Mühlenstraße Warnemünde: Aus der Tonhalle wird ein Mehrgenerationenhaus

Die Süd-West-Ansicht des geplanten Neubaus.Die Süd-West-Ansicht des geplanten Neubaus. (1 weiteres Bild)22. Februar 2021

In der Mühlenstraße 17-18 – es ist das Eckhaus zur Dänischen Straße – ist ein aufwendiges Bauvorhaben geplant. Nach den Plänen des Architekten Enno Zeug entsteht hier ein Mehrgenerationenhaus mit Ladengeschäft. Eigentümer des Gebäudes, in dem einst die Gaststätte „Tonhalle“ und die Kneipe „Zapfhahn“ zu finden waren, ist der Warnemünder Sven Olsen. Gemeinsam mit seiner Familie und den Schwiegereltern will er in dem neuen Haus auch leben.

Die Bausubstanz des 1907 errichteten Gebäudes ist marode, weshalb es zunächst abgerissen werden muss. Allerdings: Der Neubau an dieser, für das Ortsbild so wichtigen, Stelle soll dem historischen Vorbild nachempfunden werden. Die Ecke erfährt sogar eine deutliche Aufwertung und auch dem Baumerhalt wurde große Bedeutung beigemessen. Der Gestaltungsbeirat hat die Pläne Zeugs bereits befürwortet. In der letzten Ortsbeiratssitzung wurde das Vorhaben auch der Öffentlichkeit vorgestellt.

Man habe sich an der Umgebung orientiert, verriet Planer Enno Zeug. Die Umgebung ist in diesem konkreten Fall aber gar nicht so einfach zu bestimmen, denn das Baugrundstück grenzt an drei sehr unterschiedliche Straßenzüge: im Süden an die Mühlenstraße, im Westen an die Dänische Straße und im Norden an den Mittelweg. Das Vorderhaus zur Mühlenstraße bleibe in seinen Grundzügen erhalten. „Durch den Anbau einer Veranda, welche die vorhandene fassadenbündige ‚Gaube‘ mit einbezieht, erfährt die Straßenfront eine ‚Reparatur‘“, erklärte der Architekt. Aus gestalterischer Sicht würde der Giebel damit wohltuend akzentuiert. Rechts neben der Veranda – hier soll nach den Wünschen des Investors künftig ein Buchhändler seine Geschäftsräume beziehen – schließt sich ein kleiner Garten an. Der Gestaltungsbeirat hatte zwar angeregt, die Veranda über die gesamte Front zu ziehen, doch aus Rücksicht auf die Nachbarn hat der Bauherr anders entschieden. Die Gebäudehöhen in Richtung Mittelweg und Dänische Straße sollen äußerst behutsam angeglichen werden. Die Obergeschosse springen deshalb zurück und eine blickdichte Über-Eck-Holzkonstruktion garantiert die Privatsphäre auch im Hinblick auf die angrenzende Nachbarbebauung.

Besonderes Augenmerk wurde auf den Schutz der beiden vor dem Baukörper stehenden Straßenlinden in der Dänischen Straße gelegt. Quasi mittendrin ist nämlich die Garageneinfahrt geplant. Mittels Wurzelradar und Astkataster konnte das Ingenieurbüro für Umweltplanung Kriedemann nachweisen, dass die Bäume durch die Baumaßnahme nicht gefährdet sind. „Sowohl beim Abbruch, als auch beim Neubau, werden wird sensibelst mit dem vorhandenen Wurzelwerk umgehen und alle Äste, die in das Baugeschehen hineinragen, vorab fachgerecht beschneiden lassen“, so Zeug. Der verantwortungsvolle Umgang mit den Linden wurde von Annette Boog, Sprecherin der Bürgerinitiative „Rettet den Küstenwald“ ausdrücklich gelobt: „Ich freue mich sehr, dass ein Bauherr auch das Stadtgrün bedenkt“, so die Warnemünderin. Der Eigentümer legt sogar noch einen oben drauf und kündigte an, für die Nachpflanzung eines bereits abgestorbenen Baumes im selben Straßenzug eine Patenschaft übernehmen zu wollen.

Der Ortsbeirat votierte am Ende einstimmig für das Bauvorhaben. Eine Baugenehmigung liegt noch nicht vor.

Visualisierungen: Architekturbüro Enno Zeug



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