An die Chroniken von Friedrich Barnewitz anknüpfen


19. Februar 2026

Es gibt Tage, da würde sich der bekannte Heimatautor und Warnemünde-Kenner Friedrich Barnewitz beim Blick in das Arbeitszimmer von Museumsleiter Christoph Wegner vermutlich freuen – auch wenn das natürlich nur theoretisch möglich ist, denn Barnewitz verstarb bereits 1948.

In regelmäßigen Abständen trifft sich im Warnemünder Heimatmuseum eine Gruppe ausgewiesener Heimatexperten um den Historiker Wilfried Steinmüller. Sein fundiertes Wissen über die Rostocker Heide hat ihm den Beinamen „Heideprofessor“ eingebracht. Gemeinsam mit Ortschronisten wie Achim Schade, Ronald Piechulek und Museumsleiter Christoph Wegner kommt die Runde einmal im Quartal zusammen, um die Geschichte des Ostseebades Warnemünde im Internet festzuhalten und fortzuschreiben.

„Seit Friedrich Barnewitz seine Chroniken über den Hafenort Warnemünde verfasst hat, gab es keine umfassende neue Chronik mehr“, bedauert Steinmüller. Barnewitz veröffentlichte 1916 seine Dissertation „Geschichte des Hafenorts Warnemünde“, weitere Ausgaben folgten 1919 und 1925. Die Experten sind sich einig: Wer heute über Warnemünde schreibt, sollte sich auf die zweite Auflage von 1925 beziehen. „Darin hat Barnewitz im Vergleich zu den früheren Ausgaben vieles überarbeitet und ergänzt“, betonen die Historiker.

Seit fast zehn Jahren gibt es nun ein interaktives Ortschronistenportal, an dessen Entwicklung auch der Volkskundler und langjährige Leiter des Wossidlo-Archivs an der Universität Rostock, Christoph Schmitt, mitgewirkt hat.

Das auf Wikimedia basierende – nicht mit Wikipedia zu verwechselnde – System ermöglicht das Verfassen und Abrufen öffentlich zugänglicher Ortschroniken im Internet. Geleitet wird das Portal von Wilfried Steinmüller. Für mehr als 450 Orte in Mecklenburg-Vorpommern existieren bereits Chroniken. Finanziert wurde das Projekt vom Bildungsministerium des Landes. Unter www.ortschroniken-mv.de können Interessierte kostenfrei Beiträge lesen. Wer aktiv mitschreiben möchte, muss sich registrieren und autorisieren lassen. Eine Redaktionsgruppe prüft die fachliche Kompetenz neuer Autoren, bevor sie die Mitarbeit freigibt.

Der große Vorteil des Systems: Es ist erweiterbar. Deshalb trifft sich die Warnemünder Runde vierteljährlich, um neues Material zu sichten, Lücken zu füllen und sich darüber auszutauschen, welcher Experte gerade an welchen Themen arbeitet. „Mir liegt sehr daran, dass immer mehr Orte mit ihren Chroniken vertreten sind und die weißen Flecken auf der Landkarte verschwinden“, betont Steinmüller.

Neu in der Runde ist diesmal Sven Lorenzen. Von ihm stammt unter anderem eine Internetseite über die Warnemünder Gedenktafeln und den Planetenweg. „Leider kann ich diese aus technischen Gründen nicht mehr bearbeiten“, bedauert er.

Auch Werke bekannter Heimatforscher wie Ludwig Krause oder Wilhelm Dabelstein werden in die digitale Chronik eingearbeitet. „Dabelstein war einer der wenigen, die Geschichten auf Warnemünder Platt geschrieben haben“, sagt Steinmüller. Von diesem vielseitigen Autor ist er bekennender Fan. „Die letzte Warnemünderin, die das noch sprach und verstand, ist 1926 gestorben.“

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit: die Transkription alter Schriften in heutige Schriftzeichen. Aktuell arbeitet Steinmüller an einem 68-seitigen Pamphlet in schwer entzifferbarer Handschrift – elf Seiten sind bereits übertragen. Nun soll der pensionierte Professor und Autor Horst D. Schulz um Unterstützung gebeten werden. Er ist erfahren auf diesem Gebiet und gilt zudem als ausgewiesener Kenner der Warnemünder Geschichte.

In ihren Quartalsrunden besprechen die Ortschronisten ihre laufenden und geplanten Projekte, gearbeitet wird anschließend individuell. Achim Schade aus Hohe Düne widmet sich intensiv der Geschichte seines Wohnortes und gilt zudem als Experte für Postgeschichte. Zuletzt hat er sich auch mit der neueren Militärgeschichte von Hohe Düne beschäftigt.

Eine weitere Idee wurde ebenfalls diskutiert: In Abstimmung mit dem Leuchtturmverein könnten die im Ort verteilten Tafeln zu bedeutenden Persönlichkeiten künftig mit QR-Codes versehen werden. Diese würden direkt zu den entsprechenden Seiten im Ortschronikenportal führen – ein zusätzlicher Mehrwert für alle, die durch Warnemünde bummeln und mehr über die Geschichte des Ortes erfahren möchten.

Maria Pistor


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