Bei der Saisonauswertung im Ortsbeirat Warnemünde/Diedrichshagen standen am Dienstagabend die touristische Entwicklung des Ostseebades, das Veranstaltungsangebot und die Herausforderungen für die kommende Saison auf der Tagesordnung. Denise Johannßon, Leiterin Seebad und Kurwesen bei der Tourismuszentrale Rostock und Warnemünde (TZRW), stellte die Ergebnisse vor. Dabei ging es um ein breites Themenspektrum: von Familienveranstaltungen und Barrierefreiheit über Strandpflege und Nachhaltigkeit bis hin zum Gesundheitstourismus. Deutlich wurde, dass Warnemünde sein Angebot weiterentwickeln möchte, zugleich aber mit begrenzten finanziellen Mitteln, organisatorischen Hürden und den Folgen zunehmend stürmischer Wetterlagen umgehen muss.
Ein Schwerpunkt der Arbeit der Tourismuszentrale liegt auf einem ganzjährigen Veranstaltungsprogramm, das die Aufenthaltsqualität in den vier Rostocker Seebädern verbessern soll. Für die Saison 2026 wurden allein 279 Termine für Kinder, Familien und Feriengäste organisiert.
Zum Programm gehörten Bewegungsangebote am Strand, Puppen- und Kindertheater, Kinderkonzerte, kreative Workshops und kindgerechte Führungen durch Warnemünde. Bei Formaten wie „Müll im Meer“, dem Instrumentenbau-Workshop oder dem Nature Sounds Workshop standen neben Spiel und Spaß auch Nachhaltigkeit und ein bewusster Umgang mit der Umwelt im Mittelpunkt. Zu den besonderen Neuerungen zählte das Piratentheater „Klar zum Entern“ am Strand. Für 2027 ist eine weitere Aufführung am 1. Juli in der Strandarena geplant.
Allerdings werden die Angebote nicht immer so gut angenommen wie erhofft. Hohe Veranstaltungskosten und teilweise geringe Besucherzahlen erschweren eine wirtschaftliche Durchführung. Zudem erreicht die Bewerbung längst nicht alle Gäste. Trotz Schaukästen, Litfaßsäulen, Informationsmaterial in Hotels und Online-Angeboten fragten viele Urlauber erst in der Tourist-Information nach dem aktuellen Programm.
„Das ist sehr schade, vor allem wegen der kleinen, aber feinen Familienangebote“, sagte Johannßon. Künftig sollen deshalb weniger gut besuchte Veranstaltungen überprüft und gegebenenfalls aus dem Programm genommen werden. Auch eine Konzentration auf weniger Veranstaltungsorte ist vorgesehen, damit die verbleibenden Angebote gezielter bekannt gemacht werden können. Diedrichshagen sei 2026 als Veranstaltungsort erprobt worden und müsse sich aber noch etablieren.
Auch nach dem Ende der Hauptsaison ist der Veranstaltungskalender gut gefüllt. Am 31. Oktober verwandelt sich der Kurhausgarten von 13 bis 17 Uhr in einen Treffpunkt für kleine und große Halloweenfans. Geplant sind unter anderem Musik, Hüpfburg, Trampolin, Kinderschminken, Gruselmaskenbasteln, Stelzenläufer, Ballonmodellage und Spielangebote.
Der St.-Martins-Umzug am 11. November beginnt in diesem Jahr erstmals um 18 Uhr. Vom 28. November bis zum 3. Januar lädt der Weihnachts- und Neujahrsmarkt auf dem Kirchenplatz ein. Eine besondere Tradition bleibt die weihnachtliche Bescherung an der Vogtei am 24. Dezember: Der Weihnachtsmann und sein Weihnachtsengel sollen mit dem Seenotrettungskreuzer Arkona ankommen. Dazu gibt es kleine Geschenke sowie eine musikalische Begleitung durch den Shantychor De Klaashahns.
Großer Beliebtheit erfreuen sich weiterhin die Trauungen in der Vogtei. Zwischen April und Oktober 2026 fanden dort 54 Hochzeiten statt. Das Angebot wird sowohl von Einheimischen als auch von Gästen genutzt. „Die Termine werden Anfang September veröffentlicht und sind bereits kurz danach ausgebucht“, weiß Denise Johannßon. Wegen der anhaltend hohen Nachfrage sind für 2027 insgesamt 69 Hochzeitstermine vorgesehen.
