Briese-Preis 2021: Ans Licht gebracht – Tiefseeschwämme und ihre „Mitbewohner“

Der mit 5.000 Euro dotierte Briese-Preis für Meeresforschung 2021 ging an die Meeresbiologin Kathrin Busch vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (mitte). Kapitän Klaus Küper (l.) von der Briese-Reederei und der stellvertretende IOW-Direktor Detlef Schulz-Bull nahmen die Preisverleihung vor.Der mit 5.000 Euro dotierte Briese-Preis für Meeresforschung 2021 ging an die Meeresbiologin Kathrin Busch vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (mitte). Kapitän Klaus Küper (l.) von der Briese-Reederei und der stellvertretende IOW-Direktor Detlef Schulz-Bull nahmen die Preisverleihung vor.26. April 2022

Am Freitag wurde in Warnemünde der diesjährige Briese-Preis für Meeresforschung verliehen. Der mit 5.000 Euro dotierte Wissenschaftspreis wird von der Reederei Briese gestiftet und vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) betreute. Die Preisträgerin ist Kathrin Busch, Jahrgang 1991, Wissenschaftlerin am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Die Jury würdigte ihre herausragende Forschung zu Tiefseeschwämmen samt der in ihnen lebenden Mikroorganismen. Weltweit untersuchte sie deren Biodiversität und Einflussfaktoren der umgebenden Ökosysteme. Neben neuen Erkenntnissen zu diesen Lebensgemeinschaften liefert ihre Arbeit auch eine wissenschaftliche Basis, um Schutz und nachhaltige Nutzung der empfindlichen Tiefseeschwamm-Ökosysteme zu verbessern.

„Kalt, dunkel und ständig unter Druck.“ So lebensfeindlich beschreibt Kathrin Busch den Lebensraum, der im Zentrum ihrer jetzt mit dem Briese-Preis 2021 ausgezeichneten Doktorarbeit stand. Es ist die Tiefsee. Jener lichtlose Bereich des Ozeans ab 200 Metern Wassertiefe, der gut 90 Prozent des gesamten Raumes auf der Erde ausmacht, in dem Leben existieren kann. Was dort wie lebt, ist aber weitgehend unbekannt, denn bisher sind weniger als fünf Prozent der Tiefsee erforscht. „Dennoch sollten diese unzugänglichen Meeresregionen nicht ignoriert werden, denn in Zeiten von zunehmendem menschgemachten Umweltstress werden dringend Basisdaten benötigt, um auch dort einen nachhaltigen Umgang mit potenziell bedrohten Ökosystemen sicherzustellen“, sagte die Kieler Meeresbiologin über ihren Forschungsgegenstand. Gerade Tiefseeschwammgebiete gelten als wertvolle Hotspots der Artenvielfalt und Funktion in der Tiefsee.

„Wenn man aber Schwämme und ihre Ökosystemfunktionen verstehen will, muss man sich mit ihren mikrobiellen ‚Mitbewohnern‘ befassen“, so Busch weiter. Trotz der großen logistischen und technischen Herausforderungen, die mit Tiefseeforschung verbunden sind, ist es Kathrin Busch gelungen, in einer wahren Pionierarbeit die weltweit umfangreichste Beprobung des sogenannten Mikrobioms von Tiefseeschwämmen vornehmen.

Die mikrobielle Vielfalt in den Proben bewertete sie mittels einer speziellen Gensequenzierung, ergänzt durch diverse hochauflösende Mikroskopie-Techniken. Außerdem bediente sich Busch verschiedener Methoden aus der Bioinformatik und des maschinellen Lernens sowie eigenständiger Programmierung und Modellierung. „Den wichtigsten Einfluss auf die Variabilität der mikrobiellen Gemeinschaften hatten – nicht ganz unerwartet – allgemeine Umweltparameter, genauer gesagt: Temperatur, Salzgehalt, Nährstoffe, Sauerstoff und Tiefe. Es zeigte sich aber auch, dass die Gruppen der Wirtsschwämme und ihre Gestalt eine wichtige Rolle spielten. Interessanterweise kann die mikrobielle Vielfalt anhand der Form des Schwamms vorhergesagt werden“, erläuterte Kathrin Busch einige ihrer Erkenntnisse. Auch konnte sie in einer Pilotstudie charakteristische Unterschiede bei den Mikroorganismen erkennen, je nachdem ob der untersuchte Schwamm aus einem Untersuchungsgebiet mit Grundschleppnetzfischerei oder aus einem Meeresschutzgebiet ohne Fischerei stammte.

„Wir von der Reederei Briese freuen uns, auch in diesem Jahr wieder ein besonderes wissenschaftliches Talent auszeichnen zu können. Für die Preisträgerin, die mit ihrer Arbeit Erkenntnisse über eine weitgehend unerforschte Welt ‚ans Tageslicht‘ brachte, scheint der Preis geradezu wie gemacht. Denn ihre Ergebnisse basieren auf 20 Schiffsexpeditionen – was verdeutlicht, wie unverzichtbar Schiffe als Forschungsplattformen sind, um den größten Lebensraum der Erde zu erforschen“, betonte Klaus Küper, Leiter der Abteilung Forschungsschifffahrt der Reederei Briese, anlässlich der nun schon zwölften Verleihung des Briese-Preises für Meeresforschung.

Foto: IOW / K. Beck



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