Eigeninitiative lohnt: "Nemo Truck" säubert den Strand

Strandbewirtschafter Matthias Treichel (l.) stellt Umweltsenator Holger Matthäus seine hauseigene Reinigungsmaschine vor. Strandbewirtschafter Matthias Treichel (l.) stellt Umweltsenator Holger Matthäus seine hauseigene Reinigungsmaschine vor. (2 weitere Bilder)02. Juli 2019

Den Strand von Warnemünde in einen noch hochwertigeren, weil saubereren, Zustand zu versetzen, ist der nicht ganz uneigennützige Denkansatz des rührigen Unternehmers Matthias Treichel von der gleichnamigen Strandoase. Seit fast 20 Jahren bewirtschaftet er den Strandabschnitt zwischen den Aufgängen 4 und 5 von Warnemünde. Und dass der Unternehmer es auch wirklich ernst damit meint, zeigte er beim heutigen Vororttermin, den er zur Vorstellung seiner neuen Strandreinigungsmaschine nutzte.

Schon Ende April präsentierte Treichel eine erste eigene kleine Reinigungsmaschine, stellte aber schon in der „Probezeit“ fest, dass diese nicht effektiv genug sei. Etwas pfiffiges Neues musste her. Mit dem innovativen Kettenfahrzeug „Nemo Truck“ – produziert im italienischen Rimini – scheint die Ideallösung gefunden: Ein 21PS starker Motor bewegt das Reinigungsgefährt flink und ausgesprochen wendig zwischen den Strandkörben hin und her. Kinderleicht erscheint auch die Steuerung mit zwei Joysticks für den Fahrer. Alle verwendeten Schmierstoffe sind selbstredend biologisch abbaubar und ein Servicevertrag mit dem Hersteller sichert Wartungsintervalle und Ersatzteillieferungen ab. Eine Investition von 21.800 Euro zuzüglich Arbeitsleistung seiner Mitarbeiter lässt Matthias Treichel sich „seinen“ sauberen Strandabschnitt kosten.

Bei der Reinigungsfahrt wird eine etwa fünf bis zehn Zentimeter starke Sandschicht in das Rüttelrost geschoben, dort durchgesiebt und alles was hängenbleibt in den Sammelkorb geworfen. „An stark frequentierten Strandtagen wird die Maschine bei uns täglich im Einsatz sein“, kündigt Matthias Treichel an und sein Engagement wird belohnt, denn die meisten Urlaubsgäste wissen einen sauberen Strand durchaus zu schätzen. „Vor allem Zigarettenkippen und Plastikteile, aber auch Kronkorken, Geldstücke und sogar Fingerringe finden wir im Auffangkorb“, so der Warnemünder. Verteilt man die aufgefangenen Steine einfach wieder am Strand, so müssen die Müllteile in Handarbeit sortiert und der Stadtentsorgung zugeführt werden.

Matthias Treichel ist überzeugt: Um das Müllaufkommen am Strand dauerhaft zu verringern ist die regelmäßige Strandreinigung zwingend notwendig. Wünschenswert wäre, wenn die anderen Strandbewirtschafter nachziehen. „Denkbar sind auch gemeinschaftliche Investitionen“ schlägt der Ortsbeiratsvorsitzende, Alexander Prechtel, vor. Dieser Einsatz könnte dann bei der Vergabe von Sondernutzungen durch die Tourismuszentrale honoriert werden. „Ziel muss nicht sein, immer mehr Gäste nach Warnemünde zu holen, sondern die vorhandenen zu halten und dafür muss man eben auch in die Sauberkeit am Strand investieren “, ist Prechtel sicher. Auch Umweltsenator Holger Matthäus begrüßt den Einsatz Treichels ausdrücklich: „Die Strandreinigung kann nicht allein durch die Kommune gestemmt, sondern muss auch auf die Schultern der vor Ort tätigen Unternehmen verteilt werden.“

Strandunternehmer Treichel weiß, dass Umweltschutz und Müllvermeidung in den Köpfen der Strandbewirtschafter beginnt. Der Großhandel sei mittlerweile darauf eingestellt. In seinem Pavillon geht er mit gutem Beispiel voran und hat sein Angebot auf Mehrweggeschirr, kompostierbares Einweggeschirr für außer Haus Gäste und Trinkhalme aus Pappe umgestellt. Auch gibt es erste Planspiele zu Pfandsystemen. Das Verhältnis der Strandgäste zu ihrem Müll ist ihm mitunter jedoch suspekt: „Anstatt dass sie ihren Unrat einfach wieder mit nach Hause zu nehmen, wird er im besten Fall in die oft überfüllten Müllbehälter gestopft oft einfach auch liegengelassen.“ Zum Tagesgeschäft seines hauseigenen Sicherheitsdienstes gehört deshalb auch das tägliche Hinterherräumen. Ein Umdenken ist deshalb bei jedem einzelnen Strandbesucher unbedingt erforderlich.



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