Warnemünder sehnen Fernwärme herbei

In Sachen Fernwärme ist ein Umdenken erfolgt. In den nächsten Jahren soll die Versorgung auch in Warnemünde gesichert und bis 2035 CO2 frei sein.In Sachen Fernwärme ist ein Umdenken erfolgt. In den nächsten Jahren soll die Versorgung auch in Warnemünde gesichert und bis 2035 CO2 frei sein.18. Januar 2023

Es steht außer Frage, dass es spätestens mit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine am 24. Februar 2022 in Bezug auf die Fernwärmeversorgung einen Paradigmenwechsel gegeben hat. Einerseits sind die Öl- und Gaspreise nahezu explodiert und die Wärmepumpen-Initiative der Bundesregierung krankt (noch) an mangelnden Angeboten. Andererseits hat die Stadt Rostock in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken einen Wärmeplan entwickelt, wonach die Fernwärmeversorgung bis 2035 stabil und klimaneutral sein soll.

Schon heute würden rund 70 Prozent der vorhandenen Wohnungseinheiten in Rostock mit Fernwärme beheizt – das sei schon ziemlich viel und ein Vorreiter in Deutschland, sagte Norbert Olschewski, Leiter des Geschäftskunden-Service Teams der Stadtwerke Rostock AG (SWRAG), im Rahmen der jüngsten Ortsbeiratssitzung. Bereits vor 13 Jahren habe sich der Versorger dafür entschieden, Fernwärme bis nach Warnemünde zu bringen. Zum Stand der Dinge standen vor dem Gremium drei Stadtwerke-Mitarbeiter Rede und Antwort.

Noch werde auch von den Rostocker Stadtwerken der fossile Energieträger Erdgas eingesetzt, um Fernwärme zu erzeugen, berichtete Norbert Olschewski. „Das aber ist die alte Welt“, sagte Olschewski. Teil der neuen ist, dass Mitte Dezember der neue Wärmespeicher in den Regelbetrieb gegangen ist. Damit sei man in der Lage die Fahrweise des Kraftwerks weiter zu optimieren. In dem stählernen Koloss werden nach dem Thermoskannen Prinzip 45 Millionen Liter 98 Grad heißes Wasser vorgehalten. Diese Menge reicht aus, um ganz Rostock ein Wochenende lang mit Fernwärme zu versorgen. Direkt neben dem Speicher entsteht bis zum Frühjahr 2023 eine Power-to-Heat Anlage. Sie nutzt zukünftig überschüssigen Strom aus Windenergie, um daraus Wärme zu erzeugen und den Speicher aufzuladen. Wärmeverluste sind unwesentlich: „Ist der Speicher voll, dauert es ungefähr vier Jahre bis das erwärmte Wasser die Umgebungstemperatur angenommen hat“, verdeutlichte Unternehmenssprecher Alexander Christen.

„Der Warmwasserspeicher war für uns der erste finale Schritt in Richtung Energiewende“, betonte Norbert Olschewski. Und es gebe noch viel mehr umweltfreundliche Energien in der Region „einzusammeln“: Solarthermie, Restwärme aus Biomasse und Geothermie etwa, aber auch Großwärmepumpen die sich die Wassertemperatur der Warnow zunutze machen oder die Nutzung der Abwärme des Abwassers. „Das sind unsere Visionen für eine zukunftsfähige Wärmeversorgung, die zugleich CO2-neutral sein soll.“

Und wie kommt die saubere Fernwärme jetzt nach Warnemünde? Grob betrachtet ist sie schon da. Über eine Transportleitung von Lichtenhagen, die Stadtautobahn B103 entlang. Mit dem Technologiepark Warnemünde in der Friedrich-Barnewitz-Straße und dem Wohngebiet Molenfeuer haben sich schnell erste Abnehmer gefunden. „Wir sind mit der Leitung schon bis zur Mitte der Richard-Wagner-Straße vorgestoßen“, verriet der zuständige Vertriebsmitarbeiter bei den Stadtwerken, Norman Harder. Jetzt soll es weitergehen und dafür brauche man interessierte Kunden. „Das war in der Vergangenheit durch die niedrigen Gaspreise nicht ganz so einfach.“ Die Bedingungen haben sich geändert und bei vielen Hausbesitzern stellt sich jetzt die Frage, wann sie denn schnellstmöglich ans Fernwärmenetz angeschlossen werden könnten. „Geplant ist der Leitungsausbau zunächst über die Richard-Wagner-Straße bis hin zur Seestraße. Dort wollen wir die großen Hotels, unsere sogenannten Ankerkunden, mit hohem Wärmebedarf gewinnen“, informierte Harder. Nebenbei gebe es über Stichleitungen aber immer auch Objekte und Straßenzüge, die parallel angeschlossen werden können. „Wir stehen quasi seit Jahren parat und brauchen viele interessierte Kunden, damit wir den Fernwärmeausbau relativ rasch und wirtschaftlich vorantreiben können“, so der Vertriebsleiter.

Ein Vorschlag, dass sich Fernwärme-Interessenten möglichst zusammenschließen sollten, kam von Wilfried Erbguth: „Möglicherweise ist Ihnen gar nicht bekannt, dass das Interesse in Warnemünde relativ groß ist. 2021 hatte ich die Stadtwerke diesbezüglich schon angeschrieben und erhielt die Antwort, dass eine Erweiterung vorerst nicht geplant sei. Ich finde es daher sehr wichtig, uns zu artikulieren“, führte der Warnemünder aus. Aus Sicht der Stadtwerke eine sehr gute Idee, die einer schnellen Realisierung förderlich sei.

Ortsbeiratsmitlied Stephan Porst wünschte sich einen konkreten Zeitplan, wann denn welche Straße angeschlossen werden könne. Auch für Mathias Ehlers vom Umweltausschuss ist mehr Weitsicht auch im Hinblick auf anstehende Straßensanierungen Voraussetzung für das Gelingen. Während es durchaus denkbar ist, die Wohngebiete in Diedrichshagen an das städtische Fernwärmenetz anzuschließen, werden kleinteilige Straßen wie Am Strom, Alexandrinenstraße, Anastasiastraße und Friedrich-Franz-Straße zunächst wohl leer ausgehen. Zu eng, zu wenig Platz für Leitungswege und Hausanschlüsse.

Auf den einzelnen Anlieger kommen bei einem Fernwärmeanschluss durch die Stadtwerke Rostock etwa 4.500 Euro für den Hausanschluss und weitere 7.000 bis 8.000 Euro für den Kauf einer Wärmestation zu. Die Arbeitspreise liegen aktuell bei 13 Cent pro Kilowattsunde für Gas und 9,5 Cent bei Fernwärme. Im Vergleich der Fernwärmeanbieter Mecklenburg-Vorpommerns liegen die SWRAG damit im Mittelfeld. Für Stephan Port steht fest: „Durch die zunehmende Herstellung von Fernwärme aus regenerativen Energien, die kostenlos zur Verfügung stehen, ist schon heute absehbar, dass diese Art der Wärmerzeugung trotz hoher Investitionskosten perspektivisch sehr preisstabil ist.“

Foto: Stadtwerke Rostock



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