Sie ist längst mehr als nur Kunst im öffentlichen Raum. Sie ist ein stiller Anker für Sehnsüchte, ein Ort für Wünsche, Gebete und leise Umarmungen. „Esperanza – die Hoffnung“ steht seit dem Sommer 2012 am Kopf der Warnemünder Mittelmole und blickt hinaus auf die Ostsee. Bronze schimmernd, weiblich, würdevoll. Nun wächst in Warnemünde eine Idee, die ebenso groß ist wie ihr Symbolgehalt: Die „Esperanza“ soll neu entstehen – deutlich größer, weithin sichtbar, als kraftvolles Zeichen der Hoffnung. Möglich machen soll das eine Spendenaktion nach Warnemünder Vorbild.
Rund vier Meter misst die ursprüngliche Skulptur des Rostocker Künstlers Ené Slawow, besser bekannt als Eneos. Eingeweiht wurde sie im Juli 2012 anlässlich der Warnemünder Woche – genau dort, wo Kreuzfahrtschiffe aus aller Welt ins Seebad einlaufen. Seitdem begrüßt die bronzene Figur Gäste, Seeleute und Einheimische gleichermaßen. Still, aber eindringlich.
Die Plastik ist eine Schenkung des Künstlers und der Baltic Taucherei- und Bergungsbetrieb Rostock GmbH an die Hansestadt Rostock. Sie hat sich schnell einen festen Platz im Herzen vieler Menschen erobert. Nicht selten kommen Besucher ganz bewusst hierher: um die Figur zu berühren, um innezuhalten – oder um Hoffnung zu fassen.
Wie vielschichtig Hoffnung sein kann, beschreibt der Autor Matti Sund in seinem Erzählband „Mensch Warnemünde!“. Die „Esperanza“ ziert nicht nur den Titel des Buches, sie spielt auch eine zentrale Rolle in der Geschichte „Püppis Hoffnung | ein halluzinierendes Erlebnis | Mittelmole“.
Darin strandet die Hauptfigur Matteo Keider mit seinem Kajak direkt vor „dieser goldenen Figur“ auf der Steinschüttung der Mittelmole. Was als harmlose Tour beginnt, wird gefährlich – Halluzinationen setzen ein, die Figur scheint zu sprechen. Für die Rostocker Notrufzentrale ist der Standort sofort klar. Und wie so oft im Leben – und in Warnemünde – gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
„Ich kannte Eneos persönlich nicht, aber die ‚Esperanza‘ war mir natürlich ein Begriff“, sagt Matti Sund. Erst durch seine Recherchen habe er erfahren, wie viele Menschen ganz gezielt diesen Ort aufsuchen. „Eine Frau kam, umarmte die Figur und erzählte mir, dass sie schwer krank sei und hoffe, wieder gesund zu werden. Das bleibt.“
Nun also der nächste Schritt. „Die Esperanza gibt es bald in groß“, verrät Eneos mit einem Lächeln. 9,50 Meter hoch soll die neue Skulptur werden – fast doppelt so groß wie das Original. „Etwas voller, etwas weiblicher, besser gefüttert“, scherzt der 59-Jährige. Vor allem aber: deutlich sichtbarer. „Sie ist immerhin das Einfahrtstor für Rostock und Warnemünde von See aus.“
Der Künstler erhält regelmäßig Zuschriften von Menschen, die Hoffnung brauchen. Private Schicksale, Krankheiten, Sorgen. „Hoffnung ist wichtig – gerade in diesen schwierigen Zeiten“, sagt Eneos. Und gern würde er noch mehr Menschen erreichen. Vergoldet dürfe sie sein, wenn es der Geldbeutel zulässt. „Dann scheint sie bis nach Dänemark.“
Wo große Ideen sind, braucht es engagierte Menschen. Einer von ihnen ist Alexander Prechtel. Der Warnemünder initiierte mitten in der Corona-Zeit eine Spendenaktion, die Stadtgeschichte schrieb: Für den Neptunbrunnen auf dem Kirchenplatz kamen in nur 15 Monaten mehr als 260.000 Euro zusammen – ausschließlich aus Spenden. Ein Novum für Kunst im öffentlichen Raum in Rostock. „Das funktioniert eben nur in Warnemünde“, sagte Prechtel bei der Einweihung des Brunnens im Sommer 2022. Nun könnte sich diese Erfolgsgeschichte wiederholen. „Wir sind so verblieben, dass zunächst alles Administrative – Bauantrag, Genehmigungen – geklärt wird. Danach folgt die detaillierte Kostenschätzung“, erklärt Eneos.
Unstrittig ist: Die jetzige Esperanza ist an dieser prominenten Stelle zu klein, ihrem Symbolwert kaum angemessen. „Ich bin froh, dass der Wunsch nach einer größeren Figur von außen an mich herangetragen wurde. Es war nicht meine Idee“, betont der Künstler.
Ein Modell für die neue Skulptur existiert bereits. Auch die Formen für den Bronzeguss und ein GFK-Modell in Originalgröße sind vorhanden. Die Modelle entstehen in Rostock, die eigentliche Bronzefigur fertigt Eneos gemeinsam mit seinem Assistenten in Thailand, seiner zweiten Heimat. Drei bis fünf Monate im Jahr arbeitet er dort. Die fertige Skulptur käme per Schiff nach Deutschland. „Der einzige gangbare Weg – eine Produktion hier wäre kaum bezahlbar.“
Für Ené Slawow wäre es eine besondere Ehre, diesen Ort zu gestalten: „Das seeseitige Einfahrtstor für Rostock und Warnemünde, an dem unzählige Kreuzfahrtschiffe und Fähren passieren.“ Eine Voraussetzung gibt es allerdings: „Im Vorfeld muss alles finanziert sein – und der Künstler muss auch noch eine Kleinigkeit zu Essen haben“, sagt er augenzwinkernd.
Die Idee einer neuen, großen Esperanza ist mehr als ein Kunstprojekt. Sie ist eine Einladung, Hoffnung sichtbar zu machen – gemeinsam. Warnemünde hat gezeigt, dass es das kann. Vielleicht wächst am Kopf der Mittelmole bald eine Figur, die nicht nur größer ist, sondern genau das widerspiegelt, was sie seit Jahren bedeutet: Hoffnung, die bleibt.
In Kürze sollen an dieser Stelle erste Informationen zur geplanten Spendensammlung veröffentlicht werden. Dann wird klar sein, wie sich Warnemünder, Gäste des Seebades sowie Unterstützer aus nah und fern an der Verwirklichung der großen „Esperanza“ beteiligen können. Die Hoffnung bekommt damit nicht nur eine neue Dimension – sondern auch viele helfende Hände.
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Herr Prechtel , wenn Sie schon mal auf der Mittelmole sind : bis zum Fähranleger nach Hohe Düne ist es nicht weit .
Der Fähranleger ist völlig marode . Von Jahr zu Jahr wird "gehofft" , dass nichts schlimmes passiert !
Als Warnemünder, als Rostocker und nun als Weltbürger werde ich diese neue Esperanza sehr gerne Unterstützen. Die jetzige Püppi ist wirklich sehr klein.
Mut zur Grösse!