Nordsee und Ostsee haben in diesem Sommer Temperaturen erreicht, die weit über dem langjährigen Mittel liegen. Mit einer durchschnittlichen Oberflächentemperatur von 17,2 Grad Celsius erlebte die Ostsee den siebtwärmsten Sommer seit 1997. Die Daten des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zeigen: Auch vor unserer Haustür machen sich die Folgen des Klimawandels immer stärker bemerkbar.
Besonders betroffen waren die Küsten vor Schweden, Deutschland und Polen sowie der äußerste Norden der Ostsee. Hier stiegen die Temperaturen lokal um 1,5 Grad und mehr über den Durchschnitt. Der Juni war mit fast drei Grad über dem Mittel sogar der drittwärmste seit Messbeginn.
Mit 15,6 Grad im Schnitt verzeichnete die Nordsee den fünftwärmsten Sommer seit 1997. Besonders betroffen waren die südliche Nordsee und der Ärmelkanal, wo die Temperaturen das langjährige Mittel um zwei Grad und mehr überstiegen. In einigen Gebieten wurden sogar neue Höchstwerte seit 1997 gemessen.
Ein Hotspot der Erwärmung war Helgoland. An der Messstation Helgoland-RM registrierte das BSH 66 Tage mit marinen Hitzewellen. Am 1. Juli 2026 lag die Oberflächentemperatur dort fast vier Grad über dem klimatologischen Mittel für diesen Tag. „Besonders die neuen Höchstwerte in der südlichen Nordsee und die mit marinen Hitzewellen vor Helgoland zeigen, dass sich extreme Wärmeereignisse auch in unseren heimischen Meeren deutlich bemerkbar machen“, erklärt Tim Kruschke, Leiter des Referats Marine Klimafragen beim BSH.
Marine Hitzewellen – Perioden von mindestens fünf Tagen mit extrem hohen Wassertemperaturen – setzen Fischbestände, Algen und andere Meereslebewesen unter Stress. Einige Arten weichen in kühlere Gewässer aus, während sich andere, nicht-einheimische Arten ausbreiten. Gleichzeitig nehmen schädliche Algenblüten und Sauerstoffmangel zu.
Die steigenden Wassertemperaturen haben langfristige Auswirkungen. Für einige Arten wie den Dorsch werden die Lebensbedingungen in der Ostsee und Nordsee immer ungünstiger, während sich andere, wie die Pazifische Auster, ausbreiten und heimische Arten verdrängen. Warmes Wasser kann weniger Sauerstoff aufnehmen, und der Nährstoffeintrag durch Flüsse führt zu tödlichen Sauerstofflöchern. Gleichzeitig dehnt sich warmes Wasser aus, was den Meeresspiegel steigen lässt und Sturmfluten bedrohlicher macht. Wärmere Meere speichern zudem weniger Kohlendioxid, sodass mehr Treibhausgas in der Atmosphäre bleibt und den Klimawandel weiter verstärkt.
Die Daten des BSH basieren auf wöchentlichen Messungen der Oberflächentemperaturen, die Satellitendaten mit Vor-Ort-Messungen kombinieren. Die Analysen sind Teil des DAS-Basisdienstes „Klima und Wasser“ und unterstützen die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS). Beim ExtremWetterKongress am 23. und 24. September in Hamburg wird das BSH weitere Erkenntnisse zu Extremereignissen im Meer präsentieren.
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