Kunst und Wissenschaft im Dialog: Ausstellung „Bach runter – Strom auf“ eröffnet im Edvard-Munch-Haus


08. Mai 2026

Im Edvard-Munch-Haus in Warnemünde treffen ab Sonnabend, 9. Mai, Kunst und Wissenschaft auf eindrucksvolle Weise aufeinander. Um 15 Uhr wird dort die interdisziplinäre Ausstellung „Bach runter – Strom auf“ eröffnet. Bis zum 5. Juli präsentieren vier Künstlerinnen ihre Arbeiten rund um Wasser, Klima, Ostsee und ökologische Veränderungen. Begleitet wird das Projekt von Wissenschaftlern des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW).

Das Ausstellungsprojekt entstand aus einer engen Zusammenarbeit zwischen Künstlerinnen und Forschenden verschiedener Fachrichtungen. Ziel ist es, Wasser als existenzielles Element sichtbar zu machen – zwischen Natur, Kultur, Wissenschaft und Zukunftsfragen. „Wir haben Künstlerinnen eingeladen, sich von laufenden Forschungen inspirieren zu lassen und haben ihnen dafür Physiker und Meeresbiologen an die Seite gestellt“, erklärt Ulrich Groß, Vorsitzender des Edvard-Munch-Haus e.V. Die wissenschaftlichen Themen reichen von der Ostsee selbst bis hin zu den sensiblen Übergangsbereichen der Flussmündungen wie der Warnow.

Die Künstlerin Tanja Zimmermann aus Klein Warin setzte sich gemeinsam mit Lloyd Reese, Experte für Küstenozeanografie am IOW, mit der wirtschaftlichen Nutzung der Ostsee auseinander. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind Fotografien, die Eingriffe des Menschen in maritime Räume dokumentieren. „Die Fotos habe ich in Grafiken umgewandelt, ausgedruckt und neu arrangiert“, beschreibt sie ihren künstlerischen Ansatz. Entstanden sind Arbeiten, die die Ambivalenz zwischen wirtschaftlicher Nutzung und ökologischen Folgen sichtbar machen.

Auch die Warnemünder Künstlerin Petra Steeger arbeitet eng mit wissenschaftlichen Daten. Gemeinsam mit den Meeresbiologen Sigrid Gründling-Pfaff und Matthias Labrenz widmete sie sich dem Zooplankton in der Ostsee und im Bereich der Warnowmündung. „Die Wissenschaftler entnehmen regelmäßig Wasserproben am Kreuzfahrtterminal Warnemünde und dokumentieren Veränderungen in Balkendiagrammen“, weiß Steeger. Die verwendeten Farbsysteme überträgt sie in filigrane Handzeichnungen mit Buntstift auf Papier und schafft so poetische Verbindungen zwischen Forschung und Kunst.

Die Berliner Künstlerin Kati Gausmann beschäftigt sich seit vielen Jahren mit geologischen Prozessen. Zusammen mit der Physikerin Leonie Barghorn vom IOW arbeitete sie zum Thema Klimamodelle. Im Mittelpunkt stehen Fragen danach, was Klimamodelle erfassen können – und wo ihre Grenzen liegen. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten ist die natürliche Klimavariabilität, die sich nicht exakt vorhersagen lässt. Dafür schichtet sie unterschiedlichste Materialien zu sogenannten „Klimamitspielern“. Fragmente aus 15 Jahren künstlerischer Arbeit werden dabei durch einen goldenen Nagel verbunden – einen „Golden Spike“, der in der Geologie als Referenzpunkt für den Beginn eines neuen Erdzeitalters gilt.

Claudia Kapellusch aus Rostock wiederum widmet sich dem Phänomen der Schwerewellen, die eine wichtige Rolle in Klimamodellen spielen. Ihr wissenschaftlicher Partner ist Georg Sebastian Völker vom IOW, der zur Vorhersage des Klimas in der Ostseeregion forscht. Kapellusch arbeitet seit drei Jahrzehnten mit weltweit gesammelten Stäuben. Für ihre aktuelle Arbeit nutzt sie unter anderem Gletschermehl, Lava- und Seegrasstaub, mit denen sie eine künstlerische Visualisierung von Schwerewellen auf Glasgewebe zeichnet.

Die Ausstellung vereint künstlerische Arbeiten mit begleitenden Informationen zu aktuellen Forschungen über Wasserqualität, Artenvielfalt, Strömungen, Klimaveränderungen und menschliche Eingriffe in aquatische Systeme. Ergänzt wird das Projekt durch Vorträge, Präsentationen und moderierte Gespräche im Edvard-Munch-Haus.

Ein besonderer Programmpunkt folgt am Sonnabend, 19. Juni, um 19 Uhr: Dann spricht Joanna J. Waniek, Professorin für Biophysikalische Wechselwirkungen in marinen Ökosystemen am IOW, in ihrem Vortrag über das Thema „Mikroplastik in der Ostsee“.

Das Edvard-Munch-Haus Warnemünde, Am Strom 53, ist immer freitags bis sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet.


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