Wenn die Pascual Flores Anfang August im Rostocker Stadthafen festmacht, ist das für viele mehr als nur die Rückkehr eines beeindruckenden Dreimasters. Mit dem fast 110 Jahre alten Schoner verbindet die Hanse Sail eine Geschichte, die von großem Pech, außergewöhnlicher Hilfsbereitschaft und einer besonderen Freundschaft erzählt. Nach ihrer unvergesslichen Premiere im Jahr 2024 nimmt die Crew aus dem spanischen Torrevieja nun erneut den mehr als 4.000 Kilometer langen Seeweg nach Rostock auf sich.
Die erste Reise zur Hanse Sail begann voller Erwartungen. Doch kurz nach der Ankunft folgte die Ernüchterung. Der Motor des historischen Schiffes war schwer beschädigt und an Ausfahrten war zunächst nicht zu denken: „Wir dachten, wir hätten ihn in Szczecin repariert“, erinnerte sich Kapitän Rodrigo Boj. „Aber als wir in Rostock ankamen, haben wir gesehen, dass wir Öl verlieren. Wir hatten ein Leck. So konnten wir auf keinen Fall für Ausfahrten ablegen.“
Rund 150 Gäste mussten auf andere Törns umgebucht werden. Gleichzeitig setzte eine beeindruckende Hilfsaktion ein. Auch der Hanse Sail Verein unterstützte die spanische Crew.
Schiffsbetreuerin Iris Henkel fand heraus, dass die Santa Barbara Anna mit dem gleichen Motortyp ausgestattet ist wie die Pascual Flores. Gemeinsam mit der Kloska Group wurde eine Lösung gesucht. Ein Rostocker Techniker verbrachte fast zehn Stunden gemeinsam mit dem leitenden Ingenieur des spanischen Schiffes im Maschinenraum. Mithilfe einer Endoskopkamera spürten sie das Leck auf und tauschten die defekten Bauteile aus. Bereits zwei Tage später konnte der Schoner doch noch zu seinen ersten Ausfahrten während der Hanse Sail ablegen.
„So bitter dieser Schaden für die Crew und die Gäste auch war, es war rührend zu sehen, wie hier in Rostock alle an einem Strang gezogen haben, um diesem Schiff zu helfen“, erinnert sich Bettina Fust. Auch Kapitän Rodrigo Boj zeigte sich dankbar und tief beeindruckt. „Wir fühlten uns von Anfang an herzlich willkommen. Die Unterstützung der Menschen war großartig.“
Neben der technischen Hilfe übergab der Hanse Sail Verein dem Schiff eine Spende von 2.000 Euro, um einen Teil der Einnahmeausfälle auszugleichen.
Für die Pascual Flores ist der Weg nach Rostock jedes Mal eine besondere Reise. Mehr als 4.000 Kilometer liegen zwischen dem Heimathafen Torrevieja und der Ostseeküste. „Für uns ist die Hanse Sail eine großartige Möglichkeit, unser maritimes Erbe so weit weg von spanischen Gewässern zu zeigen“, sagt Ulises Custodio von der Nao Victoria Stiftung, die das Schiff betreibt.
Während der gesamten Hanse Sail lädt die zwölfköpfige Crew Besucher zu Mitsegeltörns ein. Wer an Bord geht, erlebt nicht nur das historische Schiff aus nächster Nähe, sondern kann bei den Segelmanövern sogar selbst mit anpacken.
Der 34 Meter lange Schoner wurde 1917 gebaut und transportierte einst Früchte, Salz und weitere Handelsgüter im Mittelmeer sowie entlang der nord- und westafrikanischen Küsten. Nachdem die Stadt Torrevieja das Schiff 1999 im walisischen Milford Haven in stark sanierungsbedürftigem Zustand erworben hatte, wurde es umfassend restauriert.
Heute dient die Pascual Flores als schwimmender Botschafter der spanischen Hafenstadt und erinnert an die maritime Geschichte dieses Schiffstyps. Im Auftrag der Nao Victoria Stiftung besucht sie maritime Festivals und historische Häfen in ganz Europa. Vor ihrem erneuten Besuch in Rostock macht der Schoner unter anderem in Belgien, Norwegen und Dänemark Station.
Die 35. Hanse Sail findet vom 6. bis 9. August 2026 statt. Bereits am 5. August wird die Pascual Flores im Stadthafen erwartet. Das vollständige Programm sowie die Buchung der Mitsegeltörns sind über die Hanse Sail möglich. Auch das Hanse Sail Büro am Warnowufer steht Interessierten persönlich und telefonisch unter 0381/ 381 29 74 oder 0381/ 381 29 75 beratend zur Verfügung.
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