Blaualgen, auch Cyanobakterien genannt, treten in der Ostsee durch die hohe Nährstoffbelastung regelmäßig in großen Mengen auf. Bei starkem Wachstum bilden sie sogenannte Algenblüten, von denen einige giftig sind. Nach ihrem Absterben kann es zudem zu Sauerstoffmangel im Wasser kommen. Forschende des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) haben nun herausgefunden, dass parasitäre Pilze dabei eine wichtigere Rolle spielen als bisher angenommen.
Die Ergebnisse der internationalen Studie wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.
Untersucht wurde das häufige Cyanobakterium Dolichospermum. Diese Blaualge ist besonders, weil sie Stickstoff aus der Luft binden kann. Dadurch gelangt zusätzlicher Nährstoff in die Ostsee – ein Faktor, der Algenblüten begünstigt.
Die Forschenden stellten fest, dass parasitäre Pilze gezielt bestimmte Zellen der Blaualge befallen: vor allem jene, die Nährstoffe speichern und Stickstoff binden. Die Zellen, die für die Photosynthese zuständig sind, bleiben dagegen meist intakt.
Durch die Infektion entziehen die Pilze der Blaualge wichtige Reserven. Bis zu 27 Prozent des neu gebundenen Stickstoffs gehen dabei auf den Pilz über. Das schwächt die Blaualgen und könnte ihr weiteres Wachstum bremsen.
Blaualgen sind grundsätzlich Nahrung für kleine Tiere im Meer, das sogenannte Zooplankton. Fadenförmige Arten wie Dolichospermum sind jedoch schwer zu fressen.
Die Pilzinfektion verändert das: Die Blaualgen zerfallen in kleinere Teile und können so besser aufgenommen werden. Außerdem wandeln die Pilze die Biomasse der Blaualgen in Pilz-Zoosporen um. Diese sind nährstoffreich und stellen eine hochwertige Nahrungsquelle für andere Organismen dar.
So könnten die Pilze dazu beitragen, Energie und Nährstoffe besser im Nahrungsnetz der Ostsee zu verteilen.
Zwischen 2022 und 2024 wurden in den Sommermonaten regelmäßig Wasserproben aus der Ostsee untersucht. In 33 von 52 Proben wurde Dolichospermum gefunden. In mehr als der Hälfte dieser Fälle waren die Blaualgen mit Pilzen infiziert.
Das zeigt: Der Pilzbefall kommt häufig vor, besonders in nährstoffreichen Küstengewässern, wo Algenblüten besonders stark auftreten.
Isabell Klawonn vom IOW, Leiterin der Emmy-Noether-Arbeitsgruppe und Initiatorin der Studie, betont die Bedeutung der Ergebnisse: „Bisherige Forschung konzentrierte sich hauptsächlich auf die Auswirkungen von Nährstoffverfügbarkeit und Wassertemperatur auf das Vorkommen der teils giftigen Stickstoff-fixierenden Cyanobakterien. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass auch parasitäre Pilze das Wachstum und die Aktivität von Cyanobakterien beeinflussen können. Hierzu ist weitere Forschung nötig.“
Die Forschenden fanden zudem Pilzinfektionen bei weiteren Blaualgenarten. Die Studie liefert damit eine wichtige Grundlage, um Algenblüten in der Ostsee künftig besser zu verstehen – und langfristig auch besser einschätzen zu können.
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