Zum ersten Mal steht mit Pınar Coşkuner Genç eine Frau an der Spitze der Gesamtwettfahrtleitung der Warnemünder Woche. Die Türkin kennt die olympische Bühne wie kaum eine andere: 2024 leitete sie als erste Frau den Segelwettbewerb der Olympischen Spiele in Paris. Schon vor zehn Jahren war sie als Jury-Mitglied in Warnemünde im Einsatz. „Segeln ist tatsächlich ein Teil des Lebens in Warnemünde“, schwärmt sie.
Die neue Sportschule auf der Mittelmole hat die Infrastruktur für große Segelveranstaltungen deutlich verbessert. „Ich habe bei den letzten vier Olympischen Spielen mitgewirkt, und solch ein Gebäude mit dieser Ausstattung hatten wir nie zur Verfügung“, sagt Coşkuner Genç. Besonders der große Besprechungsraum, der als Lagezentrum dient, überzeugt sie: Von hier aus haben die Offiziellen direkten Blick auf das Wasser und die Bahnen.
Ihre Karriere begann mit fünf Jahren, als sie mit ihren Eltern in der Türkei erste Segelerfahrungen sammelte. Später wechselte sie in den 470er und peilte eine Olympiakampagne an – doch Budgetprobleme beendeten diesen Traum. Stattdessen fand sie ihren Weg als Wettfahrtleiterin: 2012 in London, dann in Rio, Tokio und schließlich als Gesamtverantwortliche in Paris. „Ich habe diese Stelle nicht bekommen, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich die entsprechende Qualifikation mitbrachte“, betont sie. Coşkuner Genç ist eine von nur sieben Personen weltweit mit Lizenzen als International Race Officer, International Umpire und International Judge.
Ihre Philosophie ist klar: „Wir veranstalten die Wettfahrten für die Athleten, nicht für uns.“ Die Segler stecken sehr viel Arbeit in eine Kampagne – in einem Olympiazyklus bis zu vier Jahre – da ihnen die bestmöglichen Rennen geboten werden. Oberste Priorität bleibe stets die Sicherheit der Teilnehmer. Das Lob der Segler in den vergangenen Tagen bestätigt ihren Ansatz.
Als erste Präsidentin von EUROSAF bringt sie zudem ein enges internationales Netzwerk mit. „Die Warnemünder Woche ist regional bekannt, aber international noch nicht.“ Um das zu ändern, brauche es mehr Marketing und Investitionen. Und ihre Antwort auf die Frage, ob Warnemünde Olympia ausrichten könnte, fällt klar aus: „Ich denke, Warnemünde kann Olympia!“
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