Zuwanderung und Migration gehören längst zum Arbeitsalltag in Rostocks Hotellerie und Gastronomie. Viele Betriebe könnten ihren Personalbedarf ohne Mitarbeiter aus dem Ausland kaum noch decken. Doch damit Menschen hier wirklich ankommen, braucht es mehr als einen Arbeitsplatz: Unterstützung bei Sprache, Wohnung, Behörden und im neuen Alltag gehört für viele Unternehmen inzwischen dazu.
Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschafts- und Standortfaktoren für Rostock und seine Seebäder. Hotels, Gastronomie, Handel und Kultur profitieren von den Gästen und sichern zugleich zahlreiche Arbeitsplätze. 2025 gab es in Rostock insgesamt 114 Tourismusbetriebe, darunter Hotels, Gasthöfe und Pensionen. Mit 908.800 Ankünften und 2.317.693 Übernachtungen wurde dabei ein neuer Höchststand erreicht, berichtet Moritz Naumann, Sprecher der Tourismuszentrale Rostock und Warnemünde. Für 2026 liegen bislang Zahlen bis Mai vor: Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wurden 0,5 Prozent mehr Übernachtungen registriert.
Dem touristischen Erfolg steht allerdings ein seit Jahren angespannter Arbeitsmarkt gegenüber. Fachkräftemangel, Saisonalität, Abwanderung und Kostendruck machen es für die Betriebe zunehmend schwierig, offene Stellen zu besetzen. Internationale Fachkräfte und Studierende sind deshalb für viele Häuser längst ein wichtiger Teil der Lösung. Weltoffenheit und eine möglichst unkomplizierte Integration werden dabei immer wichtiger.
Doch wie sieht das konkret im Arbeitsalltag aus? Wir haben uns in Warnemünde, Diedrichshagen und Markgrafenheide umgeschaut und bei den Betrieben nachgefragt, welche Erfahrungen sie mit internationalen Mitarbeitern machen und wie sie das Ankommen unterstützen.
Wie international die Belegschaften inzwischen sind, zeigt das Hotel Neptun in Warnemünde. Dort arbeiten rund 300 Menschen aus 30 Ländern. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund sind in nahezu allen Bereichen tätig – von Rezeption und Restaurant über Bar und Neptun Spa bis hin zu verantwortungsvollen und leitenden Positionen.
Für Franziska Wietzke zählen vor allem Qualifikation, persönliche Fähigkeiten und Motivation – unabhängig von Herkunft oder kulturellem Hintergrund. Entsprechend stehen internationalen Beschäftigten dieselben Entwicklungs- und Karrierewege offen wie allen anderen. Beispiele reichen vom berufsbegleitenden Studium und IHK-Abschluss bis zu verantwortungsvollen Aufgaben im Unternehmen. „Claudio Barbatei ist beispielsweise langjährig als Trainer für unsere Gäste da. Matt Gurion kümmert sich als Barkeeper an der LobbyBar um unsere Gäste. Tommaso Ginanni verantwortet als Restaurantleiter den erstklassigen Service und die Anleitung der Mitarbeiter und Auszubildenden. Tereze Onufriejeva trägt als Hausdamenassistentin ebenfalls wesentlich zur Gästezufriedenheit bei. Und rückblickend erinnern wir uns natürlich auch an Gianluca Innocenti, der als Stellvertretender Hoteldirektor 17 Jahre bei uns tätig war, bevor er jetzt in seine Heimat zurückgekehrt ist“, führt die Personalleiterin aus.
Auch bei der Integration unterstützt das Hotel seine Beschäftigten, unter anderem mit festen Paten während der Einarbeitung, Hilfe beim Spracherwerb, Weiterbildungsangeboten und Unterstützung bei Behördengängen und organisatorischen Fragen. Sprachcafés und Welcometreffs sollen zusätzlich das Ankommen im sozialen Umfeld erleichtern. Vielfalt versteht das Unternehmen ausdrücklich als Bereicherung und als Möglichkeit, unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven zusammenzubringen.
