Ein Morgen im Küstenwald

Der Küstenwald westlich von Warnemünde, angelegt vor mehr als 100 Jahren, zieht er sich kilometerweit an der Ostee entlang.Der Küstenwald westlich von Warnemünde, angelegt vor mehr als 100 Jahren, zieht er sich kilometerweit an der Ostee entlang.01. September 2022

Es ist ein stiller Morgen, wie so viele in diesem wieder heißen Sommer. Die ersten Frühsportler – überwiegend Einheimische – sind bereits im Küstenwald gleich westlich von Warnemünde unterwegs. Einige Vögel singen fröhlich in den Tag, plötzlich ein Geräusch von rechts – drei Eichhörnchen spielen „Fangen“ an einer großen Kiefer. Es sind die für diese Gegend typischen roten Nager mit weißem Bauch und buschigem Schwanz. Spiralförmig laufen sie den dicken Stamm hinauf Richtung Baumkrone – verstecken sich schnell wieder vor neugierigen Blicken. Sie leben hier draußen.

Ein paar hundert Meter weiter rollen zwei Jugendliche gerade ihre Schlafsäcke ein. Ohne Zelt haben sie mitten im Wald unterm Blätterdach übernachtet – für sie ein besonderes Naturerlebnis. Mit dem 9-Euro-Ticket waren die Studenten für eine kurze Auszeit an die Küste gekommen. Ihren einmaligen Schlafplatz verlassen sie aufgeräumt und sauber, nichts bleibt liegen, was nicht in den Wald gehört. „Ja das gehört sich doch so!“ sagen die beiden.

Solch eine Rücksicht auf die Natur und „alles, was mehr als zwei Beine hat“, wünschen sich die Verantwortlichen für den Küstenwald von mehr Menschen. Bereits bei der Saisonauswertung für das vergangene Jahr 2021 fand der Leiter des Rostocker Stadtforstamtes deutliche Worte (DWM berichtete). Der touristische Druck auf den Warnemünder Küstenwald sei immens, der Besucheransturm extrem – einfach zu viele Menschen für den relativ kleinen Wald. Der Waldboden habe keine Chance, sich zu regenerieren, wenn die Feinwurzeln permanent zerlatscht würden. Dazu verrichten zu viele Menschen ihre Notdurft an und zwischen den Bäumen, lassen Müll einfach liegen, wo er ihnen aus der Hand fällt. An diesem Zustand hat sich auch in dieser Saison nichts geändert.

Angelegt wurde der Wald entlang der Küste an der Stolteraa übrigens um das Jahr 1900 von einheimischen Bauern, sozusagen als großer Windschutz für ihre dahinterliegenden Felder. Gleichzeitig stabilisieren die Wurzeln der Bäume die Steilküste, sorgen mit dafür, dass die Ostsee sich das Land nicht so schnell holt. Der Küstenwald ist eine gute Mischung aus Laub- und Nadelbäumen – also genau das, was Forstwissenschaftler und Waldbewirtschafter sich derzeit wünschen, angesichts der zunehmenden Trockenheit der vergangenen Jahre. Zudem gehört der kilometerlange – teilweise aber nur 100 Meter breite – Wald seit Jahrzehnten zum Naturschutzgebiet „Stolteraa“.

„Der Küstenwald braucht unsere Hilfe, bevor es zu spät ist. Wir müssen ihm Ruhe geben, damit er eine Chance hat, sich zu regenerieren. In Absprache mit dem Ortsamt und anderen städtischen Behörden werden wir jetzt im September damit beginnen, besonders gefährdete Flächen zu kennzeichnen und einzuzäunen, darin werden dann Büsche gepflanzt. So wollen wir vor allem den Besucherdruck von den Flächen nehmen und schauen, wie sie sich entwickeln“ heißt es aus dem Stadtforstamt Rostock, das für die Waldbewirtschaftung auch des Küstenwaldes zuständig ist.

Langsam steigt sie Sonne auch an diesem Tag höher, der Wald westlich von Warnemünde füllt sich zusehens. Die einen queren ihn nur auf dem Weg zum Strand, andere wandern Richtung Wilhelmshöhe. Das bis zu 30 Meter hohe, riesige grüne Blätterdach spendet Schatten und kühlt die Luft durch verdunstendes Wasser. Dazu die gesundheitsfördernde Mischung aus sauerstoffreicher Wald- und salziger Seeluft. Angesichts der immer heißeren Sommer wird „Waldbaden“ auch bei Erholungssuchenden immer beliebter. Wir Menschen brauchen Wälder, aus vielerlei Gründen.

An diesem Sonnabend, 3. September ab 10 Uhr sind wieder alle herzlich eingeladen zum diesjährigen „Waldtag“ in der Rostocker Heide. Rund um das Rostocker Stadtforstamt und bis hin zum Forst- und Köhlerhof Wiethagen können Jung und Alt erleben, wie wichtig Wald für uns Menschen seit eh und je ist und wie gut er uns tut. Und wir können uns informieren, was wir für unseren Wald tun können – damit auch unsere Kinder und Enkel noch gut gelaunt in den Küstenwald zum Frühsport gehen und dabei ein paar Eichhörchnen beobachten können.

RikeM







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