Ein heißer Strandtag an der Ostsee in Warnemünde

Baden, kurz trocknen, wieder baden - einige bleiben zur Abkühlung gleich im seichten Flachwasser sitzen.Baden, kurz trocknen, wieder baden - einige bleiben zur Abkühlung gleich im seichten Flachwasser sitzen.04. August 2022

Heiß soll es heute wieder werden, bis zu 36 Grad Celsius, sogar hier im Norden direkt an der Ostsee in Warnemünde. Kurz vor 6 Uhr leuchten die ersten Sonnenstrahlen in die Hotelzimmer mit Meerblick, dazu entferntes Möwengeschrei – ein sanfter natürlicher Wecker. Ganz anders, als es stressgeplagte Großstädter von zuhause gewohnt sind. Im Moment zeigt das Thermometer erst 20 Grad Celsius, drei Männer in grüner Arbeitskleidung putzen sich still die Promenade entlang, sammeln Müll ein und fegen die Flaniermeile, von der die Strandaufgänge abgehen. Zwei Damen im Bademantel huschen vorüber – aus dem Hotel direkt ins Meer – schon vor dem Frühstück.

Trotz der frühen Stunde sind sie nicht ganz allein am gut zwei Kilometer langen Strand. Auch die ersten Einheimischen absolvieren bereits ihren Frühsport – gehen eine Runde, laufen oder schwimmen – für etliche ihr tägliches Ritual vor der Arbeit. „Jetzt im Hochsommer ist es mir tagsüber einfach zu voll hier und außerdem wird es mir heute zu heiß. Den ganzen Tag über pralle Sonne und die Hitze, das ist Stress für den Körper“ lächelt ein älterer Herr mit Pfeife im Mundwinkel. Da bewege er sich lieber langsam, ziehe sich spätestens gegen 10 Uhr nach drinnen oder in den Schatten zurück und versuche, wirklich ausreichend Mineralwasser zu trinken. Das nämlich ist besonders wichtig, hat er von seinem Arzt gelernt, nicht nur für ältere Menschen. Bei diesen Temperaturen schwitzen wir etwa einen halben Liter pro Stunde aus – einfach so, schon ohne große körperliche Aktivitäten. An solch heißen Tagen muss unser Körper kühlen, um seine Innentemperatur von 37 Grad zu halten, das kann er nur über die Verdunstungskühle, wenn wir schwitzen.

Etwa doppelt so viel Getränke wie gewöhnlich bunkern die Strandversorger und Strandkorbvermieter an Tagen wie diesen. Gegen 9 Uhr sind es bereits 25 Grad im Schatten – längst haben die ersten Familien ihre Pflöcke für den Windschutz eingeschlagen oder die Strandmuschel aufgebaut. „Frühes Erscheinen sichert die besten Plätze – wir liegen am liebsten nah am Wasser, dann haben wir die Kinder beim Baden auch am besten im Blick – und gestern waren wir einfach zu spät“ sagen Urlauber aus Sachsen. Da haben sie diskutieren müssen, weil welche, die schon da waren, meinten, der Strandplatz gehöre ihnen – und es sei ein Unding, sich einfach davor zu legen und dann noch einen schattenspendenden Sonnenschirm aufzustellen. Der versperre den Blick auf die Ostsee. So einem Streit in der Mittagshitze wollten sie heute lieber aus dem Weg gehen.

Am frühen Nachmittag ist das Thermometer auf 33 °C geklettert, der Sand ist heiß, die freien Fleckchen rar – überall bunte Sonnenschirme für das persönliche Stück Schatten. Alle Strandkörbe sind Richtung Ostsee gedreht, bieten damit auch ein schattiges Plätzchen. Und zum Glück ist es für niemanden hier wirklich weit bis ins etwa 22 °C kühle Ostseewasser. Baden, kurz trocknen, wieder baden – manche mögen gar nicht mehr raus, spielen auf der Sandbank, sitzen im Flachwasser oder lassen sich mit großen aufblasbaren Schwimmhilfen auf der glatten See treiben. „Heute müsst ihr damit aber aufpassen, dass ihr nicht abtreibt. Es ist Südwind, das heißt hier ablandig – also der Wind weht vom Strand hinaus aufs Meer – und treibt euch immer weiter vom Ufer weg“ erklären erfahrene Badegäste. Die Neuankömmlinge nehmen den Rat dankbar an.

Inzwischen ist es kurz nach 16 Uhr – immer noch fliegender Wechsel an der Wasserkante. Auf gerade frei gewordenen Plätzen werden neue Strandtücher ausgerollt – viele, vor allem Einheimische, wollen nach der Arbeit einfach nochmal ins Wasser springen und den Tag am Strand ausklingen lassen. „Wir teilen Warnemünde gern mit Urlaubern und Gästen, nur an manchen Tagen ist es einfach so voll, dass die Infrastruktur hier echt an ihre Grenze kommt“ sagen sie. Da wäre es schön, wenn alle ein wenig mit dafür sorgen, dass die Stimmung trotz der vielen überhitzten Gemüter nicht kippt. Dazu gehöre auch, sich bitte an die „Spielregeln“ zu halten, z.B. keinen Müll zu hinterlassen, mit Hunden nur den Hundestrand zu besuchen und insgesamt freundlich miteinander umzugehen. Schließlich soll der Ostseestrand in Warnemünde morgen früh genauso einladend sein, wie an diesem heißen Tag.

RikeM







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