Bei der Strandbewirtschaftung stehen mehrere Aufgaben an. Die Anschaffung neuer Rettungstürme verzögert sich. Ein Förderantrag wurde beim Landesförderinstitut eingereicht. Mit einer Beschaffung wird frühestens 2027 gerechnet, allerdings nicht rechtzeitig zum Saisonstart.
Auch die Strandsatzung muss überarbeitet werden. Nach Angaben von Johannßon sind einzelne Regelungen zu Ordnungswidrigkeiten rechtlich nicht korrekt zugeordnet. Dazu gehören unter anderem das Feuerwerksverbot, etwa zu Hochzeiten, und das Verbot, außerhalb der ausgewiesenen Feuerstellen Lagerfeuer zu entzünden. Die erforderlichen Anpassungen müssen mit dem Rechtsamt abgestimmt werden.
Für die Reinigung von Strand, Promenade und touristischen Flächen erwartet die Tourismuszentrale voraussichtlich Anfang 2027 rund 120.000 Euro aus dem Einwegkunststofffonds des Umweltbundesamtes. Die Mittel beziehen sich auf das Jahr 2024 und sind zweckgebunden. Sie sollen beispielsweise für zusätzliche Reinigungsmaßnahmen, Müllbehälter oder Maßnahmen zur Sensibilisierung für die Müllvermeidung eingesetzt werden. Welche konkreten Vorhaben damit finanziert werden können, ist noch offen.
Die Verträge mit den Strandbewirtschaftern laufen grundsätzlich bis Ende 2027. Eine Verlängerung um zwei weitere Jahre ist möglich. Eine Ausschreibung ist nach derzeitiger Planung für die Saison 2030 vorgesehen.
Die Verbesserung der Barrierefreiheit an den Stränden bleibt ein wichtiges Ziel. Gemeinsam mit der Stadt Rostock wird die Tourismuszentrale einen Förderantrag einreichen, der die Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie zur besseren Zugänglichkeit der Strände umfasst. Die Anschaffung eines SeaTrac Movers ist bereits Gegenstand eines Förderantrags, der dem LFI MV aktuell zur Prüfung vorliegt. Das Schienensystem soll Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den selbstbestimmten Zugang zum Meer erleichtern.
Auch beim Hitzeschutz gab es erste Schritte: In der Saison 2026 wurden handliche Karten mit Informationen zum UV-Index an Strandbesucher verteilt. Das Angebot wurde positiv aufgenommen. Darüber hinaus sollen Kooperationen mit der Krebsgesellschaft und der DRK-Wasserwacht Rostock ausgelotet werden, um das Angebot kostenloser Sonnencremespender in der Badesaison 2027 auszuweiten. Ein erster Spender wurde in diesem Jahr an der Wal-Strandbar getestet. Für eine Erweiterung sind allerdings Kooperationspartner und zusätzliche finanzielle Mittel erforderlich.
Ein weiteres Ziel ist die stärkere Ausrichtung Warnemündes auf den Gesundheitstourismus. Nach der Novellierung des Kurortgesetzes Mecklenburg-Vorpommern strebt die Tourismuszentrale eine Höherprädikatisierung zum „Seebad mit Kurbetrieb“ an. Damit könnten medizinisch begründete Kuren stärker mit einem Aufenthalt im Ostseebad verbunden werden. Auch Begleitpersonen und Familien könnten von den touristischen Angeboten profitieren. Besonders für die Nachsaison sieht Johannßon darin Entwicklungspotenzial.
Voraussetzung ist allerdings, dass 2027 eine Ärztin oder ein Arzt mit Kassensitz gewonnen wird, die oder der die Zusatzqualifikation als Badearzt erwerben möchte.
