Never ending story: Erneute Toiletten-Diskussion in Warnemünde

Das Toilettenhäuschen am Strandaufgang 1 in Warnemünde ist nach Auffassung des Umweltamtes das wichtigste im ganzen Bereich. Es ist in einem desolaten Zustand und soll im kommenden Jahr durch einen Ersatzneubau ausgetauscht werden.Das Toilettenhäuschen am Strandaufgang 1 in Warnemünde ist nach Auffassung des Umweltamtes das wichtigste im ganzen Bereich. Es ist in einem desolaten Zustand und soll im kommenden Jahr durch einen Ersatzneubau ausgetauscht werden.11. Januar 2019

Bekanntermaßen gibt es in der Stadt Rostock gleich fünf Zuständigkeiten für öffentliche Toilettenanlagen: Neben dem Amt für Umweltschutz sind der Eigenbetrieb „Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung“, die Tourismuszentrale, die Rostocker Gesellschaft für Stadtentwicklung und das Grünamt für die kommunalen „Örtchen“ verantwortlich. Für die Umsetzung der im September 2017 durch die Bürgerschaft beschlossenen Bedarfskonzeption wird es dadurch nicht einfacher.

In der Ortsbeiratssitzung am Dienstagabend beantwortete Sven Schmeil vom Amt für Umweltschutz die „Toiletten-Fragen“ der Warnemünder. Seiner Meinung nach, war das Konzept am Tage des Bürgerschaftsbeschlusses schon nicht mehr aktuell. Mit dem Konzept wurde eine Struktur vorgegeben. Aus einer Bestandsanalyse ergeben sich Erfordernisse und Kriterien, wie die definierten Höchstabstände zwischen den einzelnen Toiletten und welche Stadtbereiche bis 2022 mit zusätzlichen Anlagen versehen werden sollten. Alle 15 Jahre müsse jede Anlage zudem auf den Prüfstand, um den Sanierungsaufwand abzuschätzen. „Öffentliche Toiletten sind in erster Linie ein touristisches Angebot“, sagte Sven Schmeil. Deshalb konzentriere man sich auf touristische Schwerpunktbereiche, zu denen auch Warnemünde und Markgrafenheide zählten. „Bis dahin ein rundes Konzept“, so Schmeil. Doch dann gäbe es einen Methodenbruch, weg von den Kriterien ist man bei konkreten Standorten gelandet, die mit einer Haushaltsplanung verknüpft waren: „Das macht es jetzt so kompliziert, mit der Bedarfskonzeption zu arbeiten.“

Das Umweltamt sondiert aktuell mögliche Toilettenstandorte, die sich innerhalb der mit 250 Metern vordefinierten, Höchstabstände befinden. Konkret soll noch zum Saisonstart 2019 am Strandaufgang 16 eine neue öffentliche WC-Anlage entstehen. Die Baugenehmigung dafür ist bereits erteilt. Die behindertengerechte Anlage mit drei Kabinen soll etwa 250.000 Euro kosten. Ebenfalls in Vorbereitung ist ein Ersatzneubau  am Strandaufgang 1, nach Schmeils Auffassung das wichtigste Toilettenhäuschen im ganzen Strandbereich. Dieses Projekt soll im Jahr 2020 in Angriff genommen werden. Darüber hinaus wird eine weitere Trockentoilette im Küstenwald am westlichen Ortsrand Warnemündes ausgeschrieben. Das Landesfortsamt hat sich dazu allerdings bereits ablehnend geäußert. Das Umweltamt sieht die Umsetzung dennoch positiv.

Als einen „kleinen Sonnenschein“, bewertete der Ortsbeiratsvorsitzende Alexander Prechtel den vorgetragenen Sachstand. „Wir sind hier in Warnemünde unstrittig das Zentrum des Tourismus und müssen deshalb etwas für die Urlauber tun“, argumentierte der Warnemünder. Es müsste dringend investiert werden, denn die Klagen über den zum Teil desaströsen Zustand der Toiletten würden immer lauter. Das läge nicht nur am Alter der Anlagen, sondern auch an den Automaten, die eine hohe Ausfallquote haben. Zudem sind einige Toiletten wochenlang geschlossen, weil Ersatzteile nicht rankommen. Eine weitere Empfehlung aus dem Ortsbeirat an die Stadtverwaltung: „Wir haben hier einen sehr schönen neuen Spielplatz ‚Wirbelwind‘ auf der Aranka-Wiese. Der leidet nur unter einem: Dort gibt es keine Toilette. Sollen Kinder gleich dazu erzogen werden, ihre Notdurft im Gebüsch zu verrichten?“, mutmaßte Prechtel. Seiner Meinung nach sollte bei großen Spielplätzen generell eine Toilette in der Nähe sein, hinsichtlich der Nutzergruppe sogar besonders konzipiert. Der Beiratsvorsitzende drängte nochmals auf die generelle Entgeltfreiheit für öffentliche Toiletten. Automaten könnten dann wegfallen und das wiederum spare Wartungsaufwand. Nach Aussage Schmeils werde die Idee von der kostenfreien Toilettennutzung derzeit in der Rostocker Verwaltung geprüft.

Für Unverständnis sorgte bei vielen Warnemündern die Kostenstruktur: Ist eine Trockentoilette schon für 20.000 Euro zu haben, sollen für das WC am Aufgang 16 stolze 250.000 Euro hingeblättert werden. Viel Geld, für das sich andere Menschen ein komplettes Einfamilienhaus bauen lassen. „Angesichts des hohen Preises erschließt sich mir nicht, nach welchen Kriterien die Toilettentypen ausgewählt werden. Wie kommen diese Leistungstexte zustande?“, fragte Beiratsmitglied Helge Bothur, der sich zudem verwundert zeigte, dass die Bearbeitung des Bauantrags für ein Toilettenhäuschen ganze vier Monate dauert. Umweltamtsmitarbeiter Sven Schmeil verwies auf einen Anforderungskatalog, wonach ausgeschrieben würde. Diesen will er dem Ortsbeirat kurzfristig zukommen lassen.



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12.01.2019 um 14:10 Uhr
Rudolf Tiemann: Der Warnemünder Hundestrand befindet sich unakzeptabel weit außerhalb des Ortes und ist steinig und hat keinerlei Toiletten , keine Versorgungseinrichtungen für Getränke usw.
Hier sollte ein ortsnaher Bereich als Hundestrand ausgewiesen werden, um auch Hundebesitzern einen angenehmen Urlaub zu ermöglichen.
12.01.2019 um 10:31 Uhr
Dr. Bernd Janson: Ich empfehle Stadtverwaltung, Ortsbeirat und Kurdirektor einen Ausflug nach Kühlungsborn, um dort nachzufragen wie man es dort geschafft hat, architektonisch sehr ansprechende und ordentliche Toiletten vor allem an der Strandpromenade zu bauen und sie kostenfrei zur Verfügung zu stellen.