Aktion Müllsammeln am Strand

Etwa ein Dutzend freiwilliger Helfer ließen sich durch Sturm und Regen nicht abhalten und sammelten am Sonnabend anlässlich des Internationalen Küstenputztags Müll am Strand von Warnemünde.Etwa ein Dutzend freiwilliger Helfer ließen sich durch Sturm und Regen nicht abhalten und sammelten am Sonnabend anlässlich des Internationalen Küstenputztags Müll am Strand von Warnemünde.19. September 2022

Es schüttet wie aus Eimern an diesem Morgen – der langersehnte Regen nach dem wieder heißen und trockenen Sommer. In einer Stunde wollen sich Freiwillige in Warnemünde zum Müllsammeln am Strand treffen. Es ist der internationale „Coastal Cleanup Day“ (Küstensäuberungstag) – ein weltweiter Aktionstag, immer am dritten Sonnabend im September. In Warnemünde hat der Verein EUCC-D „Die Küsten Union Deutschland e.V.“ eingeladen. Zwei Treffpunkte sind vereinbart, einer am Warnemünder Leuchtturm, der andere an der Jugendherberge.

„Schön, dass ihr da seid, wir hatten schon Angst, dass wegen des Wetters keiner außer uns kommt“ begrüßen die Organisatoren kurz vor 10 Uhr die ersten freiwilligen Müllsammler an der Jugendherberge. Regina und Leon ziehen sich gerade die blauen Westen mit dem Logo „EUCC-D“  über. Beide sind 18 Jahre jung, haben kürzlich ihre Schule abgeschlossen und ihr freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) beim Verein begonnen.

„Ich wollte etwas mit Biologie und dem Meer machen und natürlich etwas lernen. Es ist mein Orientierungsjahr, um anschließend in Richtung Meeresbiologie zu studieren“ erklärt Regina aus dem Ruhrgebiet ihre Motivation. Leon ist hier an der Ostsee zu Hause und ergänzt: „Ich möchte auch unbedingt etwas mit Natur machen – sie zu schützen und Zusammenhänge zu erkennen, ist mir wichtig. Dies wird mein praktisches Jahr, danach studiere ich vielleicht Forstwirtschaft.“

Erst seit gut 14 Tagen sind sie dabei, es ist ihre erste Aktion zur Küstensäuberung. Am Leuchtturm, dem anderen vereinbarten Treffpunkt, meldet sich heute niemand. Eigentlich sollten zwei Gruppen am Strand aufeinander zu sammeln – daraus wird nun nichts. Aber an der Jugendherberge trudeln doch noch ein paar Frauen, Männer und Kinder ein, alle wetterfest gekleidet und gut gelaunt. Regina und Leon verteilen die mitgebrachten Eimer – und los geht´s.

Gut ein Dutzend Freiwillige sind keine zwei Minuten später am Ufer der Ostsee – der Regen macht pünktlich eine Pause. Auf den ersten Blick sieht der Strand gut aus, wie das eben so typisch ist nach einer stürmischen Nacht – angespültes Seegras, dazu ein paar Algen und Muscheln. Der feine Sand weggeweht Richtung Dünen, die Steine sind liegen geblieben, glänzen noch ganz feucht. Allerdings – ein zweiter Blick lohnt sich. „Wir suchen heute vor allem Mikroplastik, also alle kleinen Teile, die nicht natürlich hierher gehören. Mikroplastik ist sehr schädlich, es gelangt ins Meer, wird weiter zersetzt und kommt so in die Nahrungskette“ ermuntert Leon zum genaueren Hinsehen. Promt landen die ersten Zigarettenkippen in seinem Sammeleimer, sie gehören auch dazu.

Gleichmäßig verteilen sich alle Helfer über die gesamte Breite des Strandes, scannen mit den Augen jeden Quadratmeter. Alles, was nicht natürlichen Ursprungs ist, wandert nach und nach in die Sammelgefäße – rote, gelbe, grüne, weiße, blaue, graue oder schwarze Plasteteilchen unterschiedlichster Form, buntes Bonbonpapier, Kronkorken, andere Verpackungsreste, Kunststoffschnüre usw. – und jede Menge Kippen.

„Sicher, was wir hier in unserer Freizeit tun, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber als Familie machen wir das gerne, weil wir es auch wichtig finden für unsere Kinder“ sagt eine Müllsammlerin. Eine andere wird von Strandspaziergängern angesprochen: „Was machen sie hier, sammeln sie Geld?“ Verblüfft fragt sie zurück: „Im Eimer?“ Nein, soviel Geld liegt ganz sicher nicht hier am Strand – und selbst wenn, die Natur ist wertvoller. Sie ist unsere Lebensgrundlage, wir sind ein Teil von ihr und es gibt einfach ein gutes Gefühl ein klein wenig zum Meeresschutz beizutragen.

Gleichzeitig hat diese Küstensäuberungsaktion auch einen Fitnesseffekt – knapp zwei Stunden Bewegung an der frischen Seeluft, dabei im Schnitt alle 30 Sekunden eine „Kniebeuge“, um Unrat aufzusammeln. Die meisten Kniebeugen machen die Freiwilligen wieder für unachtsam in den Sand gesteckte oder geworfene Zigarettenkippen. Zusätzlich finden sie diesmal auffallend viele kleine rote dünne Plastikstäbchen, vor allem in der Nähe der Strandaufgänge. „Was ist das?“ überlegen sie gemeinsam. Offenbar verlieren die Besen zum täglichen Fegen der Strandübergänge im Laufe des Sommers ihre Borsten. Das wollen sie künftig genauer untersuchen.

Etwa zwei Kilometer weit, bis zum Strandübergang 13, in Höhe des Hotel Neptun, arbeiten sich die freiwilligen Sammler vor. Am Ende wird der aufgesammelte Müll zusammengekippt ­und gewogen – gut 7,5 Kilogramm, bestehend aus hunderten kleiner leichter Plastikteilchen. „Um das Gesamtgewicht geht es gar nicht so sehr, vielmehr zählt wirklich jedes Teil, das nun nicht mehr hier am Strand rumliegt“ resümieren Regina und Leon, die beiden FÖJler beim Verein EUCC-D mit Sitz in Warnemünde. Sie bedanken sich bei allen, die an diesem Sonnabend geholfen haben. Ihre nächste Aktion wollen sie nicht nur digital bei Facebook und Instagram bewerben, sondern zusätzlich auch analog, um noch mehr Menschen zum Mitmachen zu bewegen.

RikeM







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