Warnemünder Wintervergnügen 2026: Extremwetter prägt Veranstaltung an der Ostsee


09. Februar 2026

Das 14. Warnemünder Wintervergnügen wird vielen Beteiligten und Gästen vor allem wegen eines Faktors in Erinnerung bleiben: Extremwetter. Von Dauerfrost und eisigem Ostwind bis hin zu spiegelglatten Wegen – die diesjährige Ausgabe verlangte Veranstaltern, Händlern, Akteuren und Besuchern gleichermaßen einiges ab.

Eisiger Auftakt mit „Baltischem Isegrim“

Bereits zum ersten Veranstaltungswochenende zeigte sich der Winter von seiner rauesten Seite. Ein eisigkalter Ostwind fegte über die Küste – so heftig, dass selbst die hartgesottenen Rostocker Seehunde ihren theoretischen Input beim Workshop „Eisbaden nach der Wim-Hof-Methode“ im Hotel Neptun einholten. Der zertifizierte Atem- und Kältetrainer Daniel Ruppert vermittelte dort die Grundlagen zu Atmung, Kälteanpassung und mentaler Vorbereitung, bevor es für die Teilnehmer tatsächlich in die eiskalten Fluten ging.

Auf dem Veranstaltungsgelände rund um den Leuchtturm blieb es dagegen zunächst ruhig. Der ruppige Wind hielt die Gäste fern. Als der „Baltische Isegrim“ weiter an Stärke zunahm, musste das Marktdorf am Montag und Dienstag sogar komplett geschlossen bleiben. Nur wenige Menschen wagten sich überhaupt vor die Tür. Auch im weiteren Wochenverlauf blieb das Wetter schwierig – eine echte Entspannung der Lage blieb leider aus.

Winterferien bringen mehr Besucher – aber neue Wetterprobleme

Mit Beginn der Winterferien in Mecklenburg-Vorpommern zum zweiten Veranstaltungswochenende stiegen die Besucherzahlen spürbar an. Doch auch hier spielte das Wetter erneut eine entscheidende Rolle.

Regen in der Nacht auf Sonnabend traf auf tief durchgefrorenen Boden und verwandelte Straßen, Wege und das Veranstaltungsareal am Leuchtturm in spiegelglatte Flächen. Das Gelände war kaum begehbar – und kurzfristige Abhilfe von offizieller Seite blieb aus.

Umso bemerkenswerter war die Eigeninitiative vor Ort: Manfred und Patrick Schumann von der Schumann Event & Catering GmbH, Betreiber eines Getränkestandes am Leuchtturm, streuten kurzerhand selbst Spielsand auf die gefährlichen Flächen. Heiko Lange von der Agentur Highlights Event Management MV, verantwortlich für das Marktgeschehen, hatte diesen zuvor ebenfalls eigenständig im Baumarkt organisiert. Ein Beispiel für pragmatisches Handeln in schwierigen Situationen.

Eisbadefasching mit vielen Zuschauern – aber weniger Aktiven

Der traditionelle Eisbadefasching am zweiten Veranstaltungs-Sonnabend lockte zahlreiche Schaulustige an die Küste. Die Zahl der aktiven Winterbader blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück.

Der Vorsitzende des Vereins Rostocker Seehunde, Dietmar Marquardt, nennt dafür mehrere Gründe: Neben den extremen Wetterbedingungen mit vereisten Gehwegen, die eine sichere Anreise kaum möglich machten, gab es konkurrierende Parallelveranstaltungen – etwa in Trassenheide auf Usedom sowie einen geplanten Eisbade-Weltrekordversuch im polnischen Mielno mit erwarteten 10.000 Teilnehmern.

Für die Zukunft kündigte Marquardt Veränderungen an: „Ideen liegen schon vor und wir sind bereits mit der Tourismuszentrale im Gespräch.“ Zugleich verwies er auf kommende Termine für Eisbade-Interessierte: den 2. Likedeeler Cup im Winterschwimmen am 21. März sowie das gemeinsame Abbaden mit Neptuntaufe am 25. und 26. April. Weitere Informationen sind online unter www.rostocker-seehunde.de zu finden.

Eiskunst als Publikumsmagnet: Live-Schnitzen sorgt trotz Kälte für dichte Besucherränge am Leuchtturm

Am Nachmittag desselben Tages verwandelte sich das Veranstaltungsgelände in eine eisige Freiluftwerkstatt der besonderen Art. Beim Eisskulpturen-Schnitzen ließ der ungarische Künstler Zsolt M. Toth vor den Augen zahlreicher Schaulustiger aus einem massiven, glasklaren Eisblock ein Feuerpferd entstehen. Mit Kettensäge und Feinarbeit-Werkzeugen formte er Schritt für Schritt Konturen und Details heraus. Das Live-Schnitzen entwickelte sich so zu einem der publikumsstärksten Programmpunkte am zweiten Veranstaltungs-Sonnabend.

Verlängerung für Markttreibende – Umsatz dennoch stark eingebrochen

Angesichts der schwierigen Wetterlage dürfen die Markttreibenden auf der Seepromenade ihre Standzeiten um eine Woche verlängern. „Wir sind der Tourismuszentrale und der Stadtverwaltung für diese unkomplizierte Lösung sehr dankbar“, sagt Manfred Schumann.

Der wirtschaftliche Schaden für die Händler sei dennoch deutlich spürbar. Laut Schumann lag der Umsatz bei nur etwa 30 Prozent der Vorjahreswerte.

Wünsche und Perspektiven für das 15. Wintervergnügen

Für die Planung der kommenden Ausgabe äußerten Markthändler und Gäste klare Wünsche. Besonders häufig genannt wurde die terminliche Einbindung der Winterferien in Mecklenburg-Vorpommern. Das zweite Wochenende habe gezeigt, wie viele Tagesgäste dann zusätzlich nach Warnemünde kommen.

Auch aus Gästesicht gab es Verbesserungsvorschläge. Ein Veranstaltungszelt – wie es vor der Pandemie üblich war – würde bei Extremwetter deutlich mehr Planungssicherheit bieten. „Open-Air-Veranstaltungen sind immer wetterabhängig und für das Wetter kann auch keiner was, aber ein Zelt wäre angenehm gewesen“, sagt Ingelore Neumann aus Brandenburg, die mit ihren Enkelkindern angereist war.

Kritik gab es zudem am Umfang des Wochenprogramms. Aus Gästesicht war es insgesamt zu „dünn“.

Musik trotzt der Kälte

Ungetrübte Anerkennung erhielten dagegen die Livemusiker des Wintervergnügens. Besonders Leticia und Leon Zeug wurden von vielen Gästen für ihre Auftritte unter schwierigen Bedingungen gelobt. Trotz eisiger Temperaturen sorgten sie für Stimmung und zeigten, dass Kultur auch bei rauem Ostseewetter funktioniert.

Das 14. Warnemünder Wintervergnügen war kein leichter Jahrgang – aber ein eindrucksvoller Beweis für Engagement und Durchhaltevermögen. Zwischen Sturm, Eis und Frost zeigte sich einmal mehr: Warnemünde kann Winter. Und blickt bereits nach vorn.


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