich schon vor der eigentlichen Auftragserteilung angefangen hatte, zu arbeiten.“ Der Kunstschaffende ist sicher, dass der begehbare Brunnen auf dem Kirchenplatz sehr schön und von den Menschen angenommen wird. Erst gestern hat er auch die Fußabdrücke für das Neptun-Podest geliefert, Größe 43, es sind seine eigenen.

„Die Idee, Neptun einfach zu streichen war genial, denn so bleibt viel Interpretationsspielraum: von ‚Frauenpower‘, bis hin zu Neptun ist in seinem Hotel oder auf seiner Werft und wer weiß, was noch so kommt“, freut sich Alexander Prechtel. Der langjährige Ortsbeiratsvorsitzende von Warnemünde und Diedrichshäger hat das Brunnenprojekt seit 2011 vorangetrieben und mit dem Rotary-Club, dem er selbst angehört, schließlich auch einen Verein gefunden, über den alles abgewickelt wird. Das Brunnenprojekt ist nämlich eine spendenfinanzierte Erfolgsgeschichte. Im Dezember 2020, inmitten des zweiten Corona-Lockdowns, ist sie an den Start gegangen (DWM berichtete). Innerhalb von nur 15 Monaten wurden für die Umsetzung der Brunnenidee unglaubliche 200.000 Euros eingesammelt. Allein 1.000 Euro seien aus den Spendendosen zusammengekommen. „Die Beteiligung der Bevölkerung ist phänomenal. Wir sind überwältigt“, so Prechtel. Wegen Mehrkosten für Steine, die eben nicht aus China, sondern aus Schweden kommen sollen und der Stehle mit Spenderplaketten fehlen jetzt noch 13.500 Euro. „Aber auch das kriegen wir noch hin, da bin ich mir sicher.“

Der Aufbau des Neptunbrunnens in Warnemünde soll voraussichtlich in der Woche vor dem 17. Juni erfolgen. Kurze Zeit später steht dann auch die offizielle Einweihung an. Die Asa Bau GmbH kümmert sich um den Tiefbau und die Wassertechnik Rostock GmbH darum, dass das Wasserspiel auch funktioniert. Auf Wunsch werden die Figuren nach dem Verschweißen und Ziselieren auch noch das patiniert. „So nimmt man den Alterungsprozess des Metalls vorweg. Da der Brunnen in Warnemünde und damit in Ostseenähe stehen soll, nimmt es eine hübsche grünliche Farbe an“, kündigt Michael Wittkamp an.

Gespendet werden darf auch weiterhin. Zur Abwicklung hat der Rotary Club Warnemünde unter der IBAN DE05 1305 0000 0201 1174 44 ein Spendenkonto bei der Ostseesparkasse Rostock eingerichtet. Als Zahlungsgrund sollte „Förderung Projekt Brunnen Warnemünde“ eingetragen sein.







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