Warmer Dezember, kalter Februar: Extreme Wintertemperaturen in Ostsee und Nordsee


13. März 2026

Der Winter 2025/26 zeigte sich in den europäischen Meeren von seiner wechselhaften Seite. Nach einem außergewöhnlich milden Dezember folgte ein überraschend kalter Februar. Trotz dieser starken Schwankungen lagen die durchschnittlichen Oberflächentemperaturen von Ostsee und Nordsee insgesamt über dem langjährigen Mittel.

Eine Analyse des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) macht deutlich: Kurzfristige Wetterlagen können die Temperaturen der Meere stark beeinflussen – langfristig setzt sich jedoch der Erwärmungstrend durch den Klimawandel fort.

Ostsee: Wärme zu Beginn, Eis zum Ende

Besonders deutlich zeigte sich die winterliche Achterbahn in der Ostsee. Im Wintermittel erreichte sie eine Oberflächentemperatur von 3,3 Grad Celsius – etwa 0,4 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Damit war der Winter der elftwärmste seit Beginn der Messreihe 1996/97.

Der Start in den Winter verlief ungewöhnlich mild: Der Dezember 2025 war mit 6,1 Grad der drittwärmste Dezember seit Beginn der Datenerhebung und lag 1,5 Grad über dem Mittelwert.

Im Januar kühlte sich das Wasser spürbar ab, blieb mit 3 Grad aber noch rund 0,5 Grad über dem Durchschnitt.

Der eigentliche Wintereinbruch folgte erst im Februar. Die Temperaturen sanken auf 0,7 Grad – 0,6 Grad unter dem langjährigen Mittel. Besonders in den südlichen Bereichen und im Übergang zur Nordsee war das Wasser deutlich kälter als üblich. Auch die deutschen Ostseegewässer gehörten zu den Regionen mit unterdurchschnittlichen Temperaturen.

Eiswinter an der deutschen Ostseeküste

Der Temperatursturz machte sich auch sichtbar bemerkbar: Der östliche Teil der deutschen Ostseeküste erlebte den längsten Eiswinter seit 15 Jahren.

Bereits Anfang Januar bildeten sich im Greifswalder Bodden und im Stettiner Haff großflächige Eisfelder, die teilweise bis in den März hinein bestehen blieben. Anhaltende Ostwinde und Frost sorgten zudem für breite Eisbänder vor den Küsten von Usedom und Rügen.

„Das dichte Eis vor Usedom und Rügen hat den Schiffsverkehr stark behindert. Als es sich löste, trieb es auf die offene See. Der gesamte Schiffsverkehr in die Ostsee hinein und heraus musste auf das Eis achten. Solch strenge Eiswinter sind inzwischen selten“, erklärt Jürgen Holfort, Leiter des BSH-Eisdienstes.

Weiter westlich trat Eis vor allem in geschützten Küstenbereichen auf. Im Februar bildeten sich kurzzeitig sogar Eisflächen in den Förden bis Flensburg.

Nordsee: Rekordwärme im Dezember

Auch die Nordsee zeigte deutliche Temperaturschwankungen. Im Wintermittel erreichte sie 7,7 Grad und lag damit 0,3 Grad über dem langjährigen Mittel. Der Winter 2025/26 zählt damit zu den zehn wärmsten seit Beginn der Messreihe 1996/97.

Der Dezember brachte einen neuen Rekord: Mit 9,6 Grad war er der wärmste Dezember seit Beginn der Auswertung. Besonders im Übergangsbereich zur Ostsee lagen die Temperaturen stellenweise bis zu zwei Grad über dem üblichen Niveau.

Im Januar kühlte sich die Nordsee auf 7,5 Grad ab – weiterhin leicht über dem Durchschnitt. Während die nördliche Nordsee überdurchschnittlich warm blieb, war die südliche Region etwas kühler.

Der Februar brachte schließlich eine deutliche Abkühlung: Mit 5,9 Grad lag die Temperatur 0,5 Grad unter dem langjährigen Mittel. Vor der deutschen Küste und rund um Dänemark wurden sogar Abweichungen von bis zu minus zwei Grad gemessen.

Wetterextreme prägen kurzfristige Entwicklungen

Für diese starken Schwankungen war vor allem eine besondere Wetterlage verantwortlich. „Der Winter 2025/2026 verdeutlicht, wie stark das Wetter die Meeresoberflächentemperatur kurzfristig beeinflusst, selbst in Zeiten der langfristigen Klimaerwärmung durch den Menschen“, sagt Tim Kruschke, Leiter des Referats Marine Klimafragen beim BSH.

Von Mitte Januar bis Mitte Februar dominierten Südostwinde, die kalte Luft aus Osteuropa nach Mitteleuropa führten. Diese Wetterlage ließ die Temperaturen in Nord- und Ostsee deutlich sinken.

Klimawandel sorgt langfristig für wärmere Meere

Das BSH überwacht die Oberflächentemperaturen von Nordsee und Ostsee kontinuierlich mithilfe von Satelliten, Messstationen und Schiffsmessungen. Seit 1990 werden satellitengestützte Tagesmittelwerte mit einer Auflösung von etwa 1,5 Kilometern erhoben – eine umfassende Datenreihe, die inzwischen öffentlich zugänglich ist und täglich aktualisiert wird.

Die Auswertung im Rahmen des Basisdienstes „Klima und Wasser“ der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel zeigt einen klaren Trend: Langfristig erwärmen sich Nordsee und Ostsee weiterhin.

Der Winter 2025/26 liefert damit ein typisches Bild der Gegenwart: kurzfristige Wetterextreme – eingebettet in einen langfristigen Klimawandel.

 


| | | |

Kommentieren Sie den Artikel

Name
E-Mail
(wird nicht veröffentlicht)
Kommentar
Sicherheitscode

Ich willige ein, dass DER WARNEMÜNDER die von mir überreichten Informationen und Kontaktdaten dazu verwendet um mit mir anlässlich meiner Kontaktaufnahme in Verbindung zu treten, hierüber zu kommunizieren und meine Anfrage abzuwickeln. Dies gilt insbesondere für die Verwendung der E-Mail-Adresse zum vorgenannten Zweck. Die Datenschutzerklärung kann hier eingesehen werden.*


|