Heimatmuseum öffnet nach Renovierung

Uwe Krempien (l.) und Christoph Wegner vor einem der drei Uwe Krempien (l.) und Christoph Wegner vor einem der drei "Lehmschaufenster" in der Diele des Heimatmuseums. Mit trockenem Weidengeflecht und Lehmputz nach hauseigenem Rezept hat man in Warnemünde früher die Fachwerkständer ausgefacht. 12. Mai 2020

Nach zweimonatiger Schließzeit öffnet auch das Heimatmuseum Warnemünde am Freitag, 15. Mai, wieder seine Türen. Schon Mitte März hatten hier die Lehmbauarbeiten in Schlafstube und Küche begonnen. Durch Umleitung der Besucherströme sollte die lange geplante Renovierung eigentlich bei laufendem Betreib stattfinden und schon längst abgeschlossen sein. Doch dann kam Corona und auf einmal hatte alles Zeit.

Lehmbauer Uwe Krempien hat ganze Arbeit geleistet: Der erste Eindruck beim Betreten des alten Fischerhauses aus dem Jahre 1767: Es riecht gut und gar nicht altbacken. „Das ist den Lehmwänden und -decken geschuldet“, weiß der Bauunternehmer aus dem Ostseebad Nienhagen. Der 64-Jährige hatte auch die Idee zu den drei „Lehmschaufenstern“ und setzte seinem Handwerk damit ein Denkmal. Museal aufbereitet und veranschaulicht wurden so gleich drei alte Bauweisen:  die Ausfachung des Fachwerkstabwerks mit trockenem Weidengeflecht, so genannte Lehmwickel, die vorrangig in Zimmerdecken zur Verwendung kamen und ausgemauerte Lehmziegel. „Für den Lehmputz hatte jede Warnemünder Familie ihr eigenes Rezept“, weiß der Lehmbauer, dem es wichtig ist, dass auch folgende Generationen wissen, wie man früher gebaut hat. Eineinhalb bis zwei Tonnen Lehm hat er im Heimatmuseum Warnemünde insgesamt verarbeitet.

Neu ist auch die Fußleistenheizung in Diele, Wohn- und Schlafstube sowie in der Küche, installiert von Heizungsbauer Ralf Konrad. Etwa 8.000 Euro kostete diese Innovation. Der Vorteil: Es sind keine Heizkörper mehr sichtbar. Die Heizrohre verschwinden einfach in den Sockelleisten und geben nach oben und unten die Wärme ab.

Bis zur Wiedereröffnung am Freitag bleiben nur noch wenige Tage zum Saubermachen, Einräumen und Dekorieren. Die Möbel werden wieder so aufgestellt, wie vor der Renovierung. Ein paar Details sollen dennoch angepasst werden: „Wir stellen das Leben der Warnemünder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dar und zu dieser Zeit hatte man kein Holländermuster auf dem Küchengeschirr. Es war alles viel rustikaler“, weiß Museumsleiter Christoph Wegner. Um bei Führungen noch mehr Lokalkolorit einfließen zu lassen, sollen in der Schlafstube wieder alte Fotos aufgehängt werden. Diese haben immer auch einen Bezug zum damaligen Ortsgeschehen. Darunter Heinrich Holtfreter und seine Frau. Der Fischer galt im Februar 1914 als Initiator der Warnemünder Sammlung und regte „een Sammelstell von alle Warnmünner Saken, as Drachten, Möbel, Biller un anner Gegenstänn to gründen un as so`n Ort Museum intorichten, de för spärere Tiden enen groten Wiert kregen“ an.

Der Eigenbetrieb KOE Rostock als Eigentümer des Gebäudes in der Alexandrinenstraße 31 hat die umgestalteten Räumlichkeiten schon mal unter die Lupe genommen und ist sehr zufrieden. Natürlich hoffen Christoph Wegner und die Verantwortlichen des Museumsvereins, dass das auch die Besucher so sehen.

Auf die derzeit geltenden Hygiene- und Abstandsregeln hat sich das Heimatmuseum eingestellt. Es gibt Spender mit Desinfektionsmittel und sowieso herrsche die Maskenpflicht – für Mitarbeiter und Besucher. Immer dienstags bis sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr dürfen sich jeweils zwölf Personen gleichzeitig in den Räumlichkeiten aufhalten und es gilt die einfache Regel: Eingelassen werden nur so viele, wie zuvor herausgekommen sind. Besichtigt werden dürfen neben den frisch renovierten Stuben auch die Dauerausstellung zur Warnemünder Geschichte und die bis Ende August laufende Sonderschau zum Warnemünder Sport. Voraussichtlich zum Hoffest des Museumsvereins am 19. September wird eine neue Sonder-Exposition, die sich dem Thema „Kindheit in Warnemünde“ widmet, eröffnet.

Veranstaltungen wird es im Heimatmuseum Corona-bedingt vorerst keine geben. „Den Internationalen Museumstag am Sonntag machen wir ohne Aktionen mit. Wie üblich entfällt der Eintritt an diesem Tag“, kündigt Christoph Wegner an. Er nimmt die Idee des Deutschen Museumsbundes auf und will künftig noch mehr auf das digitale Museumserlebnis setzen. Unter #Museen-Entdecken bereitet Wegner auf der Facebookseite des Heimatmuseums digitale Sonderaktionen zum Museumstag vor.







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