Die Zusammenarbeit mit dem Thalasso-Zentrum am Hotel Neptun wurde intensiviert. Vom 1. Juni bis zum 27. August konnten Gäste mit GästeCard täglich kostenlos am Bewegungsangebot „Thalasso am Morgen“ teilnehmen. Ergänzt wurde das Programm durch Wassertreten in der Ostsee, einen Thalasso-Strandparcours, „Spiel und Spaß am Meer“, ein Thalasso-Kindertagsfest und den Thalasso-Aktiv-Tag.
Dass sich Ausdauer bei der Entwicklung neuer Angebote auszahlen kann, zeigt nach Einschätzung von Johannßon gerade der Aktiv-Tag. Inzwischen sei die Veranstaltung etabliert. Ein eingegliederter Häkelkurs war in diesem Jahr sehr gut nachgefragt.
Weitere Informationsangebote zur gesundheitsfördernden Wirkung des Meeres werden gemeinsam mit Strandbetrieben entwickelt. Dazu gehören Infotafeln, QR-Codes und Liegestühle mit dem Motto „Mein Thalasso Moment“.
Die Wetterauswertung des Betriebshofs für den Zeitraum vom 1. April bis zum 13. September zeigt eine auffällige Entwicklung: Die Saison 2026 war im Durchschnitt nicht windiger als das Vorjahr, dafür aber deutlich böiger und stürmischer.
Die mittlere Windgeschwindigkeit lag mit 17,5 Kilometern pro Stunde nahezu auf dem Vorjahresniveau von 17,4 Kilometern pro Stunde. Gleichzeitig wurden fast doppelt so viele Tage mit Windböen ab 60 Kilometern pro Stunde und fast dreimal so viele Tage mit Böen ab 70 Kilometern pro Stunde registriert. Insgesamt zählte der Betriebshof 37 sogenannte Sommerstürme.
Der verwehte Sand stellt die Mitarbeiter vor zusätzliche Herausforderungen. Eine derzeit angemietete Kehrsaugmaschine erleichtert die tägliche Reinigung der Promenade und der Strandzugänge erheblich. Sie trägt auch dazu bei, die Zugänglichkeit für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zu gewährleisten. Aufgrund der guten Erfahrungen wird über eine eigene Anschaffung nachgedacht.
Der reparierte Strandreiniger war in der Hochsaison regelmäßig im Einsatz. Zusätzlich wurde der Ufersaum dreimal wöchentlich von Seegras und Seetang befreit. Nach dem Ende der Hauptsaison wurden bis zum 13. Oktober rund sieben Kilometer Draht und Pfosten der Düneneinzäunung zurückgebaut.
Auf Wunsch vieler Gäste werden außerdem neue Schilder für die Nebensaison aufgestellt. Sie sollen die Orientierung erleichtern und zunächst den Hauptstrand abdecken.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf nachhaltigen Lösungen für den Strandbetrieb. Die Tourismuszentrale arbeitet an Konzepten, mit denen Mehrwegsysteme künftig praktikabel eingesetzt werden können. Dazu gehören insbesondere geeignete Spül- und Logistiklösungen für Strandbetriebe.
Für das entsprechende Teilprojekt wurden über das INTERREG-Programm South Baltic rund 50.000 Euro für drei Jahre bewilligt. Weitere Fördermittel aus dem Projekt sollen in die „OstseeAscher“ fließen, mit denen Zigarettenkippen gesammelt und einer kreislauffähigen Aufarbeitung zugeführt werden können. Gespräche mit dem Umweltamt über die gemeinsame Umsetzung einer Mehrwegoffensive laufen. Dabei wird auch geprüft, ob Mittel aus dem Einwegkunststofffonds eingesetzt werden können.
Als mögliches Vorbild dient die dänische Partnerstadt Aarhus mit einem stadtweiten Bechersystem und Rückgabeautomaten. Darüber hinaus sind für 2027 gemeinsame Umweltaktionen mit der Organisation EUCC-D geplant. Vorgesehen sind unter anderem Strandreinigungsaktionen, Baumpflanzungen mit Rostocker Vereinen und Gästen sowie der Bau von Sandfangzäunen aus Treibseln.
