In Warnemünde gibt es etliche markante Gebäude. Neben Leuchtturm, Teepott, Evangelischer Kirche und dem Hotel Neptun zählt auch die Jugendherberge in der Parkstraße 24 dazu. „Wegen der Kugel auf dem Dach, die dem Deutschen Wetterdienst gehört, wurde unser Haus schon manchmal von Touristen mit einer Sternwarte verwechselt“, erzählt Miriam Gedrose, Sprecherin des Deutsches Jugendherbergswerk, Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. Die Warnemünder Herberge ist die drittgrößte des Landes.
Zu den größten Pfunden dieser Unterkunft zählt vor allem die Lage – nur einen Steinwurf von der Ostsee entfernt. Doch es gibt weitere Gründe für die Beliebtheit dieser Adresse. „Die Nähe zu Rostock mit all den Angeboten im Wassersport sowie dem großen Kultur- und Freizeitangebot vieler Partner vor Ort ist vor allem für Schulklassen und Gruppen sehr reizvoll“, so die Sprecherin. Bei Themen wie Umweltbildung besteht zudem eine enge Zusammenarbeit mit dem IGA-Park.
Anne Scholz leitet die Warnemünder Jugendherberge. Die 35-Jährige verfügt über große Erfahrung in der Führung solcher Einrichtungen, besitzt ein ausgeprägtes Management- und Organisationstalent und ist zudem bestens mit dem Buchungssystem für die 222 Betten in 57 Zimmern vertraut. „Und nicht zuletzt ist sie eine tolle Chefin für das Team mit 16 Mitarbeitenden“, betont Gedrose.
Für die Warnemünder Crew spricht auch, dass Mitarbeitende wie Veronique Moyzio nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Tourismus und Freizeit fest ins Team an der Rezeption übernommen wurden. Küchenleiter Sven Philipp war zuvor lange als Koch im Haus tätig, bevor er die Leitung dieses Bereiches übernahm. Das Durchschnittsalter der Crew liegt bei 40 Jahren. Neben jungen Mitarbeitern wird bewusst auf die Erfahrung älterer Kollegen gesetzt. Personalsorgen, wie sie manch anderes Haus kennt, betreffen diese Adresse derzeit nicht.
Das ist ein Glück. Doch auch in Warnemünde gibt es – wie in anderen Herbergen – ein Thema, das Sorgen bereitet. „Es existiert ein großes Teilhabeproblem, das sich wirtschaftlich auf die Jugendherbergen auswirkt und zu erheblichen Verlusten führt“, so Miriam Gedrose. Daran habe auch die Politik ihren Anteil. Ohne finanzielle Unterstützung ist es manchen Familien nicht möglich, ihre Kinder an Klassenfahrten teilnehmen zu lassen. Hinzu kommt die Unsicherheit, ob es von politischer Seite ausreichend Unterstützung für betroffene Kinder, Jugendliche und Begleitpersonen geben wird.
„Wir erleben in allen zwölf Jugendherbergen, dass einzelne Kinder aus diesen Gründen nicht mitfahren können“, sagt die Sprecherin. Das führt zu sogenannten Einzelplatzstornierungen – wenn die Buchung einer Gruppe bestehen bleibt, sich die Zahl der Teilnehmenden jedoch Monate vor Reiseantritt deutlich verringert.
In Warnemünde und den anderen Häusern des Landesverbandes gingen 2025 insgesamt rund 14.000 Übernachtungen durch Einzelplatzstornierungen verloren. Konkret mussten 3.500 Kinder zu Hause bleiben. Und obwohl viele Gruppen aufgrund der Beliebtheit der Herbergen regelmäßig wiederkommen, hat das wirtschaftliche Folgen für die Einrichtungen – und soziale für die betroffenen Kinder. „Denn oft macht erst eine Klassenfahrt aus einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern eine Klasse.“
Deshalb forderten Jugendherbergen und Schulen eine deutliche Anhebung der finanziellen Mittel für Klassenfahrten. Eine Information von Bildungsministerin Simone Oldenburg (Die Linke) sorgte kürzlich für Hoffnung bei Familien, Schulen und Jugendherbergen. Demnach werden in Mecklenburg-Vorpommern künftig mehr Mittel für Klassenfahrten bereitgestellt. „Im Jahr 2026 sind 1,2 Millionen Euro eingeplant, im vergangenen Jahr standen 968.500 Euro zur Verfügung“, heißt es aus dem Ministerium. Die höheren Mittel ermöglichen es, zwei zusätzliche Klassenfahrten zu fördern – eine in der Grundschule und eine in der Orientierungsstufe.
Neben Klassen und Gruppen können grundsätzlich alle in den Jugendherbergen übernachten, die Mitglied im Deutschen Jugendherbergswerk sind. Die Mitgliedschaft kann direkt vor Ort abgeschlossen werden. Service für Familien wird in Warnemünde großgeschrieben. „Wir haben ein tolles Spielzimmer. Außerdem leihen wir Rausfallschutz für Kinderbetten sowie Babyphone kostenlos aus“, sagt die Sprecherin.
Auch für Tagungen, Proben und Seminare ist die Warnemünder Herberge hervorragend geeignet. „Und bei großen Veranstaltungen in der benachbarten Sporthalle wird unser Angebot für Gruppen oft ergänzend genutzt“, erklärt Kai-Michael Stybel, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes Deutscher Jugendherbergen MV. Was bei aller Flexibilität jedoch nicht möglich ist: „Wir können unser Geschäftsmodell nicht verändern und komplett auf Familien umstellen – wir sind und bleiben vor allem für Klassenfahrten und Gruppenreisen da.“
Maria Pistor
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