In Badehose von Berlin direkt an den Strand

Mit dem einfahrenden IC 94 aus Wien wurde heute Morgen der umgebaute Personenbahnhof Warnemünde wiedereröffnet.Mit dem einfahrenden IC 94 aus Wien wurde heute Morgen der umgebaute Personenbahnhof Warnemünde wiedereröffnet.19. Mai 2020

Pünktlich um 8.59 Uhr fuhr heute Morgen am Bahnsteig 4 des umgebauten Warnemünder Bahnhofs der erste IC aus Wien ein. Schon in den frühen Morgenstunden um 4.54 Uhr erreichte die erste Rostocker S-Bahn die Station. Nach sensationell kurzer Bauzeit von nur acht Monaten wurde das Schmuckstück damit offiziell freigegeben.

In dreifacher Hinsicht präsentiert sich Rostocks nördlichster Personenbahnhof neu: Die Bahnsteige sind allesamt barrierefrei erreichbar, die gesamte Steuerung des Bahnverkehrs übernimmt ein digitales Stellwerk und zum Dritten wird das Ostseebad ganzjährig auch zu einem Fernverkehrshalt. Die neuen Intercity-Doppelstockzüge der Linie Dresden–Berlin–Rostock enden und beginnen nämlich ab sofort in Warnemünde. „Als Endbahnhof kommen wir damit auch überregional auf die Anzeigetafeln“, freut sich Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen über den Zuwachs an Publicity. Strandbesucher gelängen auf direktem Weg und ohne Stau direkt in ihr Lieblings-Ostseebad mit XXL-Badewanne, denn: „Die Bahnfahrt an die Ostsee ist ab heute nicht nur der komfortabelste, sondern auch der schnellste Weg ans Meer.“ Und das Beste: Nicht nur der Strand ist wenige hundert Meter vom Bahnsteig entfernt. Auch der Umstieg zu Kreuzfahrtschiffen ist jetzt bequemer denn je. „Ein großes Dankeschön an die Deutsche Bahn und alle beteiligten Bauleute, die in den vergangenen Monaten nahezu täglich gearbeitet haben. Nun ist unser 117 Jahre alter Bahnhof wieder einer der technologisch modernsten im Land!“, hebt das Stadtoberhaupt hervor.

„Der Umbau war ein hartes Stück Arbeit, hat sich aber gelohnt“, betont Joachim Trettin, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Mecklenburg-Vorpommern. Sein Dank gilt insbesondere den Warnemündern die in den vergangenen Monaten viele Einschränkungen hinnehmen musste, diese aber geduldig hinnahmen: „Jetzt ist der Weg vom Alten zum Neuen Strom barrierefrei und damit auch der Zugang zu allen Bahnsteigen. Mit der Verlängerung der IC aus Dresden bzw. Berlin nach Warnemünde ist das Seebad jetzt gut an das Fernverkehrsnetz angeschlossen.“

Als sicher gilt: Das Mega-Bauvorhaben in Rekordzeit kam einem Kraftakt gleich: „960 Einzelpositionen enthielt allein der Ablaufplan und 181 Menschen – da sind die vielen Bauarbeiter noch gar nicht miteinbezogen – waren mit viel Leidenschaft an seiner Umsetzung beteiligt“, berichtet die verantwortliche Projektingenieurin von DB Netz, Karin Uhlig. Natürlich habe der milde Winter Schützenhilfe für die planmäßige Fertigstellung geleistet, doch es wurde eben auch sieben Tage die Woche nahezu rund um die Uhr rangeklotzt. Erschwerend gab es dann noch die sogenannten Baumaßnahmen in der Baumaßnahme, etwa wegen des ungünstigen Altbestandes oder beim Verlegen von Kabeln und Leitungen für Dritte. „Es war schon eine ordentliche Quälerei, denn auf eine Tiefe von bis zu 1,70 Metern musste der Boden ausgetauscht werden“, führt Rudolf Göpfert als Projektleiter der beteiligten Firma Hartung Bau aus. Zufrieden und ob der monatelangen Anstrengungen auch etwas erschöpft blickt er auf das Ergebnis. Noch bis Ende Juli werden letzte Pflasterarbeiten durchgeführt und zu einem späteren Zeitpunkt soll der Bahnhof sogar mit WLAN nachgerüstet werden. Die Am Passagierkai und in der Straße Am Bahnhof als Lagerflächen angemieteten Parkplätze dürfen ab dem 31. Mai bzw. 30. Juli wieder als solche genutzt werden.

Bei der Frage, wie sich denn der Bahnhofsvorplatz künftig darstellt, wird Ingo Mau, Leiter des Bahnhofsmanagement Rostock, noch nicht wirklich konkret. Die Verträge seien noch nicht unterzeichnet, doch sicher sei, dass die etwa 20 Parkplätze wieder verfügbar sein werden: „Darüber hinaus haben wir einen Kompromiss erzielt und uns mit der Stadt auf eine aufgelockerte, hochwertige Vermietung unter Einbeziehung der für Warnemünde wichtigen Sichtachsen geeinigt“, sagt der Bahnmitarbeiter, der schon vorab verrät, dass die umstrittene Lok mit Barbetrieb nicht wiederkommen wird.   

Viele Jahr stand der Bahnhof unter massiver Kritik. Erste Gespräche zur Umgestaltung fanden schon 2003 statt. Nach umfangreicher Planung begannen 15 Jahre später, im Oktober 2018, die Bauarbeiten. Zunächst wurde die alte Technik durch ein modernes digitales Stellwerk ersetzt. Im September 2019 begann der eigentliche Umbau des Bahnhofs. Die alte Personenunterführung wurde zurückgebaut und durch einen neuen, barrierefreien Übergang ersetzt. Zwei 370 Meter lange Bahnsteige für Intercity- und ICE-Züge wurden neu errichtet. Auch das Kreuzfahrtterminal können Reisende von Bahnsteig 5 über drei direkte Zugänge leicht erreichen. Gleichzeitig wurden Gleise, Weichen, Oberleitungs- und Telekommunikationsanlagen sowie der Hochwasserschutz verbessert. Etwa 65 Millionen Euro haben Bund, Land, Stadt und Deutsche Bahn insgesamt in den Umbau investiert.

Mit der Wiederinbetriebnahme des Bahnhofs Warnemünde wurden auch die Fernverkehrsverbindungen in die Tourismusregion ausgebaut. Mit neuen, komfortablen Intercity-Doppelstockzügen ist der Ostseestrand von Berlin aus im Zwei-Stunden-Takt umsteigefrei in nur 2 Stunden und 27 Minuten erreichbar. Von Dresden dauert die Fahrt 4 Stunden und 42 Minuten. Weitere neue Fernverkehrshalte entlang der Strecke sind der Berliner Flughafen Schönefeld, Neustrelitz und Waren (Müritz). Neu ist auch die umsteigefreie Verbindung Warnemünde–Wien. Einmal täglich fährt in beiden Richtungen ein Zug über Berlin, Leipzig, Nürnberg und Passau in die österreichische Hauptstadt.







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