Vier barrierefreie Strandkörbe machen Warnemündes Strand inklusiver


02. Juli 2026

Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sollen den Strand in Warnemünde möglichst selbstbestimmt genießen können. Dafür engagieren sich die Strandoase Treichel und die Nurse Club Stiftung am Strandaufgang 4 gemeinsam. Am Mittwoch stellten Julian Sturm-Schneider von der Nurse Club Stiftung und Matthias Treichel, Inhaber der Strandoase, offiziell drei neue barrierefreie Strandkörbe vor.

Gemeinsam mit dem bereits seit Sommer 2022 vorhandenen Spezial-Strandkorb stehen damit erstmals vier barrierefreie Strandkörbe direkt in der ersten Reihe am Meer zur Verfügung. Zehn weitere sind über kurze, befahrbare Plattenwege behindertenfreundlich erreichbar. Ergänzt wird das Angebot durch einen Baderollstuhl und Strand-Rollatoren, die kostenlos ausgeliehen werden können.

„Für Familien mit schwerstkranken Kindern, Menschen im Rollstuhl oder pflegebedürftige Menschen bedeutet das Teilhabe und Lebensfreude. Es bedeutet die Möglichkeit, gemeinsam am Meer Erinnerungen zu schaffen“, sagt Julian Sturm-Schneider. Die Idee hinter dem Engagement sei einfach: Menschen, die im Alltag häufig mit Einschränkungen leben müssen, mehr Lebensqualität und gemeinsame Erlebnisse zu ermöglichen. 

Aus einer persönlichen Erfahrung entstand eine Partnerschaft

Der Kontakt zwischen der Nurse Club Stiftung und Matthias Treichel entstand eher zufällig. Als seine Kinder noch klein waren, nutzte Julian Sturm-Schneider die barrierefreie WC-Anlage der Strandoase zum Wickeln und wurde dabei auf das außergewöhnliche Angebot aufmerksam. „Matthias Treichel war damals der Einzige, der bereits einen Baderollstuhl hatte und diesen auch intensiv genutzt hat. Wir kamen ins Gespräch. Der vorhandene barrierefreie Strandkorb war ständig ausgebucht. Da habe ich vorgeschlagen, über die Stiftung drei weitere anzuschaffen – und das passte.“

Die hochwertigen, rollstuhlbefahrbaren Strandkörbe aus dem Korbwerk Heringsdorf stehen inzwischen bereit und erfreuen sich bereits großer Nachfrage. Wie alle Strandkörbe der Strandoase kosten sie 15 Euro pro Tag.

Das nächste Ziel: Selbstständig in die Ostsee

Mit den vier Strandkörben soll das barrierefreie Angebot jedoch noch lange nicht abgeschlossen sein. Gemeinsam verfolgen Matthias Treichel und Julian Sturm-Schneider bereits das nächste große Projekt.

Geplant ist ein Schienensystem, das Menschen mit Mobilitätseinschränkungen auf einem speziellen Sitz direkt ins Wasser befördert. Per Fernbedienung können die Nutzer selbst bestimmen, wie weit sie ins Meer fahren möchten – ganz ohne fremde Hilfe. An vielen europäischen Stränden längst Realität.

Rund 65.000 Euro kostet die Anlage. „Zur Realisierung sind wir auf Spenden angewiesen, die über unsere gemeinnützige Stiftung abgewickelt werden. Auf Wunsch stellen wir selbstverständlich Spendenbescheinigungen aus“, erklärt Sturm-Schneider.

Unterstützung erhält die Idee bereits von der Tourismuszentrale Rostock und Warnemünde, die das Projekt als Bereicherung für den Strand bewertet. Auch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg sieht nach aktuellem Stand keine grundsätzlichen Hindernisse.

