Leuchtalgen werden zu Botschaftern für Meeresschutz

Die leuchtende Panzergeißelalge Alexandrium ostenfeldii in einem Kulturgefäß - sie wird zum Hauptdarsteller beim Kunstprojekt „Breath“.Die leuchtende Panzergeißelalge Alexandrium ostenfeldii in einem Kulturgefäß - sie wird zum Hauptdarsteller beim Kunstprojekt „Breath“.11. August 2019

Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) präsentiert vom 13. bis 16. August 2019 das Kunstprojekt „Breath“, zu Deutsch: Atem, des finnischen Fern Orchestra. Die Installation, bei der sich Behälter mit Kulturen der biolumineszenten Alge Alexandrium ostenfeldii zu Musik bewegen und dadurch eindrucksvolle Lichteffekte erzeugen, ist jeweils von 11.00 Uhr und 17.00 Uhr in der IOW-Forschungsvilla zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Durch Photosynthese – das ist die Umwandlung von CO2 in energiereiche Kohlenstoffe mit Hilfe von Sonnenlicht – produzieren mikroskopisch kleine, schwebende Meeresalgen und spezielle Bakterien die Hälfte des Sauerstoffes unserer Erde. Wir verdanken also jeden zweiten Atemzug solchen marinen Mikroorganismen. Durch die Kohlenstofffixierung bilden sie zudem die Nahrungsgrundlage aller Meereslebewesen, von denen auch wir Menschen profitieren.

Einige dieser Algen erzeugen bei mechanischer Reizung Licht. Wenn größere Ansammlungen im Meer bewegt werden – etwa durch Wellenschlag oder Brandung – funkelt das Wasser in milchigem Blau, ein Phänomen, das als Meeresleuchten bezeichnet wird. In der Ostsee wird Meeresleuchten durch die Panzergeißelalge Alexandrium ostenfeldii verursacht. Diese Art bevorzugt warmes Wasser und kommt seit rund 20 Jahren vermehrt in hiesigen Küstengewässern vor. Ihre zunehmende Ausbreitung in der Ostsee wird mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht und durch Überdüngung begünstigt. Da A. ostenfeldii starke Nervengifte produziert, die sich in Meerestieren anreichern können, verfolgen Experten diese Entwicklung mit Besorgnis. Giftige Algenblüten können große ökonomische Verluste verursachen, weil sie vom Menschen genutzte Muscheln vergiften und Fischsterben auslösen können.

Das finnische Fern Orchestra spielt in seiner Kunstinstallation „Breath“ ganz bewusst mit der Ambivalenz: Einerseits symbolisiert das wunderschöne, fast magisch wirkende Licht die immense Bedeutung der unsichtbaren Sauerstoffproduzenten für alles Leben auf der Erde. Andererseits soll aber auch deutlich werden, dass die vom Menschen verursachten Umweltprobleme wie Klimawandel und Überdüngung tiefgreifende Folgen für die Meeresökosysteme haben.

Betreut wird die Installation in der kommenden Woche vom Team des Fern Orchestra und von der IOW-Phytoplankton-Expertin Anke Kremp. Sie beschäftigt sich speziell mit toxischen Algenblüten in der Ostsee und hat auch die Kulturen von A. ostenfeldii für die Installation gezüchtet.

Foto: Universtät Hamburg / J. Peters



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