Bäumen eine Stimme geben – Warnemünder Mühlenstraße soll Naturdenkmal werden


28. Januar 2026

Bäume leben still und leise – die meisten länger als ein Mensch. Sie schreien nicht, jammern nicht, wenn es ihnen mal nicht so gut geht, sie wachsen lautlos vor sich hin. Jeder ein Meisterwerk der Natur. Bäume können Photosynthese, holen ihre Energie aus dem Licht der Sonne, sie binden Kohlendioxid (CO²), speichern Kohlenstoff (C), produzieren Sauerstoff (O²), spenden im Sommer Schatten und kühlen durch Verdunstung von Wasser die Luft an heißen Tagen. Schon von alters her dienen Bäume Menschen als Kraft- und Energiequelle – nicht nur im Wald. Die Erkenntnis, wie wichtig und schützenswert vor allem auch Stadtbäume für uns Menschen sind, setzt sich immer mehr durch.

Suche nach neuem Naturdenkmal in Warnemünde

Nachdem Anfang dieses Jahres mit der mächtigen Rotbuche auf der Mittelmole am südlichen Alten Strom ein ehemaliges Naturdenkmal gefällt wurde, ist das Rostocker Amt für Stadtgrün auf der Suche nach einem neuen Naturdenkmal in Warnemünde. Dieses Anliegen, mit Vorschlag einer Stieleiche im Stephan-Jantzen-Park, erreichte auch die Bürgerinitiative Rettet den Küstenwald! (BI) auf der letzten Sitzung des Ortsbeirates Warnemünde/ Diedrichshagen (OBR) Mitte Januar. Während sich der OBR für die Stieleiche als Ersatz positionierte, hatte die BI bereits in einer ersten Stellungnahme spontan weitere Ideen. In Warnemünde gebe es verschiedenste wunderbare Bäume, die denkmalwürdig und besonders schutzbedürftig sind, darunter eine Trauerweide am Fährterminal, sowie eine Hude-Eiche und eine Hude-Buche am Wanderweg gleich hinter der Düne.

Kopflindenallee in der Mühlenstraße soll Naturdenkmal werden

Geht es nach dem jüngsten Vorschlag der BI, dann könnte auch die rund 150 Jahre alte Kopflindenallee in der Mühlenstraße bald als Naturdenkmal ausgewiesen werden. „Laut Paragraph 28 des Bundesnaturschutzgesetzes können nicht nur Einzelbäume sondern auch Flächen bis zu einer Größe von fünf Hektar als Naturdenkmal ausgewiesen werden, wenn sie die erforderlichen Bedingungen erfüllen, also ihr besonderer Schutz erforderlich ist, unter anderem aus naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit. Das alles sehen wir bei dieser Allee gezogener Kopflinden in der Mühlenstraße als gegeben und haben deshalb jetzt die Ausweisung als Naturdenkmal bei der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde beantragt“ erläutert BI Sprecherin Annette Boog.

Zusätzlicher Schutz der Kopflinden erforderlich

„Es ist höchste Zeit, diese einmalige alte Kopflindenallee zusätzlich zum bestehenden Schutz zu schützen, indem sie als Naturdenkmal ausgewiesen wird“ so Boog weiter. Das sei erforderlich, um den dauerhaften Erhalt zu sichern. Denn gefährdet sei dieses Naturensemble zweifellos – nicht so sehr durch den Klimawandel, vielmehr u.a. durch Bestrebungen der städtischen Ämter, eine Grundsanierung der Warnemünder Mühlenstraße unter Beseitigung der Bäume durchzuführen. Bereits im Jahr 2010 hatte die Hanse- und Universitätsstadt Rostock einen Versuch dazu unternommen. Nur durch einen Aufschrei vieler Rostocker, Warnemünder Einwohner, Gäste des Ostseebades und verschiedener Naturschutzverbände konnte die Abholzung der Bäume damals verhindert werden. Mehr als 8.000 Unterschriften zum Bürgerbegehren „Kopflinden erhalten“ kamen vor gut 15 Jahren in kurzer Zeit zusammen.

Warnemünder Kopflindenallee mit Geschichte

Diese Allee hat schon eine lange Geschichte. Angelegt um 1880 bis 1890 führt sie in Ost-West-Ausrichtung genau zum Hauptportal der Kirche, liegt somit im Zentrum von Warnemünde und prägt seit nunmehr 150 Jahren das Bild und das Leben in der Mühlenstraße mit ihren vielen kleinen Läden, Geschäften, Restaurants und Cafés. Über Generationen hinweg haben sich Menschen um diese besonderen Linden gekümmert, sie gepflegt, regelmäßig aller zwei bis drei Jahre die Triebe an den Köpfen zurückgeschnitten, sie so erhalten. Aktuell säumen noch 62 Kopflinden die Mühlenstraße, für 30 von ihnen hat das städtische Grünamt bereits Baumpaten gefunden, die BI hat für diese Allee schon vor Jahren eine Alleenpatenschaft beim BUND abgeschlossen. Die Bäume wachsen in der kargen sandigen Warnemünder Erde, sind deswegen besonders widerstandsfähig, haben zwei Weltkriege, die Wendezeit und mehrere Dürrejahre überlebt. Sie sind gesund und vital, die Triebe aus ihren Köpfen wachsen etwa einen Meter jedes Jahr. In der warmen Jahreszeit tummeln sich Gäste der Außengastronomie gern in ihrem Schatten.

Bäumen eine Stimme geben

Kopflindenalleen sind auch im Alleenland Mecklenburg-Vorpommern und in ganz Deutschland nur noch selten. Die Warnemünder Kopflindenallee hat schon Generationen von Menschen überlebt und kann durchaus noch weitere überstehen. Sie nun als Naturdenkmal ausweisen zu lassen, ist der Versuch, ihren altehrwürdigen Bäumen eine Stimme zu geben.

RikeM


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lima - 29.01.2026 um 10:49 Uhr
Ich stimme dem Kommentar voll und ganz zu !
Urlauber sprechen , die Mühlenstrasse betreffend , vom Hinterhof Warnemündes .
Eine Sanierung ist mit dem Erhalt aller Bäume sicher möglich . Auch die Häuserfassaden sehen nicht gerade einladend aus.
Viele Läden geben auf .
Peter - 28.01.2026 um 14:55 Uhr
Wird die kaputte Mühlenstraße dann endlich saniert und Umgestaltet ??? Für ein Ostseebad ist das langsam ein Schandfleck !
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