Kunst statt Kippen – neuer Kunstautomat in Warnemünde / Idee feiert 25. Jubiläum


15. April 2026

Die Alexandrinenstraße 117 in Warnemünde hat einen neuen Blickfang: An der Hauswand vor dem Laden „Drachen und mehr“ hängt seit Kurzem ein Kunstautomat. Dabei handelt es sich um einen umfunktionierten Zigarettenautomaten, aus dem statt Zigaretten kleine Kunstwerke in Schachteln gezogen werden können. Der Automat selbst zeigt in frischen, fröhlichen Farben typische Warnemünde-Motive wie Leuchtturm, Drachen und Strand.

Das Prinzip erinnert an eine Wundertüte. „Vor dem Kauf weiß niemand, was sich konkret in der Schachtel befindet“, erklärt Ladenbetreiberin Janett Pust, die schon lange von der Idee des Initiators Lars Kaiser begeistert ist. Für vier Euro können Kunstinteressierte eine Schachtel im Zigarettenformat erwerben. „Amüsant ist, dass jüngere Kunden, die die alten Zigarettenautomaten aus DDR-Zeiten nicht mehr kennen, manchmal gar nicht wissen, wie das funktioniert“, sagt Lars Kaiser schmunzelnd.

Seinen ersten Kunstautomaten stellte er vor 25 Jahren in seiner Berliner Galerie auf. Später gab er die Galerie auf und kehrte nach Potsdam zurück, wo er heute als Kunstagent tätig ist sowie Performances und Ausstellungen organisiert. Parallel dazu entwickelte er das Konzept der Kunstautomaten mit großer Leidenschaft weiter. Seine Frau Jeanne, die unter dem Künstlernamen Jeanne Kaiserin arbeitet, gestaltete zahlreiche Automaten künstlerisch. In diesem Jahr feiert die Idee ihr 25-jähriges Bestehen.

Die Beschaffung der alten Automaten gestaltet sich inzwischen schwierig. Viele Geräte müssen aufwendig umgebaut werden. „Manchmal benötigen wir drei alte Automaten, um einen funktionstüchtigen zusammenzustellen“, berichtet Kaiser, der früher als Bildhauer gearbeitet hat.

Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Andreas Petzke betreibt er das Projekt. Petzke, der beruflich Warenautomaten betreut, ist ebenfalls viel unterwegs – eine ideale Voraussetzung für die Zusammenarbeit. Mittlerweile stehen über 300 Kunstautomaten in Deutschland, weitere in Österreich, Frankreich, Spanien und sogar Neuseeland. Bis auf den neuseeländischen Automaten werden alle von Kaiser und Petzke selbst bestückt. Für Neuseeland musste der Automat eigens auf die dortige Währung umgerüstet werden.

Der Betrieb der Automaten ist für alle Beteiligten eher eine Herzensangelegenheit als ein lukratives Geschäft. „Für viel mehr als Brot und Butter reicht es nicht“, sagt Kaiser augenzwinkernd. „Aber wir können frei arbeiten, sind viel unterwegs und ermöglichen Menschen rund um die Uhr Zugang zu Kunst.“

Gleichzeitig dienen die Automaten als Plattform für Kunstschaffende. Jede Schachtel enthält Informationen zum Urheber sowie Kontaktmöglichkeiten. „So sind schon mehrfach Auftragsarbeiten entstanden“, berichtet Kaiser. Anders als bei klassischen Ausstellungen, bei denen Künstler oft nur zur Vernissage im Mittelpunkt stehen, entsteht hier ein dauerhafter Kontakt zum Publikum. Rund 500 Kreative beteiligen sich inzwischen an dem Projekt. Ihre eingesandten Werke werden von Kaiser kuratiert – mit klaren Grenzen: „Kunst darf provozieren, aber nicht verletzen“, so der selbsternannte „König der Kunstautomaten“. Themenbereiche sind unter anderem Regionale Kunst, Küste und Meer, Landschaft und Natur, Pop- und Streetart, Liebe, Vielfalt und Sport.

Viele Automaten tragen die künstlerische Handschrift von Jeanne Kaiserin, die in Rotterdam Kunst studierte. Den neuen Warnemünder Automaten gestaltete jedoch Ines Ali-Petsch. „Er ist besonders gelungen und passt perfekt zu unserem Laden und zu Warnemünde“, freut sich Janett Pust.

Die Unternehmerin ist schon lange Fan des Projekts – ein weiterer Automat steht seit fast zehn Jahren vor der ehemaligen Galerie Möller Am Strom 68. Den Anstoß zur Bewerbung für einen eigenen Standort gab schließlich ihre Tochter, die unter dem Künstlernamen Finya Sorgenfrei selbst künstlerisch tätig ist.

Von den vier Euro pro Schachtel geht ein Euro direkt an die Künstler, der Rest deckt Produktions- und Betriebskosten. Einen zusätzlichen Vorteil sieht Pust ebenfalls: „Alle Standorte der Kunstautomaten sind auf einer Karte verzeichnet – das ist natürlich auch eine großartige Werbung für uns.“

Maria Pistor


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Peter - 16.04.2026 um 07:48 Uhr
Wenn Leihfahrräder vom Geschäft davor stehen ist es sehr schlecht dort ran zu kommen !?
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