Gut Ding will Weile haben: "Oll Stromer" schwimmt!

Die Chefin des Rostocker Schiffbau- und Schifffahrtsmuseums im Iga-Park, Kathrin Möller, ist glücklich: „Oll Stromer“ schwimmt! Am 29. September will sie mit der aufgetakelten Volljolle in den Alten Strom segeln.Die Chefin des Rostocker Schiffbau- und Schifffahrtsmuseums im Iga-Park, Kathrin Möller, ist glücklich: „Oll Stromer“ schwimmt! Am 29. September will sie mit der aufgetakelten Volljolle in den Alten Strom segeln.14. September 2020

Es ist soweit: Der Nachbau einer Warnemünder Volljolle, auch Tweismaker genannt, wurde nach dreijähriger Bauzeit heute zu Wasser gelassen.

Für Projektleiter Uwe Ahlgrimm war der Moment, als der aufpolierte hölzerne Bootskörper ins Warnowwasser glitt, ein glückserfüllter. Umso mehr, als die unruhige letzte Nacht schon um 4.00 Uhr zu Ende war: Würde der Wasserstand auch ausreichen? Würde es Probleme geben? Würde die Jolle auch schwimmen? Mit 20 Zentimetern unter Normal Null war der Pegel in der Tat niedrig. Geklappt hat aber trotzdem alles und Oll Stromer schwimmt!

„Im Spätherbst 2016 wurde durch den Bootsbauer Paul Brümmer an uns die Idee herangetragen, das einstige ‚Brotboot‘ der Warnemünder Fischer nachbauen zu lassen. Nur zwei Wochen später kam der gelernte Tischler Uwe Ahlgrimm und fragte, ob man auf der alten Bootswerft nicht was machen könnte. Das war die Initialzündung“, erinnert sich die Leiterin des Rostocker Schifffahrtsmuseums, Kathrin Möller. Sie war sofort Feuer und Flamme, übergab das Projekt in die Hände des Museumsförderkreises und die Dinge nahmen ihren Lauf. Ein Vorbild gab es nicht, denn schon Mitte der 1950er Jahre verschwand die letzte Warnemünder Volljolle aus dem Stadtbild – sie wurde von ihrem Eigentümer im Strom versenkt. Nur durch viel Recherchearbeit und tausende Arbeitsstunden konnte ein regionales Kulturgut wieder zum Leben erweckt werden.

„Die Idee, den Frachtensegler, wieder ans Tagesllicht zu holen, ist jetzt endlich Wirklichkeit geworden“, freut sich der Vereinsvorsitzende Werner Iffländer und fasst die Chronologie zusammen: „2016 war die Tweismaker Jolle nichts als immaterielles Kulturgut. 2017 Baubeginn. 2018 konnte der fertige Rumpf beim Festumzug zum 800. Stadtgeburtstag präsentiert werden. Nur wenig später erfolgte die Taufe nach öffentlicher Namenssuche. September 2019 Masten hobeln und September 2020 schließlich der Stapellauf“, lässt er die jüngste Schmarler Schiffbaugeschichte Revue passieren. Undenkbar wäre das Gelingen ohne die unermüdliche Werftcrew gewesen. „Alle haben sich große Mühe gegeben und garantieren jetzt für die Schwimmfähigkeit.“ Mit großem Eifer haben an der Jolle mitgebaut: Paul Brümmer, Helge Berkel, Paul Opel, Kristian Brümmer, Heribert Hartleib, Hans Rieck, Michael Mahler, Uwe Ahlgrimm, Peter Vito, Thomas Westphal, Henry Marquardt und Bernd Alter. „Euch allen möchte ich meinen Dank, Anerkennung und Bewunderung aussprechen“, hob Iffländer hervor. Gleichzeitig versprach er allen Anwesenden, dass es auch nach dem Stapellauf mit neuen Projekten weitergehen würde auf der Traditionswerft, denn: „Eine Werft, die nicht baut, ist nunmal wie eine Klappbrücke, die nicht klappt.“

Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden die ersten Warnemünder Volljollen, die im 19. Jahrhundert ihre Hochzeit hatten. Die knapp 7,50 Meter lange Replik Oll Stromer wurde aus einem acht Meter langen Baumstamm aus Kambala, ein tropisches Hartholz, gefertigt. In liebevoller und aufwendiger Handarbeit wurden von den Bootsbauern und Ehrenamtlern 56 Spanten vor dem Biegen gekocht, ca. 1.600 Kupfernieten in die 18 Planken eingeschlagen, 6,50 Meter lange Masten aufgestellt und 22 Quadratmeter Segeltuch befestigt.  

Dass das Projekt „Tweismaker“ mit Leben erfüllt werden konnte, ist vor allem auch den zahlreichen Spendern zu verdanken. Der Schatz, den Schatzmeister Hans-Peter Weigelt zu verwalten hatte, war glücklicherweise groß: „Vom Kleinspender, der seine Münzen in die Klingeldose steckte, bis hin zu Großspendern, die vierstellige Summen besteuerten, war alles dabei.“ 46.000 Euro sind in das Vorhaben geflossen. Zu den Unterstützern zählten: Apotheke 24, Cortronik, der Förderverein Leuchtturm Warnemünde, Fresand, Gesundschuh Warnemünde, die Kloska Group, die Hanse- und Universitätsstadt Rostock, die Ostseesparkasse Rostock, Satori & Berger, die Stadtwerke Rostock, die Stiftung Oll Warnemin, der Fracht- und Fischereihafen, der Rotary Club Warnemünde, Rotaria Energie- und Umwelttechnik Rerik, die Segelmeister Müller aus Gehlsdorf und die Wohnungsgenossenschaft Schifffahrt-Hafen Rostock. Hafentrailer, Slipanlage und ein Schwimmsteg konnten auf Initiative des Landtagsabgeordneten Ralf Mucha angeschafft werden. Die dazu notwenigen 30.000 Euro hat er aus dem Strategiefond der Landesregierung lockergemacht.

Ansegeln ist für Oll Stromer am 29. September geplant. Die Tweismaker-Jolle soll ab dann nicht nur auf der Warnow und im Alten Strom, sondern auch im südlichen Ostseeraum unterwegs sein. Mitsegler sind dabei herzlich willkommen. Neben zwei Crewmitgliedern haben sechs Gäste Platz an Bord.

Sicherlich ist Oll Stromer auch ein spannendes Angebot für Schulprojekttage, genau wie die weiteren Mitmachaktionen in der historischen Bootswerft mit Reeperbahn und Schmiede. Zukünftige Projekte sind hier die Restaurierung eines Dingis (kleines Boot) und eines Polts (Flachbodenkran). Dafür sucht der Förderkreis noch ehrenamtliche Helfer aber auch neue Vereinsmitglieder, gern Takler oder Reepschläger. Auch Mitsegler und Crewmitglieder für die Volljolle werden gesucht.

Ob Oll Stromer seinen Sommerliegeplatz, so wie angedacht, im Alten Strom von Warnemünde finden wird, ist noch unklar. Der ehemalige Hafenkapitän Gisbert Ruhnke dämpfte die Hoffnungen etwas. Die Museumschefin will aber auch in dieser Sache nicht lockerlassen und hofft auf Gespräche mit den Verantwortlichen. 







« vorheriger Artikel zur Übersicht zum Archiv nächster Artikel »

Kommentieren Sie den Artikel

Name
E-Mail (wird nicht veröffentlicht)

Sicherheitscode
Ich willige ein, dass DER WARNEMÜNDER die von mir überreichten Informationen und Kontaktdaten dazu verwendet um mit mir anlässlich meiner Kontaktaufnahme in Verbindung zu treten, hierüber zu kommunizieren und meine Anfrage abzuwickeln. Dies gilt insbesondere für die Verwendung der E-Mail-Adresse zum vorgenannten Zweck. Die Datenschutzerklärung kann hier eingesehen werden.*