Fischer wird neuer Vormann bei den Seenotrettern in Warnemünde

Mario Lange (r.) ist neuer Vormann der Station Warnemünde. Er hat das Amt von Karsten Waßner übernommen, der nach fast 33 Jahren als Seenotretter in den Ruhestand gegangen ist.Mario Lange (r.) ist neuer Vormann der Station Warnemünde. Er hat das Amt von Karsten Waßner übernommen, der nach fast 33 Jahren als Seenotretter in den Ruhestand gegangen ist.05. September 2022

In der Crew des Seenotkreuzers Arkona hat es einen Wechsel gegeben: Mario Lange (55) ist neuer Vormann der Station Warnemünde. Er löst den 62-jährigen Karsten Waßner ab, der sich nach insgesamt rund 33 Jahren als Seenotretter – 14 davon als Stationsleiter – in den Ruhestand verabschiedet. Damit steht ein gelernter Fischer der Station der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) an der Warnow vor.

Immer war er ausgesprochen gern an Bord der Seenotrettungskreuzer am exponierten Liegeplatz unterhalb des Leuchtturms an der bei Touristen so beliebten Meile am Alten Strom, betont Waßner: „Wir sind eine wunderbare Crew, und ich habe von allen Seiten viel Dankbarkeit erfahren. Ich durfte Teil einer großartigen Gemeinschaft sein, die Menschen in Not Hilfe bringt und deshalb immer gern gesehen ist, sehnsüchtig erwartet und erleichtert empfangen wird. Das hat sich für mich immer sehr gut angefühlt“, beschreibt er seine tiefe Verbundenheit mit seiner Arbeit als Seenotretter. Trotz allem freut er sich auf seinen Ruhestand, auf mehr Zeit für seine Frau, Familie und Hobbys.

Schon als Kind schaute Karsten Waßner in seiner Heimatstadt Wittenberge sehnsüchtig den Elbkähnen hinterher. Er wollte selbst auf Schiffen die Welt entdecken. Das Seemannshandwerk lernte er in der DDR bei der Deutschen Seereederei (DSR). Als Matrose landete er in der Türkei und Sowjetunion, auf Kuba und in England an – dort kaufte er Mitte der 1970er Jahre auch seine erste Schallplatte: Bob Marley & The Wailers „Live At The Lyceum“, deren entspannter Reggae bis heute immer mal wieder durch sein Wohnzimmer schallt.

Nach seiner Lehrzeit wechselte Waßner zur Volksmarine – auch weil er nicht mehr monatelang von seiner damaligen Frau getrennt sein wollte. Kurz vor der Wende ging er an Land und er war für einige Monate im Rostocker Seefahrtsamt als Oberinspektor für die staatlich organisierte Seenotrettung zuständig. Nach der Wiedervereinigung beteiligte er sich zunächst maßgeblich an der Reintegration der DDR-Stationen in die DGzRS, bevor er in Warnemünde als Seenotretter an Bord ging. „Das habe ich bis heute nicht bereut, es ist einfach eine sehr besondere Arbeit“, sagt er.

Genau wie sein Vorgänger ist auch Mario Lange mit „Herz und Seele“ Seenotretter – Tag und Nacht. Der gelernte Fischer übernimmt eine Station im Umbruch: Langjährige Rettungsleute gehen in den Ruhestand und reichen ihr Wissen über Revier, den Seenotrettungskreuzer Arkona und besondere Handgriffe an jüngere Kollegen weiter, die wiederum neue Impulse geben. „Es macht mir Spaß, mit den Kollegen zu arbeiten, wir passen hervorragend zusammen und können uns hundertprozentig aufeinander verlassen“, sagt der 55-Jährige.

In Kirchdorf auf der Insel Poel wurde Mario Lange 1967 in eine Fischerfamilie hineingeboren. Früh setzte er von seinem Angelkahn im Kirchsee – einem Teil der Wismarer Bucht – Kastenreusen aus, half den Fischern im Hafen beim Flicken der Netze, Anlanden der Fänge und Klarschiffmachen. Genauso wie sein Vater, Großvater und Urgroßvater wollte er dem „Gold der Meere“ hinterherjagen – das war sein großer Traum.

Bei der Fischereigenossenschaft in Wismar ging Mario Lange in die Lehre, stand als Decksmann auf den Kuttern und machte sein nautisches Patent. Als er nach der Wiedervereinigung seine Arbeit verlor, schulte er zum Gas- und Wasserinstallateur um. Doch die See ließ ihn nicht los: Mitte der 1990er Jahre bewarb er sich bei der DGzRS und wurde 1997 Seenotretter in Warnemünde. Seit mehr als 25 Jahren ist er für in Not geratene Seeleute und Wassersportler im Einsatz. Trotzdem freut er sich – wenn er aus dem Freitörn kommt – nach wie vor auf die Arkona. Sie ist sein zweites Zuhause, und die Kollegen sind seine zweite Familie.

Foto: Die Seenotretter – DGzRS



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