Rettungsschwimmer beklagen unwürdige Unterbringung und drohen mit Boykott

Der 22-jährige Constantin Wilmbusse ist an den Stränden von Warnemünde und Markgrafenheide schon seit mehreren Jahren für die DRK-Wasserwacht im Einsatz.Der 22-jährige Constantin Wilmbusse ist an den Stränden von Warnemünde und Markgrafenheide schon seit mehreren Jahren für die DRK-Wasserwacht im Einsatz.26. April 2022

Die Strandsaison 2022 in Warnemünde und Markgrafenheide beginnt Mitte Mai. Seit vielen Jahren wird die Absicherung der Badestrände hierzulande durch ehrenamtliche Rettungsschwimmer der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gewährleistet. Sie kommen aus ganz Deutschland, repräsentieren einen breiten Schnitt der Zivilgesellschaft, opfern für unsere Sicherheit regelmäßig ihre Freizeit, ihre Ferien und 90 Prozent sogar ihren Urlaub. Im vergangenen Jahr waren an Rostocks Stränden nach DRK-Angaben über 50 Ehrenamtliche aus Rostock und mehr als 130 Rettungsschwimmer aus Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und aus Nordrhein-Westfalen gemeinsam 24.000 Stunden aktiv. Das Gros lebt demnach nicht in Rostock und nimmt dazu noch eine Anreise von mehreren hundert Kilometern auf sich.

Umso schlimmer, dass sich weder die Stadt Rostock noch die Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde bislang gemüßigt sahen, den Ehrenamtlern vernünftige, menschenwürdige Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer, denn die DRK Wasserwacht droht, in Rostock den Dienst zu quittieren. Wegen unhaltbarer Zustände im Provisorium Dünenweg, einer Wagenburg, mit Betten augenscheinlich noch aus NVA-Beständen, durchgelegenen Matratzen und schmalen Spinten die kaum Stauraum bieten. Dusche und Toilette fehlen auf den Zimmern. Noch dazu werden die Betten und Textilien wegen der schlechten Beheizbarkeit an Regentagen klamm und feucht. Viel zu kleine Gemeinschaftsräume, Küchen und keinerlei Rückzugsmöglichkeiten komplettieren das traurige Bild. All das wird den in Warnemünde und Markgrafenheide tätigen Rettungsschwimmern seit Jahren angeboten und ist nachzulesen in einem Brandbrief, den die DRK Wasserwacht Madgeburg stellvertretend für acht weitere Landes- und Kreisverbände verfasst und an die verantwortlichen Stellen der Stadt Rostock verschickt hat.

„Wir wollen keinen Luxus und auch keine Hotelausstattung. Aber jede Pension oder Jugendherberge hat einen höheren Standard als das, was wir nutzen müssen“, sagt Andreas Lehning. Schon seit mehreren Jahrzehnten ist der Sachsen-Anhaltiner Rettungsschwimmer, heute Vorsitzender der Wasserwacht Magdeburg. 2003 hatte er seinen ersten Ostseeeinsatz. Damals sei man noch im Stadthafen untergebracht gewesen. Seither hangele man sich von einem Provisorium zum nächsten. „Mit den Kollegen von der Rostocker Wasserwacht arbeiten wir eng und kameradschaftlich zusammen. Auch die Ausrüstung auf den Rettungstürmen wurde immer besser, doch die miesen Unterkünfte sind einfach nicht mehr hinnehmbar.“ Oftmals gehe der Dienst am Strand über die acht, neun Stunden hinaus und in einer so abgewrackten Hütte könne man einfach nicht regenerieren, geschweige denn sich auf den nächsten Arbeitstag mit verantwortungsvollen Aufgaben vorbereiten. „Auf die unzumutbaren Zustände haben wir schon mehrfach hingewiesen, das Problem ist seit mindestens 15 Jahren bekannt“, schimpft Lehning. Verbessern sich die Bedingungen nicht grundlegend, wird er seinen Rettungsschwimmer empfehlen, um Rostock künftig einen Bogen zu machen. „Hochqualifiziertes Personal, und das sind unsere Wasserretter, ist überall gefragt“, weiß der Magdeburger. Er empfiehlt den Verantwortlichen einen Blick ins zehn Kilometer entfernte Graal-Müritz, wo die Aktiven der DLRG in einem modernen Sozialgebäude untergekommen sind. „Wir lassen uns nicht mehr abspeisen und fordern eine dauerhafte und nachhaltige Lösung des Problems für uns ehrenamtliche Einsatzkräfte.“

Das Thema sei bekannt, räumt Moritz Naumann, Sprecher der Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde, ein: „Nach regelmäßiger Auswertung der Badesaison mit der DRK Wasserwacht wurde der Bedarf an einer Verbesserung der Unterbringungsmöglichkeiten deutlich.“ Der städtische Eigenbetrieb prüft jetzt in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ämtern verschiedene kurz- und langfristige Lösungen: „Für diese Saison sind bereits drei Finnhütten für die Unterbringung der Rettungsschwimmer in Markgrafenheide geblockt. In diesen können zeitgleich bis zu 15 Personen beherbergt werden“, erklärt Naumann. Außerdem wurde das Quartier im Dünenweg mit neuen Betten ausgestattet.

Am 4. Mai soll es in Markgrafenheide einen Vororttermin mit allen Beteiligten geben. Dann wollen die Magdeburger eine Entscheidung treffen, ob sie in dieser Saison wieder dabei sind, oder nicht.

Foto (Archiv): Stefanie Kasch, DRK



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27.04.2022 um 16:55 Uhr
Finger: Das passt, Wertschätzung gleich null. Alles schön dem Selbstlauf überlassen, die Stadt sollte sich schämen, stört aber auch nicht. Es ist nicht zu glauben und das seit Jahren. Qdw
27.04.2022 um 11:50 Uhr
lima: Wie kann das sein ?!!
Der Strand wird immer voller und somit unübersichtlicher für die Rettungsschwimmer und Helfer und dann noch ehrenamtlich !!!
Das ehemalige Best-Western-Hanse wäre doch die Möglichkeit , den Rettungsschwimmern eine Unterbringungsmöglichkeit mit allem "DRUM und DRAN" zu bieten !!!!