Willkommen im „Disneyland Warnemünde“?

Der Postkartenblick von der Mühlenstraße auf die Warnemünder Kirche ist vorübergehend zerstört. Das Sky Lounge Wheel prägt jetzt das kleinteilige Ortsbild.Der Postkartenblick von der Mühlenstraße auf die Warnemünder Kirche ist vorübergehend zerstört. Das Sky Lounge Wheel prägt jetzt das kleinteilige Ortsbild. (2 weitere Bilder)15. Juni 2022

In der vergangenen Woche berichteten wir über die Veränderung des Warnemünder Ortsbildes. Diese scheint jetzt vollzogen, zumindest vorübergehend. Bis Anfang September steht mit dem „Sky Lounge Wheel“ nämlich ein Mega-Riesenrad auf der Mittelmole, dort wo sich bislang das Hanse Rad von Familie Geisler drehte. Allerdings wurde das neue Teil gedreht und dominiert somit den gesamten Ort.

Es handelt sich nicht um irgendein Riesenrad, sondern um das drittgrößte transportable, weltweit, weiß Katrin Geisler, die das Sky Lounge Wheel gemeinsam mit ihrem Mann Alfred betreibt. Das Design sei markant, die Beleuchtung mit 1.200 Metern Neonröhren und ca. 50.000 Brennstellen opulent und auch aus technischer Sicht sei alles auf dem neusten Stand. Die 40 voll geschlossenen und sicherheitsverglasten Gondeln sind zudem geräumig und bieten Platz für bis zu acht Personen. „Eine Fahrt mit dem etwa 60 Meter hohen Riesenrad verspricht ein Erlebnis zu werden. Wir freuen uns, Touristen aus Nah und Fern, aber auch einheimischen Gästen etwas so Einzigartiges präsentieren zu dürfen“, lädt die Schaustellerin ein. Ab Freitag, 17. Juni, soll es die ersten „Passagiere“ in schwindelerregende Höhen mitnehmen.

Selbstverständlich haben Technik und Komfort auch ihren Preis: Eine normale Fahrt dauert etwa eine Viertelstunde und kostet 8 Euro für Erwachsene, Kinder unter 1,40 Metern Körperhöhe zahlen 6 Euro und die unter drei Jahren haben freien Eintritt.

„Seit Monaten sind wir in der Planung. Dazu gehörte auch die Verlängerung des Mietvertrages über die Wiro-Flächen, denn bei einem solch hohen Aufwand brauchten wir natürlich Planungssicherheit“, erläutert Katrin Geisler. In der Tat ist der Gigant aus Stahl und Glas mit einem Gewicht von 400 Tonnen ein echtes Schwergewicht. Deshalb wurde im Vorfeld der Baugrund auf Standfestigkeit geprüft. Die Fläche wurde befestigt und auch ein neuer, leistungsfähigerer Stromanschluss gelegt.

In 22 40-Fuß-Containeren rollten die Einzelteile von Düsseldorf nach Warnemünde und wurden hier zunächst zwischengeparkt. Ein gutes Dutzend Mitarbeiter war mehrere Wochen mit dem Aufbau beschäftigt. Jetzt geht es an die Feinarbeiten, denn auch die anliegenden Flächen sollen wiederhergerichtet werden.

Das Hanse Rad wird derweil abgebaut. Es ist anderen Volksfesten „versprochen“. Am 4. September September soll dann wieder zurückgetauscht werden und „der Riese unter den Großen“ begibt sich wieder auf Tour. Nach Stuttgart, wie der Webseite zu entnehmen ist. Das Sky Lounge Wheel war der Star auf der Expo 200 in Hannover und soll jetzt die Sommersaison 2022 in Warnemünde „vergolden“.

Viele Warnemünder sehen den Koloss allerdings kritisch. Das eigentliche Problem, das viele Menschen aufregt, sei, dass das XXXL-Riesenrad den Postkartenblick von der Mühlenstraße auf die Warnemünder Kirche zerstört, weiß Mathias Ehlers vom Umweltausschuss. Für ihn steht die Frage im Raum, wer es genehmigt hat und das ganz klar am Ortsbeirat vorbei. „Es ist erstmal auch ein Stück Kultur, doch da wo das Riesenrad jetzt steht, ist es der denkbar falscheste Platz.“

Die Kleinteiligkeit des Warnemünder Ortskerns, überragt durch das Sky Lounge Wheel – da ist ein Vergleich zu einem Vergnügungspark nicht ganz von der Hand zu weisen.



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15.06.2022 um 11:34 Uhr
UWS: …das ist Disneyland und Ballermann zugleich und KEIN Stück Kultur.