Warnemünde: Landstromanschluss wirft Fragen auf

Im Jahr 2020 sollen die ersten Schiffe von Aida Cruises im Rostocker Hafen mit Landstrom versorgt werden können. Die Rostocker Reederei wird dazu seine Kreuzfahrtschiffe, die  Warnemünde regelmäßig anlaufen, landstromfähig umbauen.Im Jahr 2020 sollen die ersten Schiffe von Aida Cruises im Rostocker Hafen mit Landstrom versorgt werden können. Die Rostocker Reederei wird dazu seine Kreuzfahrtschiffe, die Warnemünde regelmäßig anlaufen, landstromfähig umbauen.23. November 2018

Auf dem Gelände rund um das alte Werftbecken in Warnemünde will die Stadt Rostock bis 2020 eine Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe errichten lassen. Die Entscheidung wird durch die Warnemünder durchweg begrüßt, verspricht sie durch weniger Emissionen doch mehr Lebensqualität. Erst im September hatten Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling, Aida Cruises Präsident Felix Eichhorn und Rostock Port Geschäftsführer Jens A. Scharner eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Förderung einer umweltfreundlichen und nachhaltigen Kreuzschifffahrt am Standort Rostock unterzeichnet. Ziel der Vereinbarung ist u.a. die Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe in Warnemünde.

Landstrom ist wenig effektiv, gilt aber als Brückentechnologie für die Weiterentwicklung eines nachhaltigen Kreuzfahrttourismus und als ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer emissionsfreien Kreuzfahrt. Die Kosten für den Anschluss beziffert die Stadt Rostock auf zehn Millionen Euro. Marktführer Aida Cruises investiert ebenfalls kräftig und will seine Kreuzfahrtschiffe, die Warnemünde regelmäßig anlaufen, landstromfähig umbauen.

Immer wieder gilt die Stadt Hamburg als Vorreiter in Sachen Landstromanschluss. In Altona ist eine solche Anlage seit Juni 2016 in Betrieb. Medienberichten zufolge wird sie jedoch wenig genutzt. Danach sei Aida Cruises auch in Hamburg die bislang einzige Reederei, die Landstrom abnimmt. An fünf Tagen in den Monaten September und Oktober hätte AIDAsol während ihrer 10 bis 14 stündigen Liegezeit allerdings nur zweieinhalb Stunden lang Strom „gezapft“. Danach kamen wieder die Dieselgeneratoren zum Einsatz. Grund dafür soll das durch die Bundesnetzagentur eingeführte „Hochlastzeitfenster“ sein. Droht Warnemünde dasselbe Szenario?

Hochlastzeitfenster (HLZF) wurden zur Steuerung der maximalen Leistung in Spitzenlastzeiten geschaffen. „Das bedeutet, wer es technologisch möglich machen kann, seine Leistung und somit seinen Stromverbrauch in diesen Zeiten zu reduzieren, kann dafür einen finanziellen Vorteil erhalten“, erklärt Renate Gundlach, Sprecherin im Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung MV.

Die Stadtwerke Rostock bestätigen auf Anfrage diese HLZF auch für die Hanse- und Universitätsstadt. Dem Leitfaden der Bundesnetzagentur folgend werden sie festgelegt und durch die Netzbetreiber regelmäßig veröffentlicht. Wird in einem solchen Zeitfenster massiv Strom zum Beispiel über eine Landstromanlage bezogen, steigen die Netzentgelte für den Betrieb und damit die Stromkosten erheblich an. Setzt der Verbraucher infolgedessen den Bezug von Landstrom aus und versorgt sich per Dieselaggregat selbst, ist die Wirtschaftlichkeit der Anlage gefährdet und die gewünschten Effekte für die Umwelt bleiben aus. Das könne vermieden werden, wenn Gesetzgeber und Politik die Rahmenbedingungen zum Betrieb von Landstromanlagen entsprechend anpassten, positioniert sich dazu der Rostocker Energieversorger.

Das Energieministerium hält dagegen und meint, dass die Netzentgelte im HLZF nicht teurer seien als außerhalb. Sie ließen sich aber reduzieren, wenn man in diesem Zeitfenster seinen Stromverbrauch reduziere. „Dazu muss ein gesonderter Vertrag mit dem Netzbetreiber geschlossen und von der Bundesnetzagentur genehmigt werden. In Hamburg wurde offensichtlich ein derartiger Vertrag geschlossen, der dann durch komplette Abschaltung ‚maximal optimiert‘ wurde – was für Landstrom keinen Sinn macht. Damit dies in Rostock nicht passiert, muss Rostock Port auf die geeignete Ausgestaltung seines Stromliefervertrags achten“, führt die Ministeriumssprecherin aus.

Rostock Port als möglicher künftiger Betreiber der Landstromanlage teilt mit, dass es bislang noch keine Verträge gibt. „Unsere Ingenieure prüfen derzeit lediglich, wie die Abnahme von Landstrom, auch in Hinblick auf den Terminalneubau, an den Liegeplätzen 7 und 8 technisch realisiert werden kann“, sagt Unternehmenssprecher Christian Hardt.

Es besteht also noch viel Klärungsbedarf, aber die Planungen haben ja auch gerade erst begonnen. Fakt ist indes eines: Wenn man für den Landstromanschluss so viel Geld in die Hand nimmt und dieser am Ende nicht genutzt wird, versteht das niemand mehr.

Foto (Archiv): Holger Martens



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