Warnemünder Anlage hofft auf Medaille im Wettbewerb „Gärten im Städtebau“


25. Juni 2026

Für die Warnemünder Kleingartenanlage Am Moor war der Dienstag ein großer und zugleich besonderer Tag. Weil die Anlage 2025 Sieger im Landeswettbewerb geworden ist, hat sie sich für die Teilnahme am Bundeswettbewerb unter dem Motto „Gärten im Städtebau“ qualifiziert. In diesem Zusammenhang besucht eine Fachjury alle 19 qualifizierten Anlagen. Dabei bewertet sie Kriterien wie Umwelt- und Naturschutzprojekte, ökologische Strategien und Maßnahmen, bürgerschaftliches Engagement, Gestaltung und Nutzung der Einzelgärten sowie die Qualität und Kreativität der Präsentation der Vereine und Anlagen bei der Besichtigung.

Auf den Besuch der Rostocker Anlage Weiße Rose Südring folgte die Besichtigung der Warnemünder Anlage Am Moor im Wiesenweg. Thomas Kleinworth, Leiter der Jury, zeigte sich angetan davon, mit welcher Liebe der Verein den Gerhard-Lau-Saal im Vereinsheim mit Blumensträußen dekoriert hatte. „Ich hatte bei dieser besonderen Dekoration schon Angst bekommen, dass ich vielleicht Ja sagen soll“, scherzte Kleinworth.

Vereinsvorsitzender Axel Hinz informierte bei der Begrüßung der Jury-Mitglieder sowie der Vertreter des Amtes für Stadtgrün, des Ortsbeirates, des Lions Clubs und weiterer Gäste darüber, dass man in den kommenden zwei Stunden die Entwicklung und Besonderheiten der Anlage vorstellen wolle. Dabei versäumte er es nicht, Heike Anna Hildebrand öffentlich zu danken. Sie verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins und hat die Vorbereitung der Wettbewerbe maßgeblich begleitet. „Heike ist leider krank geworden und konnte heute nicht kommen, aber sie macht einen richtig guten Job“, betonte Axel Hinz.

Zum Auftakt des Rundgangs gehörte eine Stippvisite im Schulgarten mit Sozialarbeiterin Susann Schubert. Gemeinsam mit Kindern der Klasse 3a der Grundschule „Heinrich Heine“ gab sie Einblicke in die vielfältige Arbeit des Projektes. Für die Juroren hatten die Kinder ein Quiz vorbereitet. Außerdem bastelten sie Anhängerketten, die mit selbst hergestelltem Kräutersalz befüllt waren. Anschließend führte der Weg zum Apfellehrpfad, auf dem zahlreiche, teils alte Sorten wachsen. Informationstafeln vermitteln Wissenswertes über die Bäume, und Besucher dürfen sich bei ihren Spaziergängen gern an den Früchten bedienen.

Bei den Besuchen in den Gärten der Vereinsmitglieder gab es unter anderem einen Blick in den Garten von Dirk Hollmann, der mit seiner beeindruckenden Fülle, Artenvielfalt und Blütenpracht ein wahres Paradies für Bienen und andere Insekten ist. Auch Jury-Mitglied Carolin Entwert machte dort zahlreiche Fotos. „Wir Juroren fertigen nach vorgegebenen Kriterien Aufzeichnungen an, damit wir am Ende alle Notizen der richtigen Anlage zuordnen können. Wir besuchen schließlich viele Anlagen“, erklärte sie.

Zum Programm gehörte ebenfalls ein Besuch beim benachbarten Warnemünder Rassekaninchen-Zuchtverein M59. „Bei Veranstaltungen und anderen Ereignissen kooperieren wir regelmäßig miteinander“, betonte Axel Hinz. Ganz in der Nähe befindet sich zudem eine Station, an der Mitglieder Werkzeuge, Maschinen und Bierzeltgarnituren ausleihen können. Wegen der sommerlichen Hitze betreuten Sylvia Schröter und Elke Schönemann eine Getränkestation, an der mit Früchten aromatisiertes Wasser angeboten wurde.

Dort saß auch Paul Hildebrand im Schatten großer Bäume. Der 37-Jährige hatte einen zeitgeschichtlichen Schatz von besonderem Seltenheitswert dabei. „Hier sind die kompletten Unterlagen zu unserem Garten“, erzählte der junge Kleingärtner. Das älteste Dokument stammt aus dem Jahr 1931 und ist der Pachtvertrag seines Urgroßvaters Franz Allwart. Heute bewirtschaftet er die Parzelle gemeinsam mit seiner Großmutter Edelgard Allwart und seiner Mutter Heike Anna Hildebrand.

Der weitere Weg führte vorbei an einem Insektenhotel und einer Informationstafel über verschiedene Bienenarten. Immer wieder ergaben sich dabei kurze Gespräche über den Gartenzaun mit Kleingärtnern der Anlage. Im nächsten Weg wurde ein Imkergarten vorgestellt. „Wir haben zwei davon in der Anlage, wollen die Zahl der Bienenvölker aber bewusst überschaubar halten“, sagte Ondra Kitzerow.

Zum Angebot der Kleingartenanlage gehören außerdem Fachvorträge, Vogelstimmenwanderungen und Exkursionen. Besonders geschätzt wird von den Kleingärtnern und vielen Warnemündern der neu ausgebaute Gerhard-Lau-Saal in der Vereinsgaststätte Am Moor. Dort finden regelmäßig öffentliche Lesungen, Konzerte und weitere Veranstaltungen statt. Der Eintritt ist kostenfrei, Spenden zur Deckung der Betriebskosten sind jedoch willkommen.

Ob die Warnemünder Kleingartenanlage Am Moor zu den Preisträgern des Bundeswettbewerbs zählt und welchen Rang sie am Ende belegt, entscheidet sich im November. Dann werden die Platzierungen unter den 19 teilnehmenden Anlagen bekanntgegeben. Die Warnemünder Kleingärtner hoffen natürlich auf eine Medaille und eine möglichst gute Platzierung.

Maria Pistor


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