Im Ortsbeirat wurde auch die Frage gestellt, weshalb der am Strand getrennt gesammelte Müll anschließend auf einem Fahrzeug zusammengeführt wird. Johannßon erklärte, dass es bei der getrennten Sammlung zunächst um die Sensibilisierung der Strandbesucher gehe. Die eigentliche Trennung erfolge anschließend bei der Stadtentsorgung. Auch die Gründe für den Rückbau der Düneneinzäunung nach der Saison sollen noch einmal geprüft werden. Der Ortsbeirat verwies in diesem Zusammenhang auf Zingst, wo die Zäune offenbar stehen bleiben können.
Die Tourist-Information Warnemünde verzeichnete von Januar bis Oktober 61.303 Gäste. Der August war mit 14.102 Besuchern der stärkste Monat. Positives Feedback gab es insbesondere zur GästeCard für Übernachtungsgäste, bei der die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs eingeschlossen ist.
Bei der TagesGästeCard wurde eine steigende Nachfrage festgestellt. Gleichzeitig bestehen weiterhin Probleme mit defekten Automaten, fehlenden Zahlungsbelegen und Bedienfehlern. Auch die Akzeptanz der Tageskurabgabe bleibt ein Thema. Besonders auf dem Parkplatz Mittelmole gibt es nach Angaben der Tourismuszentrale Klärungsbedarf, vor allem im Zusammenhang mit Wohnmobilgästen.
Weniger Beschwerden gab es dagegen zu Hunden am Strand und den neuen FKK-Bereichen. Kritik äußerten Gäste verstärkt an Straßenmusikern, deren Auftritte teilweise durch Verstärker als zu laut empfunden werden. Johannßon stellt klar, dass Straßenmusik grundsätzlich ohne Verstärker und Lautsprecher erlaubt ist. Musiker dürfen von der vollen bis zur halben Stunde spielen, anschließend ist eine 30-minütige Pause vorgeschrieben. Ein Wechsel des Standorts ist nicht erforderlich.
Die derzeitige Kurabgabesatzung bleibt vorerst bis Ende Februar 2027 bestehen. Eine Anpassung ist in Arbeit, ein konkreter Zeitplan steht jedoch noch nicht fest.
Auch die großen Veranstaltungen waren Bestandteil der Auswertung. Die Warnemünder Woche feierte 2026 ihr 100-jähriges Bestehen. Die Tourismuszentrale verantwortete im Auftrag des Warnemünde Vereins erstmals vollständig das Kulturprogramm. Dabei wurden bewährte Publikumsmagnete wie „Rauch auf dem Wasser“, der Shanty-Tag und der Wiro-Sporttag mit neuen Formaten kombiniert. Dazu gehörten kostenfreie Tanzkurse, Techno-Yoga und eine Indie Night.
Nach der erfolgreichen Premiere im Vorjahr wurden auch die Glashäger Strandkonzerte mit Soffie, Fatoni und Blond fortgesetzt. Um das Betretungsverbot der Dünen durchzusetzen, wurde die Zahl der Sicherheitskräfte auf sechs erhöht. Die 35. Hanse Sail vom 6. bis 9. August wurde ebenfalls erfolgreich durchgeführt. Die Einbindung Warnemündes soll bei künftigen Ausgaben beibehalten und bei Bedarf angepasst werden.
Die Strandarena Warnemünde blickt ebenfalls auf eine erfolgreiche Saison zurück. Neue Impulse brachte unter anderem das Bewegungsformat „Strandzeit“ des IFC. Ein geplanter Hansa-Fantag musste wegen der großen Hitze abgesagt werden.
Für die weitere Entwicklung Warnemündes stehen damit mehrere Aufgaben an: Die Veranstaltungsangebote sollen stärker auf die tatsächliche Nachfrage ausgerichtet, die Barrierefreiheit verbessert und nachhaltige Lösungen für den Strandbetrieb vorangebracht werden. Zugleich sollen Gesundheitstourismus und Thalasso-Angebote neue Perspektiven für die Nebensaison eröffnen.
Kommentieren Sie den Artikel
Aprospos GästeCard
die Kurtaxe wird ganzjährig erhoben ! (offene Toiletten und einiges mehr )
Aber : die Toiletten am Parkplatz Wilhelmshöhe sind ab Oktober geschlossen !
Der Hinweis dort auf offene Toiletten ist unverständlich und kaum erreichbar.
M.E. nicht akzeptabel !