Trotz Klimawandel: Die Ostsee könnte wieder gesunden

Markus Meier vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) leitete das internationale Autorenteam, das Modelle zum zukünftigen Ostsee-Zustand vor dem Hintergrund unterschiedlicher Klimaszenarien verglich.Markus Meier vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) leitete das internationale Autorenteam, das Modelle zum zukünftigen Ostsee-Zustand vor dem Hintergrund unterschiedlicher Klimaszenarien verglich.14. Januar 2019

Das sind gute Nachrichten: Dem Klimawandel zum Trotz könnte die Ostsee zurück in einen guten Zustand gelangen. Zu diesem Ergebnis kam ein internationales Autorenteam um den Warnemünder Ozeanographen Markus Meier im größten Modellvergleich, der jemals für die Ostseeregion durchgeführt wurde. Voraussetzung ist, dass die im Ostsee-Aktionsplan vorgesehenen Maßnahmen zur Reduktion der Nährstoff-Einleitung konsequent umgesetzt werden. Die Forscher widersprachen damit der Ansicht, dass der Klimawandel generell ein Erreichen dieses Zieles unmöglich macht.

Überdüngung zählt zu den größten Umweltproblemen der Ostsee. Sie befördert das Entstehen toxischer Algenblüten und führt zu Sauerstoffmangel-Regionen, in denen kein höheres Leben mehr existieren kann. Der Ostsee-Aktionsplan zielt daher explizit darauf ab, weniger Nährstoffe in die Ostsee einzutragen. Alle Anrainerstaaten haben sich auf dieses Ziel verständigt, nur die Umsetzung verläuft schleppend. In den letzten Jahren mehrten sich die Stimmen, die eine höhere Reduktionsrate forderten, da durch den erwarteten Klimawandel auch eine Verschärfung der Überdüngungsproblematik erwartet wird.

Vor diesem Hintergrund führte ein internationales Team von Modellierern aus Deutschland, Schweden, Finnland, Russland und Portugal eine Analyse von 58 so genannten „Multi Model Ensemble“-Simulationen für die Ostseeregion im 21. Jahrhundert durch. Unter Berücksichtigung von Klimaszenarien, die der Weltklimarat für den fraglichen Zeitraum entwickelte, untersuchten alle Modelle die Auswirkungen einer konsequenten Umsetzung des Aktionsplans.

Noch nie zuvor hatten so viele komplexe Modelle die Entwicklung der Ostsee durchgehend aus der Vergangenheit im Jahr 1960 über die Gegenwart bis in eine Zukunft im Jahr 2100 gerechnet. „Wir finden unter den Ergebnissen solche, die die Referenzwerte der Jahre 1980 bis 2005 gut widerspiegeln“, fasst Markus Meier, Leiter der Sektion Physikalische Ozeanographie und Messtechnik am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), die Resultate zusammen. „Diese Ergebnisse werten wir auch hinsichtlich der Projektionen in die Zukunft als verlässlich.“ Es wird aufgezeigt, dass bei rigoroser Anwendung der im Ostsee-Aktionsplan ausgewiesenen Maßnahmen zur Reduktion von Nährstoffeinträgen auch unter veränderten Klimabedingungen ein guter Zustand für die Ostsee erreicht werden kann. Allerdings wird es einige Dekaden länger dauern, als ursprünglich angestrebt, bis der Erfolg eintritt. Markus Meier lässt keinen Zweifel daran, dass dem Klimawandel nicht mit Halbherzigkeit begegnet werden kann. „Wenn wir die Reduktionsziele nicht konsequent verfolgen, werden die Reaktionen auf den Klimawandel die Überdüngung und alle damit in Verbindung stehenden Umweltprobleme verschärfen.“

Foto: IOW / K. Beck



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