Diedrichshagen: Igelschützer fordern Nachtverbot für Mähroboter

Insbesondere der Igel-Nachwuchs  wird beim ersten Spaziergang mit acht Wochen die Begegnung mit einem Mähroboter nicht überleben.Insbesondere der Igel-Nachwuchs wird beim ersten Spaziergang mit acht Wochen die Begegnung mit einem Mähroboter nicht überleben.11. Februar 2019

Das Frühjahr naht und damit beginnt in den heimischen Gärten auch wieder die Mähsaison. Der eine oder andere Mähroboter, als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum drapiert, steht bereits in den Startlöchern für den ersten Einsatz. Doch sind auch die Folgen bei dessen Nachteinsätzen bekannt?

Die Igelauffangstationen sind bereits in Alarmbereitschaft, da die Hersteller und Fachmärkte einen wichtigen Bestandteil beim Verkaufsgespräch und in den Gebrauchsanweisungen vergessen haben: „Es findet jetzt schon tagsüber ein unbeabsichtigtes und oft nicht einmal bemerktes Abschlachten unserer Igelbestände durch Rasentrimmer und Tellersensen in Garten-, Park- und Wohnanlagen statt. Der Mähroboter wird im Nachtbetrieb zusätzlich die Jungtiere töten und auch größere Igel schwer verletzen“, warnt Michaela Kleinsorge von der Igelhilfe in Diedrichshagen, Trägerin des Umweltpreises 2018 der Hanse- und Universitätsstadt Rostock.

„Spätestens, wenn die Preise nachgeben und die Verkaufszahlen steigen, werden unsere Igelbestände dramatisch einbrechen“, ergänzt Heidi French aus Groß Potrems, die mit ihrer Igelhilfe-MV kürzlich ihr 25 jähriges Jubiläum feierte. Beide Artenschützerinnen fordern wenigstens ein kommunales Nachtverbot von 17.00 bis 7.00 Uhr, da gerade von Ende Juli bis Ende Oktober der nur 100 bis 500 Gramm leichte Igelnachwuchs stark gefährdet ist. „Ein Nachtverbot wäre für Hersteller und Nutzer unerheblich. Es ginge lediglich darum, die damit verbundenen Gefahren für den Artenschutz von Anfang an auf einfache Art und Weise systematisch auszuschalten, da einige Ansprechpartner nach Gesprächen völlig beratungsresistent waren“, ergänzt Kleinsorge.

Ihr bricht bereits die wichtigste Auswilderungsstelle weg, weil dort seit dem Sommer 2018 ein Mähroboter nachts sein Unwesen treibt: „Soll ich dort Igel auswildern, welche ich mit großer Mühe über den Berg gebracht habe und die dann sofort in die nächste Falle laufen?“ Neben Tod und Leid wäre auch die Nahrungsgrundlage für die naturgeschützten Igel gefährdet. Sie ernähren sich vorwiegend von nachtaktiven Insekten auf Rasenflächen. „Leider ist es so, dass sich die Hersteller und Käufer der Mähroboter über diesen Hintergrund der Tierquälerei, die zusätzlich unsere Arbeit gefährdet, vorab keine Gedanken gemacht haben und dringend über die Medien informiert werden sollten“, sagt Heidi French.

Beide Tierschützerinnen schließen einen Verkaufsschlager nicht aus, der vorwiegend Senioren, Doppelverdienern und Grundstücksbesitzern ab 500 Quadratmetern Erleichterung bei der Gartenarbeit verschaffen soll. Allerdings ist der Nachtbetrieb sinnlos: „Wir haben die letzten Jahrhunderte nachts nicht gemäht und müssen damit nicht anfangen, wo bereits bundesweit ein allgemeines Artensterben eingesetzt hat“, betonen beide.

Die Rostocker Ortsgruppe vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. hat bereits Unterstützung zugesagt und es wird ein Termin beim Umweltministerium in Schwerin angestrebt. Außerdem wurde zum Thema eine Online-Petition gestartet: https://www.openpetition.de/petition/online/igelschutz-nachtverbot-fuer-maehroboter



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19.02.2019 um 21:22 Uhr
Elisabeth Weiss: Vielen Dank für die Bekanntmachung!
11.02.2019 um 17:18 Uhr
Michaela Kleinsorge: Vielen Dank für die Veröffentlichung! Leider hinkt Mecklenburgvorpommern bei der Petition wieder hinter her.Ob es daran liegt,dass es hier noch genug Igel gibt? Das könnte sich allerdings schnell ändern,wenn weiterhin Kleingärten im Winter ohne Berücksichtigung des Artenschutzes abgerissen werden und alle Winterschläfer auf dem Bauschutt landen,wie neulich in der Südstadt. Ich hatte in 2018 mehr Notfälle als Beteiligung bei dieser dringenden Petition,die nicht nur Igel,sondern auch andere nachtaktive Tiere zerschreddert.Die Folgen sieht man auf meiner Internetseite. Wo sind also unsere Naturschutzverbände? Bitte mitmachen!