Die Vorweihnachtszeit hält im Ostseehotel Wilhelmshöhe in Diedrichshagen in diesem Jahr wieder auf ganz besondere Weise Einzug. Wo sonst der Blick über die Ostsee schweift, ziehen nun zwei liebevoll dekorierte Wünschebäume die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich – einer in der festlich geschmückten Lobby, ein zweiter im Windfang am Eingang zum Restaurant. Beide Bäume stehen für ein großes Ziel: Kindern, die in Erziehungsstellen der Kinder- und Jugendhilfe des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Rostock ein neues Zuhause gefunden haben, zu Weihnachten einen Herzenswunsch zu erfüllen.
Für Hotelchefin Katharina Soyk ist diese Aktion mehr als ein saisonaler Höhepunkt. Sie setzt damit ihr deutlich spürbares Engagement für Nächstenliebe und gesellschaftliche Verantwortung fort. „Oft sind es schon Kleinigkeiten, die den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Dazu wollen wir beitragen“, sagt sie. „Gäste und Besucher sind herzlich eingeladen, sich eine Karte vom Baum zu nehmen und einem Kind einen Herzenswunsch zu erfüllen.“ Die Geschenke sollen im Wert von 10 bis 15 Euro liegen und bis zum 12. Dezember an der Rezeption abgegeben werden.
Um noch mehr Menschen zu erreichen, hat sich das Hotelteam in diesem Jahr bewusst für zwei Bäume entschieden. Beschriftete Fußspuren am Boden verbinden beide Stationen, ein Infoblatt in den Speisekarten informiert zusätzlich über die Aktion. Insgesamt hängen 25 Wunschkärtchen an den Bäumen – jeder Wunsch steht für ein Kind, das Weihnachten in besonderer Umgebung erlebt.
Wichtig ist der Termin: Am 12. Dezember findet die große Weihnachtsfeier der Erziehungsstellenkinder statt. Bis dahin müssen die Geschenke fertig verpackt in der Wilhelmshöhe abgegeben sein.
Kai Joest, Teamleiter des Erziehungsstellenverbundes des ASB Rostock, begleitet die Aktion mit großem Dank. Der Verbund besteht aus sogenannten familienanalogen Einrichtungen: pädagogische Fachkräfte, die ein oder mehrere Kinder mit besonders belastenden Biografien rund um die Uhr in ihren eigenen Familien aufnehmen und begleiten.
„Diese Kinder und Jugendlichen tragen oft große Rucksäcke“, sagt Joest. Das Aufnahmealter liegt zwischen null und zwölf Jahren, bleiben können sie bis zum 21. Lebensjahr. Die Zuweisung erfolgt über die Jugendämter. „Hier geht es um Kinder, die emotional und sozial schwierige Bedingungen durchleben. Sie brauchen intensive Betreuung und ein Umfeld, das sie auffängt.“
Gerade die Adventszeit sei für viele der Kinder emotional besonders herausfordernd, berichtet Ute B., die neben ihren drei eigenen Kindern zwei Mädchen im Alter von 15 und 18 Jahren betreut. „Weihnachten kocht vieles hoch. Die Kinder erinnern sich an früher, an zu Hause – und kommen mit ihren Gefühlen nicht klar.“ Aus Schutzgründen möchte sie ihren Nachnamen nicht nennen. Ihre Arbeit ist fordernd: Fast täglich steht sie wegen Verhaltensauffälligkeiten in Kontakt mit der Schule.
Dazu kommen Kinderkonferenzen, bei denen über Partizipation und Kinderrechte gesprochen wird. „Auch dafür bräuchten wir Unterstützung – einen Raum, vielleicht ein kleines Buffet“, so Kai Joest. Zusätzliche Wünsche betreffen die jährlichen Erziehungsstellen-Wochenenden. „Im letzten Jahr waren wir in Buschenhagen in einer ausgebauten Scheune – mit viel Platz für die Kinder. Ein tolles Erlebnis“, erinnert sich Ute B. „Wohngruppen oder Pflegefamilien können so etwas kaum leisten.“
Kai Joest betont, wie wichtig auch Entlastung für die Erziehungsstellenfamilien ist: „Viele gehen auf dem Zahnfleisch. Wir brauchen dringend Entlastungsteams, deren Arbeit bezahlt werden muss.“ Mit Stadt und Landesregierung werde derzeit erneut über Zuschüsse verhandelt.
Vor allem fehle es an Räumen – „nichts Großes, nur etwas für zwei, drei Tage“, damit die Erziehungsstellen einmal durchatmen, sich um ihre eigenen Familien kümmern und vielleicht auch mal verreisen können. Entlastungsteams seien speziell geschult und kämen möglichst regelmäßig in dieselben Familien, um den Kindern Stabilität zu geben.
Auch Tanja S., eine weitere Erziehungsstellenmutter, weiß um die Herausforderungen. Sie betreut zwei Mädchen und einen Jungen (15, 16 und 19 Jahre). „Je früher die Kinder kommen, desto besser“, sagt sie. Oft seien die Verhältnisse in den Herkunftsfamilien aber durch Gewalt oder Missbrauch geprägt.
Dennoch bleibe die Zusammenarbeit mit den Eltern ein wichtiger Baustein: „Wir können sie nicht ersetzen. Und trotz allem lieben die Kinder ihre Eltern“, betont sie.
Die Zusammenarbeit mit den Jugendämtern der Stadt Rostock laufe gut, ergänzt Kai Joest. „Sie sind auch mal bereit, zusätzliche Hilfen bereitzustellen.“
Für Katharina Soyk ist der Wünschebaum eine Herzensangelegenheit – und gleichzeitig Ausdruck einer familiengeprägten Haltung. Ihr Vater, Wolfgang Soyk, gehört zu den Gründungsmitgliedern des Lions Club Warnemünde, der seit 1996 vielfältige soziale Projekte unterstützt.
Sollten sich wider Erwarten nicht genügend Wunscherfüller finden, springt das Team des Ostseehotels Wilhelmshöhe selbst ein. „Wir sorgen dafür, dass jedes Kind ein Geschenk bekommt“, sagt die Hotelchefin. Zusätzlich stellt das Haus Gutscheine für Eis, Kaffee und Kuchen bereit – ein kleines Extra für die Kinder und ihre Betreuer.
Die beiden Wünschebäume im Ostseehotel Wilhelmshöhe stehen bereit – bunt, liebevoll und voller Hoffnung. Jede Karte ist eine Einladung, ein kleines Weihnachtswunder zu bewirken.
Und jeder, der mitmacht, schenkt den Kindern nicht nur ein Geschenk – sondern ein Stück Wärme, Aufmerksamkeit und unvergessliche Festtage.
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