Große Nachfrage bringt die Strandoase an ihre Grenzen

Bis weitere Projekte umgesetzt werden können, sorgt vor allem Detlev Horst als langjähriger Mitarbeiter der Strandoase dafür, dass Menschen mit Einschränkungen unbeschwerte Stunden am Strand und im Wasser verbringen können.

Doch insbesondere das vergangene Hitzewochenende habe gezeigt, dass die personellen Kapazitäten an ihre Grenzen stoßen. Hier möchte künftig auch die Nurse Club Stiftung unterstützen: „Ich habe einen Physiotherapeuten im Büro sitzen und denke, dass ich ihn dafür gewinnen kann. Auch ich selbst werde gern mithelfen. Vielleicht finden sich zusätzlich Ehrenamtliche, die stundenweise unterstützen können“, sagt Sturm-Schneider (38).

Matthias Treichel kennt die Entwicklung seit vielen Jahren: „Im Jahr 2006 haben wir begonnen, die Strandoase schrittweise behindertenfreundlich umzubauen. Fast zehn Jahre hat es gedauert, bis das Angebot richtig angenommen wurde. Heute sind unsere barrierefreien Strandkörbe und der Baderollstuhl bei schönem Wetter vollständig ausgelastet. Deshalb brauchen wir dringend Unterstützung. Genau hier kommt die Nurse Club Stiftung ins Spiel.“

Auch ein barrierefreies SUP-Board gehört zum Angebot

Zum inklusiven Freizeitangebot der Strandoase gehört dank der Nurse Club Stiftung außerdem ein barrierefreies Stand-up-Paddle-Board. Nach vorheriger Anmeldung können auch Menschen im Rollstuhl damit aufs Wasser. Bis zu drei Rollstühle finden gleichzeitig auf dem Spezialboard Platz, allerdings ist dabei weiterhin eine Assistenz erforderlich.

Fehlende barrierefreie Toilette bleibt ein Problem

Trotz aller Ideen und Fortschritte sehen Julian Sturm-Schneider und Matthias Treichel einen deutlichen Schwachpunkt im Gesamtkonzept: Am Strandaufgang 4 fehlt eine barrierefreie Toilettenanlage. Zwölf Jahre lang stand am Dünenfuß eine entsprechende Anlage zur Verfügung – inklusive Zugang per Euro-Schlüssel. Sie musste jedoch auf Anweisung des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg zurückgebaut werden.

Für Treichel ist das ein Rückschritt. „Unsere Anlage wird auch international immer wieder als besonders behindertenfreundlich gelobt. Die Toilette war ein wichtiger Bestandteil dieses Gesamtkonzepts.“ Welche Folgen das Fehlen einer öffentlichen Toilette hat, erlebt er im Strandalltag regelmäßig. Nicht selten beobachtet er, wie Badegäste ihre Campingtoilette („Ente“) auspacken oder sich Frauen notgedrungen im Dünensand erleichtern – das Schamgefühl bleibt dabei oft auf der Strecke. Für Treichel ein deutliches Zeichen dafür, dass am Strandaufgang 4 dringend wieder eine barrierefreie WC-Anlage benötigt wird.

Der Bedarf an barrierefreien Angeboten werde häufig unterschätzt, sind sich beide Initiatoren einig. Immer wieder müssten Interessierte warten oder könnten die vorhandenen Möglichkeiten gar nicht nutzen, weil die Kapazitäten bislang nicht ausreichten.

Mit den nun vier barrierefreien Strandkörben ist Warnemünde diesem Ziel einen wichtigen Schritt nähergekommen. Die Verantwortlichen hoffen jetzt, dass der Ausbau des inklusiven Strandangebots weitergeht – damit möglichst viele Menschen unabhängig von körperlichen Einschränkungen die Ostsee erleben können.

Spenden für das geplante Schienensystem sowie Anfragen zur Nutzung der barrierefreien Angebote werden über die Nurse Club Stiftung koordiniert.

Kontakt:

E-Mail: stiftung@nurse-club.de
mobil: 0173 / 211 45 06

 


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