Der Seatrac Mover zeigt, wie barrierefreier Strandurlaub in Warnemünde künftig aussehen könnte: Einfach per Fernbedienung vom Strand ins Meer fahren – selbstständig, sicher und ohne fremde Hilfe. Was in Griechenland längst zum Strandalltag gehört, könnte künftig auch im Ostseebad Realität werden. Mit dem Seatrac Mover präsentierten Frank Ohme und Matthias Adler von der Easy in Sea GbR am Donnerstag an der Strandoase Treichel eine innovative Einstiegshilfe für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Zahlreiche Strandbesucher blieben stehen, informierten sich und verfolgten die Vorführung mit großem Interesse.
Der Seatrac Mover ist eine solarbetriebene, mobile Einstiegshilfe der griechischen Firma Tobea. Über eine Schiene gelangen Rollstuhlfahrer oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität per Knopfdruck vom Strand direkt ins Meer und anschließend wieder zurück. Das System trägt bis zu 150 Kilogramm, benötigt keinen Stromanschluss und kommt komplett ohne Öl oder Schmierstoffe aus. Ein Solarmodul versorgt den Akku mit Energie.
Ein weiterer Vorteil: Der Auf- und Abbau dauert lediglich zehn bis 15 Minuten. Bei aufziehendem Unwetter kann das System deshalb schnell demontiert und sicher verstaut werden. Idealerweise wird es außerhalb der Betriebszeiten in einer kleinen Hütte vor Vandalismus geschützt.
Während der Seatrac Mover in Deutschland noch Neuland ist, gehört er in anderen Ländern bereits zum Standard: „In Griechenland läuft das System an mehr als 300 Stränden und ist dort eine echte Erfolgsgeschichte. Auch Italien, Spanien und die Vereinigten Arabischen Emirate setzen inzwischen darauf. Da wundert man sich schon, dass Deutschland bisher noch nicht nachgezogen hat“, sagt Matthias Adler, der das Hamburger Strandbad Farmsen betreibt und dort seit Jahren einen Seatrac Mover im Einsatz hat. Das Vorführmodell stammt aus Farmsen und verrichtet dort bereits seit zwölf Jahren zuverlässig seinen Dienst.
Matthias Treichel, Inhaber der gleichnamigen Strandoase, engagiert sich seit 20 Jahren für einen behindertenfreundlichen Strand. Für ihn wäre die Anschaffung des Seatrac Movers ein großer Schritt in Richtung Inklusion. „Seit rund zehn Jahren wünschen wir uns so ein Schienensystem. Für unsere Gäste wäre das ein riesiger Gewinn, weil sie selbstständig und ohne fremde Hilfe in die Ostsee gelangen könnten. Gleichzeitig würde es unseren Mitarbeiter Detlev Horst entlasten, der mobilitätseingeschränkte Badegäste derzeit noch mit dem Baderollstuhl ins Wasser begleitet.“
Die Anschaffungskosten liegen bei rund 50.000 Euro netto für die Grundausstattung, die Vollausstattung kostet etwa 10.000 Euro zusätzlich. Finanziert werden vergleichbare Projekte häufig über kommunale Förderprogramme, Stiftungen, Spenden oder Unternehmenspartnerschaften.
Eine wichtige Rolle könnte dabei die Nurse-Club-Stiftung spielen. Sie hatte erst vor Kurzem die Anschaffung von drei barrierefreien Strandkörben für die Strandoase Treichel ermöglicht und könnte nun auch Spenden für den Seatrac Mover einwerben. Möglicherweise ist auch eine Förderung denkbar, diese müsste aber von der Kommune beantragt werden. „Warnemünde könnte das erste Leuchtturmprojekt dieser Art in Deutschland werden“, ist Frank Ohme überzeugt.
Für die Nutzer wäre das Angebot in der Strandoase Treichel übrigens kostenlos.
Die Entwicklung des Seatrac Movers wurde von der Europäischen Union gefördert. Die Technik stammt vollständig aus europäischer Produktion. Aufgrund der hohen Nachfrage beträgt die Lieferzeit derzeit rund zwölf Monate. Für den Markteintritt in Deutschland sind allerdings bereits zwei Anlagen in der Grundausstattung reserviert.
Dass der Bedarf vorhanden ist, zeigte sich schon während der Präsentation. Erika Mertinat aus der Altmark war zufällig auf Tagesausflug in Warnemünde und zeigte sich beeindruckt: „Ich habe selbst in einem Altenheim gearbeitet. So etwas ist einfach großartig. Eigentlich müsste es diese Möglichkeit an jedem Strand geben.“
Auch Brigitte Türk aus Warnemünde informierte sich ausführlich über das System. Sie ist mit ihrem Elektrorollstuhl unterwegs und hätte sich einen dauerhaften Einsatz gewünscht. „Das wäre wirklich eine tolle Sache. Mit meinem Stock fühle ich mich im Wasser oft unsicher. Deshalb verzichte ich meistens ganz aufs Baden.“
Für Claudia Hübner aus Leipzig würde der Seatrac Mover sogar lange Fahrten ersparen. „Unsere zweite Heimat ist Kühlungsborn. Meine Mutter kommt über die Holzstege kaum ins Wasser und schon gar nicht wieder heraus. Mit diesem System könnten wir gemeinsam an die Ostsee fahren und müssten nicht extra nach Polen ausweichen.“
Besonders emotional wurde der Tag für Linda Timlin aus Hamburg. Die 38-Jährige ist mobilitätseingeschränkt und war eigens zur Vorführung nach Warnemünde gekommen. „Besser geht es eigentlich nicht. Endlich allein ins Wasser und auch wieder herauskommen. Früher habe ich mich irgendwie bis ans Wasser gekämpft und bin hineingekrabbelt. Heraus kam ich nur mit fremder Hilfe.“
Sie die Gelegenheit für ein ausgiebiges Bad in der Ostsee – selbstständig und gemeinsam mit ihrer Familie. Ein Moment, der zeigte, wie viel Lebensqualität ein solches System schenken kann.
Kommentieren Sie den Artikel
Typisch Treichel! Immer der Erste, wenn es darum geht, auch behinderten Badegästen, einen Zugang in die Ostsee zu ermöglichen!!