Gut zwei Jahre ist es her, dass die Kurabgabe in Rostock nach intensiven Debatten auf 3,70 Euro pro Person und Tag angehoben wurde. Seitdem gilt dieser Satz ganzjährig und im gesamten Stadtgebiet – ohne saisonale Staffelung, mit nur wenigen Ausnahmen. Nun steht die nächste Erhöhung im Raum: Ab April könnten Gäste 4,60 Euro pro Person und Tag zahlen. Ein Plus von rund 25 Prozent.
In Warnemünde wächst der Widerstand.
Von den derzeit 3,70 Euro entfallen 1,45 Euro auf die sogenannte Mobilitätsabgabe. Sie finanziert die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Ob Bus oder Bahn tatsächlich genutzt werden, spielt dabei keine Rolle – gezahlt wird pauschal.
Genau hier liegt der Kern der aktuellen Diskussion. Der Verkehrsverbund Warnow (VVW) hält die bestehende Mobilitätsabgabe für „defizitär“ und fordert eine Anpassung. Konkrete, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen liegen jedoch bislang nicht vor.
Nach Angaben des Tourismusvereins Rostock und Warnemünde hätten Gästeumfragen in einzelnen Häusern ergeben, dass maximal zwölf Prozent der Besucher die über die GästeCard inkludierten ÖPNV-Angebote tatsächlich nutzen.
„Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir eine belastbare Statistik brauchen“, betont der Vorsitzende des Tourismusvereins, Frank Martens. „Erst dann kann man bewerten, ob sich das Modell trägt oder nicht.“
In der jüngsten Ortsbeiratssitzung Warnemünde/Diedrichshagen gab er aufgrund einer Bürgernachfrage einen kurzen Bericht zum aktuellen Sachstand. Demnach soll die Kurabgabe ab 1. April auf 4,60 Euro steigen – inklusive der Nutzung der Warnowfähre zwischen Warnemünde und Hohe Düne.
Für die Gastgeber ist das ein sensibles Signal – und das zu einem Zeitpunkt, wo die Vorbuchungsstände für die kommende Saison in den Hotels auf bedenklich niedrigem Niveau sind. „Wenn wir einem Paar am Anreisetag sagen müssen: Willkommen in Rostock, bitte zahlen Sie zunächst 9,20 Euro – und am nächsten Tag bei Abreise noch einmal 9,20 Euro, selbst wenn Sie nichts genutzt haben, dann schreckt das ab“, so Martens.
Besonders konfliktträchtig ist ohnehin die Regelung, dass die Kurabgabe sowohl für den An- als auch für den Abreisetag fällig wird. Ein Fahrradtourist, der am Freitagabend ankommt und am Sonnabend morgens wieder abreist, zahlt damit automatisch für zwei volle Tage.
Hinzu kommt: Viele Gäste reisen inzwischen mit dem Deutschlandticket an – und verfügen damit bereits über eine umfassende ÖPNV-Nutzung.
Nach aktuellem Stand stehen offenbar nur zwei Varianten zur Diskussion: 4,60 Euro pro Person und Tag inklusive ÖPNV und Fähre oder eine Kurabgabe ohne Mobilitätsanteil. „Beides ist suboptimal“, fasst Martens zusammen. Alternative Vorschläge aus dem Tourismusverein seien von Seiten des VVW kategorisch abgelehnt worden.
Auch Axel Tolksdorff, Vorsitzender des Ortsbeirates Warnemünde und Mitglied im Tourismusausschuss der Bürgerschaft, spricht von „keinen schönen Aussichten“. Nun sei die Rostocker Bürgerschaft gefordert, die Kalkulation genau zu prüfen.
Die Tourismuszentrale Rostock und Warnemünde äußert sich auf Nachfrage zurückhaltend. Aus der Pressestelle heißt es: „Die Satzung zur Erhebung der Kurabgabe befindet sich mitsamt der Kurabgabenkalkulation inklusive des ÖPNV-Fahrpreisanteils derzeit in verwaltungsinterner Abstimmung.“
Damit ist klar: Die Entscheidung steht noch aus. Doch sollte die Erhöhung wie geplant kommen, dürfte Rostock im landesweiten Vergleich zur Spitze bei der Kurabgabe zählen.
Für eine Stadt, die stark vom Tourismus lebt, ist das mehr als nur eine Rechenfrage. Es geht um nicht weniger als Wettbewerbsfähigkeit, Akzeptanz – und um die Balance zwischen Infrastrukturfinanzierung und Gastfreundschaft.
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Es nimmt einfach kein Ende, dass Warnemünde wie eine Kuh gemolken wird und die Erlöse irgendwo in Rostock verschwinden. Wie lange das noch gut geht !? In keinem der Ostseebäder sieht es so heruntergekommen aus wie hier : Fußwege, Straßen, Toilettenangebot, Sauberkeit und vieles mehr - ein Graus. Unter anderem auch die Mühlenstraße - eine unendlich negative Geschichte. Wir fahren lieber z.B. nach Kühlungsborn zum Flanieren ! Einzig das Hafenflair ist hier noch ein Anziehungspunkt - noch. Wie lange wird es dauern, bis auch der letzte alte Kutter den Geist aufgeben muss ?
Warnemünde sollte die Kurabgabe lieber für wirklich nötige Projekte nutzen. Der Zustand der Toiletten ,zum Beispiel das Dixi Klo am Parkplatz Jugendherberge, ist eine Zumutung für Touristen,Einheimische und Besucher !!! Aber das Geld wird ja lieber für Prestige Projekte im Rostocker Zentrum und für eine nicht mehr funktionierende Stadtverwaltung ausgegeben.Dabei wird aber leider vergessen wer das Geld und die Investitionen nach der Wende nach Rostock geholt hat.Also säge nicht an dem Ast auf dem Du selber sitzt.
Im Artikel sind zur weiteren Erhöhung der Kurabgabe einige Argumente zur Diskussion gestellt worden.
Weitere Alternativen sollten unbedingt, die Akzeptanz der Nutzungsmöglichkeiten, hinzu kommen:
ausgewählte ÖPNV-Verbindung(en) oder Entfall der ÖPNV-Pauschale (Deutschlandticket, Auto, Fahrrad... An-Abreise 1 Tag).
Hier wird sich die Flexibilität und Prioritätensetzung der Rostocker Bürgerschaft beweisen. Will die Bürgerschaft Tourismus unterstützen/fördern oder die Stadtkasse füllen.