Innovative Medizintechnik made in Warnemünde

Stehen für innovative Medizintechnik made in Warnemünde: Geschäftsführerin Andrea Bock und Direktor Klaus-Peter Schmitz vom Institut für ImplantatTechnologie und Biomaterialien e.V., Foto: IIB e.V.Stehen für innovative Medizintechnik made in Warnemünde: Geschäftsführerin Andrea Bock und Direktor Klaus-Peter Schmitz vom Institut für ImplantatTechnologie und Biomaterialien e.V., Foto: IIB e.V.09. November 2022

Warnemünde ist mehr als Tourismus & Kreuzfahrtschiffe – es ist gleichzeitig High-Tech-Schmiede für modernste Medizintechnik. In Europa bekommt jeder vierte Patient mit koronarer Herzkrankheit einen Stent aus Warnemünde implantiert. Seit mehr als 25 Jahren werden diese kleinen Gefäßstützen hier entwickelt, erprobt, verfeinert und produziert. Federführend agiert dabei das Institut für ImplantatTechnologie und Biomaterialien e.V. – ein An-Institut der Universität Rostock – mitbegründet und nach wie vor geleitet von Prof. Dr.-Ing. Klaus-Peter Schmitz, einem waschechten Warnemünder.

Eine weiße Orchidee blüht auf dem Fensterbrett seines Büros im dritten Obergeschoß im Technologiepark Warnemünde. Der Blick hinaus reicht weit über die Dächer des Seebades im Norden der Hansestadt und fällt direkt gegenüber auf besondere technischen Dachaufbauten. „Das ist die komplexe Lüftungstechnik für die Reinräume, in denen die Stents produziert werden. Nach Gründung der Cortronik GmbH im Oktober 1998 haben wir Anfang 2000 den Grundstein gelegt für diesen Firmenneubau und die Schaffung von Industriearbeitsplätzen. Mittlerweile arbeiten hier rund 350 Frauen und Männer. Spitzenprodukt ist unsere Eigenentwicklung „ORSIRO“ – mehr als fünf Millionen dieser medikamentenfreisetzenden Stents aus Warnemünde versorgen bereits Patienten weltweit“ erklärt Institutsdirektor Schmitz, der, wenn es seine Zeit erlaubt, auch leidenschaftlich gern segelt. Eines der Fotos an der Wand zeigt ihn als Steuermann auf einem Segelboot.

Auf seinem Schreibtisch liegen zwei dicke Fachbücher mit dem Titel: Windkraftanlagen. Das war jetzt nicht unbedingt zu erwarten im Institut für ImplantatTechnologie und Biomaterialien (IIB e.V.). Auf den zweiten Blick liegt es doch näher als gedacht – schließlich geht es ebenfalls um Strömung, Mechanik, angewandte Physik. „Die Grundlagen der Mechanik und Physik gibt es nicht extra für jedes Themengebiet – die wirken immer“, erläutert der ehemalige Schiffbauer. Schon sein Vater, Gerhard Schmitz, war Professor für Strömungslehre und hat in den 1950er Jahren das Institut für Strömungslehre an der schiffbautechnischen Fakultät der Universität Rostock geleitet. Gemeinsam mit einem Wissenschaftskollegen erarbeitete er damals die Grundlagen für „Theorie und Entwurf von Windrädern optimaler Leistung“. Die Auslegung von Windturbinen nach Betz und Schmitz werde noch heute gelehrt, erzählt der Professor nicht ohne Stolz.

Mit der Zeit gehen, Leben mitgestalten, wissensbasierte Arbeitsplätze für den Strukturwandel in der Region schaffen – das war vor gut einem viertel Jahrhundert auch seine Motivation für den Schritt von der Mechanik im Schiffbau zur Medizintechnik. Mittlerweile ist in Warnemünde ein Medizintechnik-Cluster entstanden. Allein im IIB e.V. arbeiten derzeit 35 Frauen und Männer interdisziplinär zusammen – Mediziner, Maschinenbauer, Biomedizintechniker, Studenten, Doktoranden, Biologen oder Chemiker forschen und entwickeln gemeinsam neue Medizintechnik und Prüfapparaturen. Sie untersuchen bspw. die Strömungsverhältnisse an Stents akribisch genau, testen eine neue Generation von Herzklappenprothesen auf „Herz & Nieren“ und entwickeln innovative Mini-Stents für den Einsatz in Eileitern. In den Forschungs- und Prüflaboren für Medizinprodukte stehen dafür High-Tech-Ausstattungen bereit, darunter hochauflösende Highspeed-Kamerasysteme, Lasermesstechnik, Rasterelektronenmikroskop und modernste Rechentechnik.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern fördert den IIB e.V., der gleichzeitig das Kompetenzzentrum für Medizintechnik MV ist, langfristig. „Wir sind eingefleischte Warnemünder, wollen weiterhin etwas für die Entwicklung dieser Region tun, haben die Köpfe voller Ideen und bereiten auch in unserem Haus den Generationenwechsel vor“, gibt Schmitz einen Ausblick. Vor gut zwei Jahren hat der Vorstand Andrea Bock zur Geschäftsführerin ernannt. Auch die diplomierte Verwaltungswirtin ist in Warnemünde zu Hause, begleitet ihn seitdem zu immer mehr Terminen. Durch ein enges Zusammenspiel der Akteure aus Wissenschaft, Medizintechnikunternehmen und Kliniken soll vor allem die regionale Wirtschaft und Wertschöpfung gestärkt werden. Innovation und Kreativität müsse sich in Form von marktfähigen Produkten und Dienstleistungen im Alltag beweisen – zum Wohle der Menschen. Eine neue Idee aus ihrem Institut: „HeartAmWind“ – ein Bündnis für innovative Gesundheitswirtschaft soll entstehen.

Und – „hart am Wind“ bezeichnet gleichzeitig einen Kurs beim Segeln – wer hart am Wind kreuzt, gewinnt Höhe und kommt so trotz Gegenwindes ans Ziel. Künftig wollen der leidenschaftliche Segler und sein Team noch mehr junge Leute an Bord holen, direkt an Schulen gehen – Ingenieure von morgen schon heute begeistern. Dabei werden sie auch ihre druckfrische Imagebroschüre „Medizintechnik für das Leben“ im Gepäck haben, die weitere Einblicke in ihr weltweites Netzwerk gibt. „Von Warnemünde in die Welt – das ist bei uns gelebte Praxis“, resümiert Klaus-Peter Schmitz, bevor er, gemeinsam mit seiner Geschäftsführerin, zum nächsten Meeting eilt. Warnemünde ist eben nicht nur Strand & Tourismus, sondern gleichzeitig attraktiver Forschungsstandort und Arbeitgeber an der Ostsee.

RikeM







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