Es ist eine liebgewonnene Tradition mit Herz und Handschrift: In der Buchhandlung Krakow Nachf. am Warnemünder Kirchenplatz wird das ganze Jahr über Geld gesammelt – nicht still und beiläufig, sondern sichtbar, kunstvoll und mit großer Verbundenheit zur lokalen Kulturszene.
Die Spenden wandern in eine ganz besondere „Sammelbüchse“ aus Keramik. Jedes Jahr entsteht ein neues Unikat – gefertigt von der 88-jährigen Künstlerin Christel Weber. Für das vergangene Jahr modellierte sie das Edvard-Munch-Haus Warnemünde, Am Strom 53, als detailreiche Plastik. Nun konnte diese mit 300 Euro gefüllte Keramik übergeben werden.
Filialleiterin Sabine Sandig reichte die Spende an den Vorstandsvorsitzenden des Edvard-Munch-Haus e.V., Ulrich Groß, weiter. Dessen Freude war spürbar: „Eine ganz tolle Idee und Ausdruck der Solidarität unter Kulturtragenden in Warnemünde. Ich hätte nie gedacht, dass am Ende so viel Geld zusammenkommt.“
Und die kunstvolle Sammelbüchse? Sie wird keineswegs im Depot verschwinden. Ulrich Groß hat bereits eine Idee: Ein Plexiglas-Kubus auf einem Sockel soll entstehen – mit Schlitz oben, sodass künftig Münzen und Scheine auf das keramische Munch-Haus „regnen“ können. Kunst als lebendiger Spendenort – sichtbares Engagement für den Erhalt eines besonderen Hauses.
Einen konkreten Verwendungszweck für die 300 Euro gibt es noch nicht. Fest steht jedoch: Das Geld fließt in den Erhalt des Munch-Hauses – jenes Ortes, an dem der berühmte norwegische Künstler Edvard Munch im Sommer 1907 lebte und arbeitete.
Das Haus ist an den Wochenenden von 12 bis 17 Uhr geöffnet, in der Saison zusätzlich freitags. Im Jahr 2025 wurden rund 3.000 Besucher gezählt – ein Zeichen für das wachsende Interesse an diesem kulturellen Kleinod.
Auch inhaltlich bleibt das Haus in Bewegung. Am 14. März – einen Tag vor dem bundesweiten Tag der Druckkunst – wird die Druckgrafik-Ausstellung „Ins offene Blau“ eröffnet. „Wir zeigen Arbeiten von Künstlerinnen, die sich mit Druckgrafiken beschäftigen“, kündigt Ulrich Groß an.
Darüber hinaus soll die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen intensiviert werden. So startet im Mai eine Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Eine spannende Verbindung: Für die Wissenschaftler wird Kunst zum zusätzlichen Transportmittel ihrer Forschung, während Künstler neue Perspektiven auf Natur und Ostsee gewinnen. „Wir wollen das Edvard-Munch-Haus für andere Institutionen im Ort öffnen – es gibt viele Querverbindungen“, betont Groß.
Die kreative Seele der Spendenaktion ist Christel Weber. Mit 88 Jahren denkt sie nicht ans Aufhören. Sie leitet einen Keramikzirkel und nimmt selbst an einem weiteren teil. Ihre Sammelbüchsen sind kleine Kunstwerke mit großer Wirkung.
Das Geld kommt durch freiwillige Spenden fürs Verpacken von Büchern und durch Trinkgelder zusammen. „Unsere Kunden mögen diese individuell gestalteten Spendendosen“, weiß Sabine Sandig.
Und die Tradition lebt weiter: Die Sammlung für das laufende Jahr ist bereits gestartet. Begünstigt wird diesmal die Seehund-Station Hohe Düne.
Für Sabine Sandig bleibt die Spendensammlung direkt am Verkaufstresen eine echte Herzensangelegenheit: „Wir wissen den Zuspruch unserer Kunden sehr zu schätzen und wollen die Aktion unbedingt weiterführen.“
Warnemünder Vereine, die finanzielle Unterstützung benötigen, dürfen sich gern bei ihr melden. Und eines ist sicher: Christel Weber wird auch für die nächste Sammelbüchse wieder eine ebenso originelle wie liebevoll gestaltete Idee finden.
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