Jubiläumsband des Warnemünder Tidingsbringer: 30 Jahre Geschichte – und ein Neuanfang


28. November 2025

Die Optik des Titels ist dem besonderen Anlass mehr als angemessen: Ein strahlend buntes Feuerwerk rahmt auf dem Cover des 30. Warnemünder Tidingsbringer den Leuchtturm ein. Dabei trägt das Motiv nicht nur die sichtbare Strahlkraft, sondern auch symbolischen Charakter. Denn dieser Jubiläumsband ist für das Verleger-Duo Redieck und Schade sowie für den Warnemünder Leuchtturmverein ein ganz besonderer Moment.

Für die beiden erfahrenen Publizisten ist die 30. Ausgabe zugleich der letzte Band unter ihrer Regie. Nach drei Jahrzehnten geben sie ihr publizistisches Lieblingsprojekt in andere, erfahrene Hände und widmen sich künftig ihren eigenen schriftstellerischen und sammlerischen Leidenschaften. Für viele Warnemünder ist der Erwerb des Tidingsbringer seit 30 Jahren ein freiwilliges Muss. Manche sprechen augenzwinkernd sogar von einer „weltlichen Warnemünder Bibel“, die sie Band für Band ins Regal stellen.

Herausgeber der Publikation mit einer Auflage von knapp 2.000 Exemplaren ist – wie immer – der Förderverein Leuchtturm Warnemünde e.V. Die Idee zur Reihe stammt vom in diesem Jahr verstorbenen Gerhard Lau, dem im Jubiläumsband ein besonderer Platz eingeräumt wurde. Der Ursprung des Projekts geht auf eine solidarische Geste zu Gunsten der frisch selbstständigen Verleger Redieck und Schade zurück. Sie sollten damals für einen Frankfurter Verlag Stadtgeschichten schreiben, stellten jedoch rasch fest, dass ihre Kontakte ausgenutzt wurden.

Als Gerhard Lau davon erfuhr, schrieb er spontan eine Broschüre über Warnemünder Denkmale, die Redieck und Schade herausgeben sollten – ein Bestseller. Daraus entstand die Idee, eine fortlaufende Reihe aus Warnemünde zu etablieren. Den Namen „Tidingsbringer“ prägte der verstorbene Warnemünder Zahnarzt Jürgen Rabbel, der gemeinsam mit Walter Voigt, Gerhard Lau und den Verlegern am Konzept feilte. Der Begriff geht auf die historischen Nachrichtenüberbringer zurück, die am Strand nach eintreffenden Schiffen Ausschau hielten und deren Ankunft den Familien mitteilten – gegen ein kleines Trinkgeld. Die Figur ist auch im Umgangsbrunnen von Wolfgang Friedrich in der Alexandrinenstraße verewigt.

Die beiden Verleger haben Gerhard Lau und sein Wirken in diesem Jubiläumsband mit einem fiktiven Interview gewürdigt.

Auf dem Titelblatt strahlt nicht nur der Leuchtturm – auch das Bäderjournal selbst sei „ein Leuchtturm für Warnemünde“, wie die Verleger betonen. Es informiere über Historisches und Neues, erzähle Geschichten, erinnere an Verstorbene und bringe Vergessenes wieder ans Licht. Anfangs hegten sie Zweifel, ob sich die Seiten füllen würden. Doch schon bald wurde das Projekt zum Selbstläufer.

Der aktuelle Jubiläumsband umfasst 42 Beiträge von 26 Autorinnen und Autoren sowie ein umfangreiches Kalendarium, das von Museumsleiter Christoph Wegner und Wilfried Steinmüller erarbeitet wurde.

Besonders bemerkenswert ist die Geschichte von Monika Kadner über einen außergewöhnlichen Schlitten: Ein Wissenschaftler aus Warnemünde gehörte im Jahr 1946 zu den 2.500 ausländischen Experten, die für ein paar Jahre als eine andere Art der Reparaturleistung in die Sowjetunion mussten. Bevor sie zurückdurften, sollten sie in einer Art Quarantänejahr ihr Wissen möglichst vergessen. Der Wissenschaftler Gerhard Schmitz lagerte seines auf fein beschriebenen Zetteln illegal in den Kufen des Kinderschlittens, der heute noch im Eigentum seines Sohnes Klaus-Peter Schmitz ist, der ebenfalls als Wissenschaftler tätig ist.

Der Beitrag von Wolfgang Matthäus über den beeindruckenden Eiswinter 1929 findet seine Fortsetzung im Bericht von Wolfgang Raschke über den Winter 1962/63. Spannend sind auch die Impressionen von Volker Schmidt aus Markgrafenheide sowie Wilfried Steinmüllers Betrachtungen über die historische Rebellion der Warnemünder gegen die Stadt Rostock.

Museums-Chef Christoph Wegner tritt außerdem als Autor mehrerer Artikel in Erscheinung, unter anderem mit einem interessanten Bebauungsplan von 1942, der die „Stadt“ Rostock-Warnemünde zeigt. Die dazugehörigen Grafiken stammen vom Warnemünder Autor Horst D. Schulz.

Auch die Verleger selbst sind im Band vertreten: Achim Schade berichtet über die Postzensur im Ersten Weltkrieg und Matthias Redieck veröffentlicht unter seinem Schriftstellernamen Matti Sund eine Geschichte über eine Bauberatung mit Hafenbaumeister Karl-Friedrich Kerner zu Hosmans Hotel am Strom 61.

Zu den Stammautoren zählt ebenfalls Andreas Golz, der über die „Warnemünder Jungs“, einen Nachruf auf den bekannten Meteorologen Reiner Tiesel sowie einen Beitrag zum bevorstehenden 90. Geburtstag von Horst Klinkmann schreibt.

Auch der aktuelle Leuchtturm-Chef Mathias Stlagat freut sich über die 30. Ausgabe des Tidingsbringer: „Lassen Sie uns gemeinsam feiern und uns kurz umdrehen – aber dann den Blick nach vorne richten. Die Geschichte Warnemündes geht weiter. Und der nächste Tidingsbringer kommt bestimmt.“

Dieser wird zukünftig im ß Verlag & Medien GbR von Ingo Sens in Rostock erscheinen. „Wir schließen dafür einen Vertrag, der festlegt, dass Erscheinungsbild und Rubriken erhalten bleiben. Unterzeichnen werden wir, der Leuchtturmverein und der neue Verleger“, erklärt Matthias Redieck. Die Autoren wechseln geschlossen mit.

Die offizielle Buchpremiere für den 30. Tidingsbringer findet am 5. Dezember um 19 Uhr im Strand-Hotel Hübner statt. Am 6. Dezember um 10 Uhr folgt eine Signierstunde mit mehreren Autorinnen und Autoren in der Buchhandlung Krakow Nachfolger am Kirchenplatz.

Da sich viele Sammler – darunter auch welche in Australien, Neuseeland und den USA – erneut ein Register wünschen, wird darüber nachgedacht. Ein Versprechen ist es noch nicht, aber der Wunsch wird ernsthaft geprüft.

Maria Pistor


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