Ein Molli in Warnemünde

Freuen sich über das rege Interesse am Molli-Besuch in Warnemünde: Michael Mißlitz, Holger Matthäus und Sebastian Constien (v.l.).Freuen sich über das rege Interesse am Molli-Besuch in Warnemünde: Michael Mißlitz, Holger Matthäus und Sebastian Constien (v.l.).06. September 2022

Nur die wenigsten Menschen verbinden Warnemünde mit der Molli-Bahn. Die älteste Schmalspurbahn an der Ostseeküste verbindet Bad Doberan mit Kühlungsborn und basta. Von wegen! Seit gestern Abend gibt es auch eine Molli-Dampflokomotive in Warnemünde. Für eine Woche zwar nur, aber immerhin. Im Rahmen des Brückenfestes wurde die Lok mit der Seriennummer 992331-9 nach Warnemünde geholt. Jetzt steht sie mitten im touristischen Hotspotgebiet unterhalb des Leuchtturms, am Wendehammer, ordnungsgemäß auf Schwellen und Schienen. Um noch mehr Menschen auf den Nostalgiezug aufmerksam zu machen, verrät der Geschäftsführer der Mecklenburgischen Bäderbahn Molli GmbH, Michael Mißlitz.

„So einen Tieflader habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen“, sagt Monika Kadner. Und die Warnemünderin, wohnhaft am Leuchtturm, hat schon so einiges erlebt und gesehen. Ein XXL-Tieflader der Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Preßnitztalbahn mbH – der Spezialist für derlei Transporte – hat die Überführung vom Bahnhof Bad Doberan nach Warnemünde vorgenommen. Es handelt sich übrigens um dasselbe Modell, das schon im September 2019 auf der Insel Borkum zu bestaunen war.

Am 12. Mai wurde die Idee, eine Molli-Lok für Werbezwecke nach Warnemünde zu holen, geboren: „Senator Holger Matthäus fragte bei uns an, ob wir beim Brückenfest was machen wollen“, erinnert sich Michael Mißlitz. Es folgten vier Monate Schwerstarbeit, denn eine 32-Tonnen-Lok lässt sich nun mal nicht so einfach transportieren. Dem Senator ist er zu großem Dank verpflichtet: „Er räumte alle Unwägbarkeiten aus dem Weg und hat letztlich auch den Vertrag unterzeichnet“, hebt der Geschäftsführer hervor.

Dass die 136 Jahre alte Lady jetzt die Gelegenheit bekommt, sich in Warnemünde zu präsentieren, freut auch Sebastian Constien, Landrat für den Landkreis Rostock, der auch Mitgesellschafter ist. „Wir wollen Einheimischen wie Gästen zeigen, was im Landkreis alles so möglich ist“, wirbt der Kommunalpolitiker. Bis zu 600.000 Fahrgäste habe der Molli pro Jahr und ihm liege am Herzen, das Potenzial noch auszureizen. Und Potenzial hat die mit 40 km/h Höchstgeschwindigkeit, schnellste Dampfeisenbahn Deutschlands allemal: Unterwegs an 365 Tagen im Jahr mit einer Pünktlichkeit von 98 Prozent – der Traum aller Bahnfahrer.

Als neues Zeichen der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis Rostock wertet Holger Matthäus den Molli-Besuch in Warnemünde. „Diese Bilder gehen um die Welt“, freut sich der Senator. Er wirbt gleichzeitig für einen Ausbau der Strecke zwischen Rerik im Westen und Warnemünde im Osten, quasi als Bäderexpress: „Ich denke da an einen Triebwagen, angetrieben mit grünem Strom aus Wasserstoff in den nächsten zehn bis 15 Jahren. Nur gelegentlich dann der ‚echte‘ Molli als Traditionsbahn“, sagt der Grünen-Politiker. Alle Seebäder hätten gravierende Verkehrsprobleme und es sei jetzt an der Zeit, zu planen. Der Ausbau wäre ein wichtiges Signal für die Verkehrswende von der Straße auf die Schiene. Eine Machbarkeitsstudie kam zu positiven Ergebnissen, weshalb man die Gespräche jetzt nur nicht abreißen lassen sollte.

Im Jahr 1886 wurde die Bahnstrecke zwischen Bad Doberan und Heiligendamm zur Beförderung von Badegästen eröffnet, bevor sie 1910 bis Arendsee, dem heutigen Kühlungsborn West, verlängert wurde. Dank großzügiger Unterstützung der Landesregierung konnte 2009 mit der Lok 992324-4 die erste Neubaulok Deutschlands nach 50 Jahren in Betrieb genommen werden. Neue große Herausforderung ist die Energie-/ Antriebswende.







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