Die Bedeutung internationaler Beschäftigter zeigt sich auch im StrandResort Markgrafenheide. Von 91 Beschäftigten besitzen 25 eine internationale Staatsangehörigkeit – rund 28 Prozent der Belegschaft. Von 91 Beschäftigten besitzen 25 eine internationale Staatsangehörigkeit – rund 28 Prozent der Belegschaft. Sie arbeiten unter anderem in Küche und Service, im Housekeeping und in weiteren operativen Bereichen. Das Resort betont, dass diese Mitarbeiter nicht lediglich als kurzfristige Antwort auf den Fachkräftemangel gesehen werden. Sie seien vielmehr ein fester und unverzichtbarer Bestandteil des Teams: „Internationale Beschäftigte helfen uns nicht nur dabei, offene Stellen zu besetzen, sondern bereichern unsere Teams fachlich und menschlich“, sagt Personalleiterin Ramona Mayer. Auch bei den Auszubildenden zeigt sich die Internationalität: Junge Menschen mit familiären beziehungsweise nationalen Bezügen unter anderem zu China, der Türkei, dem Iran, Algerien und Deutschland beginnen dort ihre berufliche Laufbahn.
Dabei sollen internationale Mitarbeiter langfristige Perspektiven erhalten. Neben fachlicher Weiterbildung und zusätzlichen Verantwortungsbereichen gehören dazu selbstverständlich auch Entwicklungsmöglichkeiten in Richtung Führung.
Unterstützung gibt es bei sprachlichen und organisatorischen Fragen, Behördengängen, Versicherungen sowie Fragen zu Aufenthalt und Arbeitserlaubnis. Eine Dienstwohnung auf dem Resortgelände kann insbesondere in der Anfangsphase beim Ankommen helfen. Besonders schön ist es zu sehen, dass die gegenseitige Unterstützung häufig über den Arbeitsplatz hinausgeht und Freundschaften entstehen. „Für uns zeigt sich genau darin gelungene Integration: wenn sich Menschen nicht nur beruflich zurechtfinden, sondern sich wirklich willkommen und als Teil des Teams fühlen“, so Mayer.
Die Prokuristin im Strandresort Markgrafenheide, Anne Schlücker, betont: „Unsere internationalen Mitarbeiter sind für uns längst unverzichtbar, denn wir können unseren Personalbedarf heute nicht mehr allein über den deutschen Arbeitsmarkt decken. Gleichzeitig erlebe ich bei vielen von ihnen ein hohes Maß an Motivation, Ehrgeiz und Einsatzbereitschaft sowie eine große Wertschätzung für die beruflichen Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten, die sich bei uns bieten. Für uns geht es daher um weit mehr als die Besetzung offener Stellen: Wir möchten ein Umfeld schaffen, in dem Menschen gut ankommen, sich weiterentwickeln und langfristig eine berufliche Heimat finden können.“
Auch im Baltic-Freizeit Campingpark Markgrafenheide gehören internationale Beschäftigte zum Team. Von den 38 festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben fünf einen Migrationshintergrund und arbeiten in Gastronomie und Rezeption. Während der Saison wird das Team zudem durch 23 Studenten aus Tschechien, der Slowakei und Deutschland verstärkt. Für alle Festangestellten bestehen grundsätzlich die gleichen Möglichkeiten, Führungsverantwortung zu übernehmen.
Auch das Ringhotel Warnemünder Hof in Diedrichshagen setzt stark auf internationale Mitarbeiter. Rund 70 Beschäftigte, einschließlich der Auszubildenden, arbeiten dort. 22 von ihnen haben internationale Wurzeln und kommen aus 18 verschiedenen Ländern. Das entspricht mehr als 31 Prozent der Belegschaft.
Besonders deutlich zeigt sich der Anteil bei den Auszubildenden: Acht der derzeit neun Auszubildenden kommen aus dem Ausland. Im Housekeeping liegt der Anteil internationaler Kollegen bei 38 Prozent, im Service bei 40 Prozent. Am Empfang sind drei ausländische Beschäftigte tätig.
