Tausende Besucher feiern die traditionelle Brückendrehung – viele Boote, Freibier und ein Blick zurück auf die Geschichte des technischen Denkmals
„Gigantisch, wie viele Boote dabei sind – ich freue mich wirklich sehr“, sagte Stefanie Pensky, neue Vorsitzende des Gemeinnützigen Vereins für Warnemünde e.V., am Sonnabend beim traditionellen Brückenfest. Gemeint waren die zahlreichen Wasserfahrzeuge aller Größen und Arten, die zur Brückenöffnung die Wasserstraße passierten – vom nördlichen in den südlichen Alten Strom und umgekehrt. „Angekündigt waren nur ein paar Optis und dann so viele. Es ist kaum zu glauben“, jubelte Pensky.
Der Sonnabend ist traditionell der Höhepunkt des Warnemünder Brückenfestes, mit dem das Ostseebad den Abschied von der Sommersaison feiert. Bei bestem Spätsommerwetter versammelten sich Tausende Menschen entlang des Alten Stroms, um das maritime Spektakel und die Drehung der historischen Bahnhofsbrücke zu verfolgen.
Namensgeber und Mittelpunkt des Festes ist die denkmalgeschützte Bahnhofsbrücke. Auch in diesem Jahr ließ es sich Heiko Tiburtius, Leiter des Rostocker Tiefbauamtes, nicht nehmen, persönlich über die Geschichte des technischen Denkmals zu berichten.
Die Brücke wurde 1903 gebaut und sollte die durch ihre „Halbinsellage“ vom Festland getrennte Bahnhofsanlage über den Alten Strom anbinden. Im Rahmen des „Königlich-herzoglichen Verkehrsprojekts“ entstand eine 29,5 Meter lange, 7,10 Meter breite und rund 80 Tonnen schwere Konstruktion, die von Beginn an auch für Fußgänger nutzbar war.
Ihre Geschichte verlief allerdings nicht ohne Unterbrechungen. 1938 drehte sich die Brücke nach Jahrzehnten erstmals nicht mehr: Ein Lagerschaden führte zur jahrelangen Stilllegung. Erst 1991 kehrte sie nach einer umfassenden Restaurierung durch die Neptun-Warnowwerft wieder in ihre Funktion als Drehbrücke zurück.
Auch danach blieb die Brücke nicht von Schäden verschont. In den Jahren 2000 und 2005 wurde sie jeweils von Fahrgastschiffen angefahren und musste anschließend repariert werden. 2014 wurde die Drehmechanik grundlegend erneuert. Bei einer weiteren Teilinstandsetzung im Jahr 2022 erhielten die Gehwege neue, FSC-zertifizierte Eichenbohlen aus der Rostocker Heide.
Unter den Augen der Besucher setzte sich das technische Denkmal nun erneut in Bewegung – ein Moment, der beim Brückenfest jedes Jahr für besondere Aufmerksamkeit sorgt.
Kurz vor der Brückenöffnung wurde ebenfalls eine bewährte Tradition fortgesetzt: Taucher des Tauchsportclubs Warnemünde holten einen „Schatz“ aus dem Wasser – ein Bierfass, gestiftet von der Hanseatischen Brauerei Rostock.
Nachdem sich die Brücke wieder geschlossen hatte, nahmen Gerd Grunwald, der neue Vorsitzende der Warnemünder Trachtengruppe, und Braumeister Marcel Krüger gemeinsam den Fassbieranstich vor. Anschließend hieß es: Freibier, solange der Vorrat reicht.
Die Warnemünder Trachtengruppe hatte erst am Freitag ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert und setzte damit gleich am nächsten Tag einen weiteren farbenfrohen Akzent beim Brückenfest.
Für maritime Begleitung sorgte außerdem die Freiwillige Feuerwehr Warnemünde. Ein Löschzug der Jugendfeuerwehr ließ zur Brückendrehung kräftige Wasserfontänen spritzen. Dass dies trotz des gleichzeitig in Rostock stattfindenden Tages des Bevölkerungsschutzes möglich war, freute die Veranstalter besonders. Als Ersatz für den zweiten Löschzug war die Schützengesellschaft Concordia e.V. Rostock mit fünf Schützen und ihren Büchsen dabei.
Musikalisch war in diesem Jahr Improvisation gefragt. Die Warnemünder Jungs, die traditionell die Brückendrehung begleiten, fehlten. Stefanie Pensky nahm die Situation mit Humor: „Die Warnemünder Jungs sind auf ein Tretboot gestiegen und haben die richtige Brücke nicht gefunden“, scherzte sie bei ihrer Anmoderation. Vertreten wurden die Musiker würdig durch Carl Z., immerhin Gründungsmitglied der Warnemünder Jungs.
Auch kulinarisch trugen die Warnemünder zum Gelingen des Festes bei. Für den Kuchenbasar des Vereins wurden mehr als 20 selbst gebackene Kuchen gespendet. 850 Euro kamen aus dem Verkauf zusammen – für den guten Zweck.
Stefanie Pensky zeigte sich insgesamt sehr zufrieden mit dem Verlauf des Festes und lobte insbesondere die Zusammenarbeit mit der Tourismuszentrale Rostock und Warnemünde und den beteiligten Ämtern. „Jeder weiß, was zu tun ist, ein eingespieltes Team und es würde mich freuen, wenn das auch in Zukunft so bleibt“, betonte die Vereinsvorsitzende.
Auch Martin Boldt vom Kulturmanagement der Tourismuszentrale zog ein positives Fazit: „Das Wetter war spitzenmäßig, besser geht’s nicht. Wir sind rundherum zufrieden“ Gemeinsam mit dem Warnemünde Verein hatte die Tourismuszentrale das Brückenfest veranstaltet.
Zum Abschluss eines ereignisreichen Tages galt der Dank Stefanie Penskys allen Beteiligten: dem Rostocker Tiefbauamt, der Hanseatischen Brauerei Rostock, dem Warnemünder Segel-Club, dem Tauchsportclub Warnemünde, den vielen Kuchenbäckern und natürlich dem Publikum.
Mit der traditionellen Drehung der Bahnhofsbrücke, vielen Booten auf dem Alten Strom, Musik, Wasserfontänen und Freibier erwies sich das Brückenfest damit erneut als stimmungsvoller Abschluss der Sommersaison 2026.
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