Bei den Karrierechancen soll die Herkunft auch im Warnemünder Hof keine Rolle spielen. „Eine ehemalige Auszubildende aus Weißrussland ist inzwischen Ausbilderin im Service. Ein ehemaliger Auszubildender aus Syrien hat sich zum stellvertretenden Empfangschef entwickelt und soll künftig ebenfalls in der Ausbildung Verantwortung übernehmen“, berichtet Personalleiterin Nadine Engelbrecht. Unterstützung leistet man unter anderem bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen und beim Schriftverkehr mit Behörden und Institutionen. „Wir bieten zudem einen eigenen wöchentlichen Sprachkurs mit einer pensionierten Deutschlehrerin aus der Nachbarschaft an.“
Im Hotel Hübner Warnemünde arbeiten insgesamt 130 Menschen, darunter 40 ausländische Beschäftigte. Sie kommen aus zahlreichen Ländern und sind unter anderem im Housekeeping (14), in der Küche (11), im Wellnessbereich (3) und im Restaurant (10) tätig. Zwei Auszubildende aus Vietnam sollen noch im Laufe des Jahres das Restaurantteam verstärken.
Auch hier sind Aufstiegsmöglichkeiten vorhanden. „Bei entsprechenden Deutschkenntnissen und fachlichen Fähigkeiten können internationale Beschäftigte Führungsverantwortung übernehmen. Zwei Mitarbeiterinnen arbeiten bereits als Hausdamenassistentinnen in leitenden Funktionen“, sagt Personalleiterin Anke Rüssel.
Das Hotel stellt zudem eine Firmenwohnung zur Verfügung, bietet Deutschkurse an und unterstützt bei Formalitäten. Eine Herausforderung bleibt allerdings die Bürokratie: Die hohen bürokratischen Hürden können den Übergang in Arbeits- und Wohnverhältnisse deutlich verlangsamen.
Im Hotel Ostseeland in Diedrichshagen haben 14 der rund 50 Beschäftigten einen Migrationshintergrund. Sie arbeiten in Restaurant, Küche, Housekeeping und Rezeption. Auch hier gilt nach Angaben von Hotelchef Alexander Soyk: Leistung und Sozialverhalten seien entscheidend, nicht die Herkunft.
Eine besondere Herausforderung sei allerdings die Sprache. Tätigkeiten ohne direkten Gästekontakt ließen sich bei noch vorhandenen Sprachbarrieren teilweise leichter besetzen. Gleichzeitig zeigt ein Beispiel aus dem Housekeeping, dass Entwicklung möglich ist: Eine polnische Mitarbeiterin wurde zur leitenden Hausdame. Das Hotel unterstützt internationale Beschäftigte in allen Bereichen, darunter Wohnungssuche, Sprachkurse und Behördengänge.
Für den Tourismusverein Rostock und Warnemünde ist die Entwicklung eindeutig: Tourismus lebt von Gastfreundschaft, Willkommenskultur und kulturellem Austausch. Das gilt nicht nur für die Gäste, sondern ebenso für die Menschen, die in den Hotels, Restaurants und touristischen Einrichtungen arbeiten, heißt es in einer Stellungnahme.
Nach Einschätzung des Tourismusvereins wären viele Betriebe inzwischen ohne internationale Mitarbeiter nicht mehr in der Lage, ihre Dienstleistungen im bisherigen Umfang anzubieten. Der Verein spricht sich deshalb klar gegen Ressentiments, Ausgrenzung und Diskriminierung aus. Offenheit, Respekt und gegenseitige Wertschätzung seien grundlegende Voraussetzungen für die positive Entwicklung des Tourismusstandortes und der Stadt Rostock.
Die Beispiele aus Warnemünde, Diedrichshagen und Markgrafenheide zeigen dabei ein gemeinsames Bild: Migration und Zuwanderung sind im Tourismus längst keine Randerscheinung mehr. Nicht nur in Rostock. Internationale Beschäftigte arbeiten in nahezu allen Bereichen, übernehmen Verantwortung, absolvieren Ausbildungen und entwickeln sich zu Führungskräften. Gleichzeitig wird deutlich, dass erfolgreiche Integration Unterstützung bei Sprache, Wohnung, Behörden und beruflicher Entwicklung voraussetzt. So wird aus der notwendigen Personalgewinnung im besten Fall eine langfristige Perspektive – für die Beschäftigten ebenso wie für die touristischen Betriebe.
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